Ein Neuanfang

Der Autor:

Mein Name ist Picollo und bin 78 … also Jahrgang … und wohne im Regensburger Land

Schreiben ist eigendlich überhaupt nicht mein Ding, Lesen übrigens auch nicht 😉
Jedenfalls keine Bücher bzw. Romane, vielleicht und allerhöchstens Kurzgeschichten. Aber Roberts hat mich mit seinem Projekt, welches selbstredend keine weitere Erwähnung nötig hat, so in seinen Bann gezogen, daß sogar meine Phantasie mit mir durchging. Aus diesen Phantasien entstand eine Idee, eine Szenario, ein Augenblick einer Geschichte. Und wie für meine Wenigkeit üblich, mußte ich diese Idee irgendwie umsetzen.

Begonnen hab ich mit einem Absatz, eine Beschreibung des Szenarios, und verwandelte diesen in eine kleine Geschichte, oder in diesem Fall „Eine kleine Anekdote“. Ein Bekannter brachte mich dann dazu, daraus meine Charakterstory zu machen, und so setzte ich meinen Namen ein. Den Gedanken der Charakterstory setzte ich fort. Folglich schossen mir natürlich weitere Ideen durch den Kopf. Aber mal sehen, wenn sich diese Ideen nicht in fünf Sekunden selbst zerstören, werde ich auch diese irgendwann umsetzen müssen.

Besagter nächster Teil wird heißen „Das Letzte Log“ und beschreibt die Hintergründe meines Austritts aus der U.E.E.
Der dritte und letzte Teil beschreibt meinen Weg zur DSC. Es hat bis jetzt noch keine Überschrift. Ich tendiere zwar zu „Aufbruch in neue Welten“, aber da nehme ich mir wohl zu viel raus, also wohl eher die andere Version: „Ein Neuanfang“

Nun aber zur ersten Geschichte, und entschuldigt bitte meine vielleicht stümperhafte Erzählweise. Das letzte Mal, als ich eine Geschichte schrieb, war ich 8 Jahre alt. Sie füllte drei DIN A7 Seiten in dicker Filzschrift und handelte von einem kranken Regenbogen.

1. Eine kleine Anekdote

„Krieg“, keine besonders denkwürdige Zeit und eine Schlacht, kein besonders denkwürdiges Ereignis. Nichts was man erwarten würde, sehr gerne aber schnell wieder hinter sich lässt.

Wenn du auf dem Schlachtfeld angeschossen wirst, dann lässt du dich auf den Boden fallen und denkst an die gute alte Genfer Konvention, sofern du mal davon gehört hast und daran, wie schön es wäre, wenn es diese noch gäbe.

Wenn das Cockpit deines Raumjägers im leeren Raum von einem Projektil, einem Laser oder nur einem winzigen Trümmerstück durchschlagen wird, dann hast du allerdings nicht mehr viel Zeit darüber nachzudenken was wäre wenn…

Aber was wäre, wenn diese Begebenheiten schon viele Jahre zurückliegen und ein Veteran und zudem guter Geschichtenerzähler, der zu Besuch auf einem Ausbildungsschiff nach Betreten der Messe fast lachen muss, weil die Kadetten aufspringen zum Salutieren und dann doch brav mit salutiert, als er merkt wie ernst sie es meinen, und eben diesen angehenden Piloten eine mehr oder weniger kleine Anekdote erzählt, weil er doch schon mal da ist.

Dann würden diese dem Erzähler mit Sicherheit gespannt zuhören und dabei den Funken trauriger Wahrheit oder die wahre Begebenheit, auf der diese Geschichte beruht, einfach ignorieren, um sich an der Spannung, der eingebrachten Phantasie und den Pointen zu erfreuen und um nach dessen Ende zwangsweise darüber zu sinnieren, ob und was tatsächlich dran ist oder war.

Ziehen wir der quälenden Dramaturgie mal einen Schlussstrich … denn genaugenommen hat eben ein Veteran mit dem Rufzeichen Picollo die Messe des außer Kriegsdienst gestellten und nun als Ausbildungsraumschiff dienenden Trägers U.E.E Columbia betreten und die Kadetten stehen immer noch vor ihren teilweise umgekippten Stühlen und starren den amüsierten Mann an.

„Klappe … setzen … und wenn ich nochmal jemandes Finger in dessen Gesicht sehe … dann hoffe ich für ihn, dass es nur gejuckt hat!“

Die Menge kichert.

„Wir tun alle unsere Pflicht … dass, was man von uns erwartet … nicht mehr, und nicht weniger!“

Er pausiert, während er weiterhin amüsiert die nun starren, fragenden Blicke der einzelnen Kadetten erwidert

„Und meine Pflicht, nachdem ich es schon gewagt habe, die Messe zu betreten, besteht wohl darin, Euch eine kleine Geschichte zu erzählen. Und am besten auch noch eine, die ich Euch vermutlich noch nicht einmal erzählen dürfte.“

Sagt er mit ruhiger werdender Stimme, und die Menge kichert wieder.

„Ich erzähle Euch jetzt so eine Geschichte … und wie in unseren Reihen üblich spielt diese Geschichte im Weltraum und handelt von einem Raumschiff …“

Er redet einfach drauf los, während die anderen, eingefroren in nun mehr oder weniger sitzender Haltung, auf jedes Wort achten:

„ … einem Raumschiff, dessen Namen Ihr mit Sicherheit kennt. Eine wahre Schönheit, viele Grüntöne und noch andere Farben … Grau zum Beispiel.

Quartiere mit Platz für über 700 Mann, ein Hangar für 80 Hornets, keine Whirlpools, aber dafür ein Waffenarsenal, das seinesgleichen sucht.

Es ist die Gemini, ein Schiff gebaut für das Militär. Ein Prachtexemplar, der ganze Stolz der U.E.E … eines von vielen, frisch aus der Retorte … Werft … okay, sie wurde nur eben mal generalüberholt.

Ein Trägerschiff im Weltraum … Farbe: Camouflage … bestimmt gut für die Moral der Mannschaft.

Der kommandierende Offizier: Showalter, seines Zeichens General. Wie sonst kommt man an das Kommando eines insgesamt weit über 100 Kilotonnen schweren Trägers der Bengal-Klasse. Wie ihr wisst, ist er inzwischen Admiral und nach wie vor auf der Gemini. Ich frage mich immer wieder, wie ‚der‘ es geschafft hat, so alt zu werden …

Ich erzähle gerne Geschichten über diesen Mann, vermutlich weil es eben genau dieser Mann ist, über den man gerne Geschichten hört … zumindest hinter verschlossenen Türen … apropos, die Tür ist schon zu, oder?

Es geschah vor etwa 15 Jahren, im Jahre 2929. Schon wieder ein kleiner Grenzkonflikt mit einem weiteren Clan der Vanduul. Ich weiß echt nicht was ich von denen halten soll, denn warum müssen wir denen fast regelmäßig zeigen, wo sie doch bitte ihre Flugrichtung wechseln möchten. Reden die nicht miteinander? … ok, wohl eher nicht.

Also, die Gemini befand sich gerade im System Nul, auf halbem Weg zur Frontlinie im System Garron, um die dort bereits stationierten Schiffe zu unterstützen, da die Vanduul laut Spähberichten scheinbar viele ihrer Kampfschiffe nach Tiber, gleich hinter der zumindest von der U.E.E festgesetzten Grenze, beordert hatten.

Showalter, der wie immer still und stumm auf der Brücke stand, wurde vom U.E.E Zentralplaneten über Subraum kontaktiert. Es war … er lebt übrigens heute nicht mehr … Admiral Perry mit beunruhigenden Neuigkeiten:

„Uns wurde von einem ziemlich großen und unbekannten Raumschiff berichtet, offenbar auf direktem Kurs zum ‚Saisei‘, dem dritten Planeten im System Centauri, gerade mal einen Sprung links von ihrer derzeitigen Position. Ich schicke sie voraus um den Eindringling abzufangen. Laut Berichten weist es Merkmale eines Vanduul Schiffes auf. Ich werde Verstärkung von der Grenze zurückbeordern, die sie dann unterstützen wird. Halten sie den Eindringling nur lange genug …“

„Negativ, Sir“ unterbrach General Showalter den Admiral. „Es ist ein Ablenkungsmanöver mit dem die Vanduul unsere Flotte aufscheuchen und zerteilen wollen, damit der Rest für die sich versammelnden Schiffe ein leichtes Spiel wird.“

… Es hat wohl doch einen Grund, warum es unser General Showalter zum Admiral gebracht hatte …

„Was schlagen sie also vor?“ erwiderte der Admiral argwöhnisch

„Lassen sie unsere Flotte, wo sie ist. Wir werden uns erst mal alleine diesem Schiff widmen“ antwortet Showalter mit entschlossener Stimme.

Der Admiral zögerte, stimmte aber dem Vorhaben des Generals schließlich zu. Der Admiral mochte Showalters Art nicht. Wenn ich genau darüber nachdenke, die wenigsten mochten Showalters Art.

Wir werden uns alleine darum kümmern … Allein gegen ein ‚möglicherweise‘ Vanduul Großkampfschiff? „Klar, es war und ist ein Planet mit einer damals schon ziemlich großen Kolonie, mit mehr Einwohnern als die Gemini Tonnen auf die Waage brachte und glücklicherweise jetzt auch noch bringt. Und was hinter der Grenze passierte war noch beunruhigender. Natürlich traf der General die einzig richtige Entscheidung, ganz so wie man es von ihm erwartet hatte. Aber dann und wann wünschten wir uns doch mal wenigstens eine oder vielleicht zwei Alternativen.

Einen Sprung weiter trafen wir in dem System mit der Kolonie ein. Vor uns der Planet Saisai und dazwischen das unbekannte Raumschiff. Wären da nicht schon seltsame Lichter auf uns zugeflogen gekommen, hätten wir einen ersten Blick auf dieses Raumschiff werfen können.

Die Vanduul … also ich gehe jetzt mal davon aus, es waren Vanduul … also, die Vanduul waren wohl so nervös, dass sie schon mal alle ihre Waffen auf den nächsten Sprungpunkt, dummerweise genau den, der hinter uns lag, ausgerichtet hatten.

Die Geschosse, welcher Art auch immer, hämmerten auf die Gemini ein und verursachten mehr und mehr Schaden, während das Vanduul Schiff für uns noch gar nicht in Feuerreichweite war. Alles bewegliche, was über die Oberfläche des Trägers hinausragte, wurde von diesen Geschossen abgehobelt. Die Gemini bekam eine neue Politur, ihre Schilde … nahezu wirkungslos.

„Alles raus!“ brüllte der General

„Aber das gegnerische Feuer!“ erwiderte der erste Offizier. …hat er auch gebrüllt? Keine Ahnung.

„Hinten raus!“ brüllte der General wild gestikulierend. … brüllen war in diesem Moment wohl angesagt.

Deren schwere Geschütze verursachten zwar ziemlich viel Schaden, sogar auf diese Entfernung, waren dafür aber nicht besonders schnell. Also konnten unsere Jäger den feindlichen Zerstörer erreichen und angreifen, während die Vanduul nun versuchten ihr Feuer auf die Gemini und unsere Jäger aufzuteilen. Die Hornets tanzten um den Zerstörer herum und ballerten ohne große Gegenwehr was sie konnten, zumindest in dessen Richtung, während sich die Gemini selbigem immer noch näherte.

Schiffe der Kategorie Zerstörer besitzen selten eigenen Jäger, diese Schiffe werden auch nicht dafür konstruiert alleine ins gegnerische Territorium einzudringen. Aber dieses hatte wohl einen ganz besonderen Auftrag … oder was auch immer.

Eigentlich war es interessant anzusehen, wie die Feuersalven unserer Jäger zum Großteil irgendwo zwischen diesen und der Oberfläche des Vanduul Schiffes einfach im leeren Raum verschwanden, der klägliche Rest aber nahezu ungehindert einschlug. Sie konnten aber nicht viel Schaden anrichten. Nur Kratzer, eine Menge Kratzer, über die gesamte Hülle des Riesen verteilt. Als wären eine Million überdimensionale und äußerst ungehaltene Katzentiere darüber weggerannt … und das mehrmals …

Die Gemini kam in Waffenreichweite und feuerte alles ab was sie hatte … wirklich alles…

Aber das Bisschen, was es von den Partikelsalven des einzigen verbliebenen Hauptgeschützes der Gemini gelegentlich auf die Hülle des Vanduulschiffes schaffte, überbügelte die schon vorhandenen Kratzer nur mit Neuen.

„Sir, das Vanduulschiff hat eine geostationäre Position in der äußersten Atmosphäre direkt über Saisei City eingenommen!“ rief der Radaroffizier.

In genau diesem Moment verstummte das Donnern an der Hülle der Gemini, die schon die ganze Zeit unter den Einschlägen der gegnerischen Geschosse bebte. „Die Vanduul haben aufgehört auf uns zu schießen.“

Der General, der hinter der Holosphäre stand, warf einen Blick auf dessen taktische Information, um herauszufinden, was diese Vanduul nun vorhatten.

„Sir, das Vanduulschiff richtet all seine Geschütze auf die Kolonie aus!“ rief der Radaroffizier durch diese angenehme Ruhe.

Die Gemini war schon ziemlich nahe, aber das eine Geschütz, das noch funktionierte würde auch jetzt wohl kaum noch etwas bringen. Die Mündungsöffnungen und Turbolader des Vanduul-Zerstörers … ich nenne diese komischen Dinger einfach mal so … leuchteten auf.

„Rammgeschwindigkeit“ sagte der General leise, aber mit aggressiver Stimme.

Was sollten wir sonst auch machen. Das war eben mal wieder einer dieser Momente, in dem wir uns wenigstens eine oder zwei Alternativen gewünscht hätten. Die verbliebene Hälfte des Hangar Decks wurde dicht gemacht, die Besatzung zog sich in Schutzräume zurück.

Ein junger Leutnant, der mit der Aufgabe die Beleuchtungssubsysteme der Gemini zu überwachen an einem Terminal nahe der Holosphäre saß, schaffte es kaum sein ängstliches Zähneklappern zu verbergen. Sein erfahrener Kollege am Terminal neben ihm, dessen Aufgabe es im Moment war, die schiffsinterne Kommunikation provisorisch, über dafür nicht vorgesehene Datenverbindungen, gegen die Vorbehalte hochrangiger komplett vernetzter Computer, wieder herzustellen, welches durch die unzähligen Volltreffer der Vanduul ausgefallen war, neigte sich zu ihm rüber und sprach mit beruhigender Stimme:

„Nimm dir ein Beispiel an uns, oder noch besser am General. Diese Nerven wirst du mit der Zeit auch noch finden …“

Worauf der junge Leutnant leise erwiderte: „So viel Zeit werde ich wohl kaum noch haben.“

Die Geschütze der Vanduul auf die Kolonie ausgerichtet, die Gemini auf Kollisionskurs … aber sonst passierte nichts …

… immer noch nichts … die Sekunden vergingen … eine Tasse Kaffee wäre zumindest mir in diesem Moment ganz recht gewesen.

… gar nichts … das Vanduulschiff wirkte schon ziemlich groß vor dem was vom Bug unseres Schiffes übrig war. Die Turbolader und der Rest verdunkelten, stattdessen begannen vereinzelt lange, schimmernde Lichtfahnen über die Oberfläche des Schiffes zu wandern. Hätte ich von der Erdoberfläche aus in den Himmel geblickt, ich hätte auf Polarlichter getippt.

An der Oberfläche, dort wo die besagten übergroßen Katzentiere ihre Spuren hinterlassen hatten, traten Gasschwaden aus. … war das etwa gewollt?

Aber wie schon gesagt … sonst passierte nichts … außer, dass wir uns nach wie vor auf Kollisionskurs befanden.

„Sir, diese Lichterscheinungen sind ganz sicher Fluktuationen in ihren Schilden!“ unterbrach ein weiterer Offizier mal wieder diese angenehme Ruhe.

„Können sie diese Fluktuationen voraussehen?“

„Sir ? … Nein Sir“ erwiderte dieser Offizier … wer war das gleich wieder … ach egal …

„FEUER FREI!“ rief der General mit denkbar falscher Betonung, als hätte er mitten im Satz angefangen.

Das Hauptgeschütz feuerte weiter … es hatte ja auch noch keiner den Befehl gegeben das Feuer einzustellen. Nur bis dato hatte es keine Salve aus unserem gewaltigen Massebeschleuniger geschafft den Schutzschild des Vanduul Raumschiffen wirklich zu durchbrechen, während unsere Jäger weiter versuchten dem Schiff so viel Schaden wie möglich beizubringen. Aber mit den jetzt inaktiven Waffensystemen schluckte das Kraftfeld die Partikel- und Sonstwas-Ladung, auch unsere Railgun-Geschosse, als hätte es noch kein Frühstück gesehen. Wir konnten froh sein, überhaupt irgendetwas zu treffen. Die Aufhängung der verbliebenen Kanone war schon locker, und so hatte jeder Rückschlag den Lauf mal ein paar Grad in die eine, und dann wieder in die andere Richtung gerückt …

… war da eben wieder ein Schimmern??

Die nächste Salve durchbrach die Schilde auf der Oberseite des Schiffes … durchbohrte den Rumpf am Steuerbordrand und trat unten wieder aus … und auf der Seite … und wieder nach oben hin … und das Ganze noch einmal.

Eine Menge Partikelstrahlen, denen unserer Waffe absolut identisch, die den selben Ort fast gleichzeitig in alle möglichen Richtungen verließen und sich keine 100 Meter weiter einfach auflösten, verschwanden oder nur unsichtbar wurden. Was niemanden weiter störte, denn die Schäden die diese, unsere Salven hinterlassen hatten … waren immerhin noch da.

„Was zur Hölle haben wir da getroffen?“ rief der General, diesmal mit einer korrekten und eindeutig fragenden Betonung … ohne dass er von irgendjemand eine Antwort erwartet hätte.

Was dann folgte glich einem an sich guten Film, welcher aber nach Budgetkürzungen schnellstens abgedreht werden musste.

Die Gasschwaden, die von der beschädigten Oberfläche des Raumschiffes austraten entzündeten sich. Der mächtige und nahezu unbezwingbare Schutzschild, der eben für einen kurzen Moment einem diamantartigen, gläsernen Gebilde glich, faltete sich mit heftig herumwirbelnden Lichtblitzen von der Mitte aus nach vorne und nach hinten ab, und riss dabei eine Panzerplatte nach der anderen von der Hülle des Schiffes, welches diesen Belastungen nicht lange standhielt und schließlich in zwei Teile brach.

Dieser Vorgang dauerte höchstens ein paar Sekunden, aber es fühlte sich an wie Minuten.

Unsere Jäger zündeten bereits ihre Nachbrenner und entfernten sich von dem Wrack und der Gemini, die sich noch immer auf Kollisionskurs befand. Eine Tatsache an der wir, mit dem was von unserem Raumschiff übrig war, nicht mehr allzu viel ändern konnten.

Das Heckteil des Wracks dunkelte ab, als würden wir in den Sonnenschatten des Planeten fliegen, was wir aber nicht taten. Als wäre dem Licht plötzlich nicht mehr gestattet diesen Ort zu verlassen, während der Bugteil in einer leichten Drehbewegung darauf zusteuerte. Genaueres war aber nicht zu erkennen.

Dann hörten wir ein tiefes Brummen. Gefolgt von einem heftigen, alle Sinne betäubenden Knall, hervorgerufen durch ein Schwerkraftimpuls welche die inneren, zentimeterdicken, verschweißten Platten der Schiffshülle, im Bruchteil einer Sekunde ein- und auswölbte und uns nebenbei noch die Beine wegzog.

Benommen von dem Knall versuchten wir wieder festen Halt zu finden, als von der Position an dem sich eben noch das Wrack des Vanduul Kampfschiffes befand, ein immer intensiver werdendes grelles Leuchten verbreitete, das oberhalb der Atmosphäre des Planeten eine räumlich begrenzte Kuppel aus Licht bildete.

Und die Gemini? … die befand sich auch schon innerhalb dieses Phänomens.

Wir hielten uns irgendwo fest und erwarteten irgendeine Kollision, die aber nicht eintrat. Gesehen haben wir nichts außer Licht. Alles hat geleuchtet. Die Wand, der Boden, die Luft … wir haben geleuchtet … es war sinnlos die Augen davor zu verschließen.

Während die Gemini sich eine gefühlte Ewigkeit durch diese Kuppel aus Licht bewegte, bildete sich langsam ein zwar nicht die Ohren betäubender aber dennoch irgendwie extremer ‚Lärm‘ , wie eintausend himmlische Posaunen, die alle in einer anderen Tonlage spielten … Harmonie ist etwas anderes … aber er musste ja unbedingt ‚zur Hölle‘ sagen …

Unfähig unsere Position auf der Brücke zu bestimmen, oder das nächste Objekt, oder die Brückenbesatzung, konnten wir auch sonst nicht mehr viel wahrnehmen, außer den kalten Metallboden, eine vergessene Erinnerung, vielleicht die Stimme eines Kameraden der nach anderen rief, den Duft frisch gerösteter Kaffeebohnen …

Dann plötzlich wurde es wieder dunkel. Das grelle Licht war weg, der Lärm ebenfalls … erkennen konnten wir trotzdem nichts.

Doch da, Grüntöne … ein gutes Zeichen.

Die Gemini hatte dieses Phänomen in genau dem Zustand verlassen, wie sie in diesen eingedrungen war … leider.

So hätte sie wohl keinen Sprungpunkt mehr passiert, geschweige denn in einem Stück den mit Müh und Not gehaltenen Orbit des Planeten verlassen können. Es war auch kein intaktes Hangar Deck mehr da, auf dem unsere Jäger hätten landen können, dafür immerhin ein ganzer Planet.

General Showalter stand wieder still und stumm wie sonst auch, direkt hinter der nicht mehr ganz funktionsfähigen Holosphäre, als eine Außenscheibe der Brückenverglasung mit einem Klirren brach. Er würdigte dieses Ereignis gerade mal mit einem verzögerten Blick.

Als aber dann noch ein ‚junger Leutnant‘ aufsprang, und mit den Armen fuchtelnd und einer abartig schrillen Stimme rief:

„JAAAHAAA HAAAA“

war es nicht zu übersehen, wie der General sich krampfhaft am Geländer zur Holosphäre festkrallte, so dass ein Stück dicker Lackfarbe in der Nähe des rechten Daumens abblätterte und in der nun wieder herrschenden Stille für die meisten einigermaßen hörbar auf der Trittplatte vor ihm am Boden zerbrach.

Der General, dessen Laune eben gekippt war, wie ein im Stich gelassener Gartenteich, drehte sich

in Richtung zu unserem Störenfried, mit einem Gesichtsausdruck, als wäre dieser Tag erst jetzt für ihn gelaufen, und wieder zurück. Ein Blick der Kategorie ‚wage nie wieder so einen Auftritt‘, und er hat ihn bis heute nicht abgelegt …

Der junge Leutnant setzte sich wieder hin und senkte seinen verlegenen Blick wieder in Richtung der Beleuchtungsnetzstatistiken.

Sein Kollege am Terminal neben ihm, stand auf um nach dem Ingenieurteam, oder in diesem Falle ‚Reparaturtrupp‘ zu suchen, nachdem er es immer noch nicht geschafft hatte, die Kommunikations-Systeme wieder herzustellen, welche wohl mehr im leeren Raum trieben, als einfach nur defekt zu sein. Er klopfte ihm, während er hinter seinem Platz vorbeiging mit offener Handfläche zweimal auf die Schulter, und sagte mit ironischer Stimme:

„Lass dir ruhig Zeit…“

Stunden später drehte der General sich kurz zum Radaroffizier und fragte:

„Was genau war das für ein Raumschiff?“

Aber der Radaroffizier zögerte und antwortete nur „Ein Vanduul??“ während er zunächst die Augenbrauen und dann die Schultern hochzog.

An der Grenze zum Vanduul-Territorium passierte gar nichts. Die versammelte Flotte wartete wohl auf ‚irgendetwas‘ … ‚ES‘ trat nur nie ein.

Von dem gegnerischen Schiff … keine Spur. Die letzten Reste verglühten schnell in der Atmosphäre des Planeten. Sollte es intakte Aufzeichnungen dieses Vorfalls geben, so haben diese bisher wohl nur die Wenigsten gesehen.

Was die Besatzung der Gemini, die übrigens allesamt diesen ‚Vorfall, mit Aktennummer irgendwas‘ überlebt hatte angeht, die wurden sich nie ganz einig darüber, was sie gesehen hatten.

uuund Ende!“

Ein Raum voller angehender Kampfpiloten, die wie kleine Kinder mit großen Augen auf wenigstens nur noch einen weiteren Satz des Erzählers warten oder besser gesagt hoffen.

Aber Picollo steht auf, nickt den Kadetten einmal lächelnd zu und geht zur Tür der Messe, während sich in ihren Köpfen die Fragen stapeln. Aber keiner wagt es den Mund aufzumachen, aus Angst er könnte einem anderen in genau dem Moment ins Wort fallen.

Ein Kadett, an seinem Weg zur Tür, bringt mit langsam gehobenem Finger, ein paar nicht klar definierte Laute heraus, wonach der Veteran einen Schritt zu ihm zurück macht, ihm mit offener Handfläche zweimal auf die Schulter klopft, und diesem Kadetten nochmals und mit einer einzelnen fast schüttelnden Kopfbewegung zulächelt, danach den Raum dann endgültig durch die schon offene Tür verlässt, während dieser Kadett ihm, fast schon in Trance und mit offenem Mund, nur durch Drehung seiner Augen hinterher sieht.

ENDE

und nun das Kleingedruckte:

Showalters Auftreten hat natürlich andere, durchaus bekannte Hintergründe (Cassandra’s Tears), die aber in einer derartigen Geschichte wohl kaum wahrheitsgetreu beschrieben werden.

Handlungsorte stammen aus Aufzeichnungen von goox’s Starmap auf Tyrol-Network.de

Das Copyright erwähn ich auch noch ; )

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