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Rosarot

Essay

Sie werden liebevoll als „White Knights“ betitelt. Sie sind die edelmütigen Ritter der Tafelrunde. Sie halten das mit ihrem Blut – unter Schmerzen – gemalte Star-Citizen-Banner hoch – in guten wie in smarten Zeiten. Hinter ihrem Visier tragen sie die Rosa-Rote-Brille der Einsicht und Vernunft. Legendär sind ihre geschlagenen Schlachten gegen Trolle und andere abgrundböse und minderbemittelte Höllenwesen aus den Tiefen des Internets.
Die Weißen Ritter, Hüter des heiligen CIG-Thermo-Grals und Bewahrer der RSI-Bundesoblade, sie kennen kein Zurück, denn nur ihnen wurde die Erleuchtung geschenkt: sie, die vom Baum der Erkenntnis gekostet haben und die Einzigen, die die wahrlich einzige Wahrheit kennen und verstehen. – Oh ja, ihrer ist das Himmelreich.

Wie böse, durchtrieben und hinterlistig kann ein Mensch nur sein, wie armselig und beschränkt sein Geist, wenn er die Würde und Erhabenheit des großen Erschaffers anzweifelt, sein Erbe beschmutzt, seine Triumpfe mit falscher flammender Zunge einlullt in ein fundiertes Argument?

Da nun der Lobeshymnen genug gesungen wurden – und bevor die Hater mit blitzenden Dolchen aus dem Gebüsch gesprungen kommen – möchte ich ein kleines Selbstportrait zeichnen. Der werte Leser möge es mir gestatten, da solche Themen meist auf (zu) persönliche Ebene gezogen werden, will ich den entsprechenden Hintergrund liefern.

Ich bin durch und durch Fanboy. Nicht nur mein Engagement im Clan z.B. auf der Fedcon, als SCNR-Redakteur, finanzieller Unterstützer und Subscriber-Abonnent – auch zu Hause lebe ich den Traum eines waschechten Groupies: ich habe meinen Keller zum Star Citizen Tempel ausgebaut. – Nachdem man die Tür, beschriftet mit „Wing Commander Ryan Lloyd“, geöffnet hat wirft man einen Blick auf den metallischen Schreibtisch (bekannt aus ATV) und die Vitrinen mit Star Citizen Merchandising-Artikeln. Im Clan planen wir gerade unser nächstes Clantreffen, bei dem wir u.a. das Foundry42-Studio besichtigen und für das wir gerade jede Menge Geschenke vorbereiten, damit die Jungs weiterhin hoch motiviert bei der Arbeit sind. Beweis erbracht.

Aber: gesunde Skepsis hat noch niemandem geschadet – blinder Eifer hingegen sehr wohl! Wer sich auf Star Citizen einlässt, der muss sich über die Konsequenzen im Klaren sein. Ich habe gute Bekannte die geben ihr letztes Hemd für die Ideen von Chris – wohl wissend, dass der Winter noch lange nicht überstanden ist. Das zu tun ist wahrlich mutig – doch für sie ist es das absolute Highlight auf das sie sehr lange gewartet haben. Dennoch ist für sie Chris Roberts nicht der omnipotente Sektenführer dem sie ihr hart verdientes Erspartes vor die Füße werfen: Sie stehen voll hinter ihm – und kritisieren trotzdem sein Handeln. Der Begriff „Fan“ – kommt der eigentlich von „Fanatismus“..? Darf es für Fans nur Schwarz und Weiß geben?

Ich denke eine gesunde Portion (Selbst-)Kritik schadet weder Star Citizen noch dem Macher – oder gar dem einzelnen Unterstützer. Um Star Citizen ranken sich, bereits vor Release, zahlreiche Mythen und Legenden – teilweise befeuert durch D.S. oder „Black Knights“. Es gibt etliche Geschichten zum Firmenwagen von Chris Roberts, zu seinen dubiosen Verbindungen zur „Schwedischen Mafia“, vorherige Projekte mit Abzock-Charakter… halbgare Halbwahrheiten… – Teilweise, wie er selbst sagen würde, „Bullshit“, teilweise aber auch nicht von der Hand zu weisende Anschuldigungen.

Es wird der Tag kommen an dem Star Citizen sein Release feiern wird. Da werden wir erleben, ob wir auf das richtige Pferd gesetzt haben – oder geprellt wurden. Schlussendlich ist die Wahrheit wie immer dazwischen: CIG leiert uns professionell das Geld aus den Rippen, das müssen sie auch um erfolgreich weiter machen zu können, und sicherlich haben sie uns auch oft genug enttäuscht… Ich muss spontan an das Wort „exklusiv“ denken, das mittlerweile gute Chancen hat Star Citizen Wort des Jahres zu werden (die Jahre zuvor war es ja bekanntlich „soon“)… oder LTI, ja das war auch etwas feines… damals.

Obgleich viele von uns alte Star Citizen Hasen sind, so scheint es mir, als hätten manche mittlerweile die Rosa-Rote-Brille auch zum Selbstschutz aufgesetzt. Vielleicht weil sie so viel Zeit und Geld investiert haben, dass sie nicht damit leben könnten, wenn Star Citizen scheitert.

Die gute Nachricht: Star Citizen wird nicht scheitern. Die schlechte Nachricht: Star Citizen wird nicht das Spiel sein, das du dir erträumst – es wird vielleicht nicht besser oder schlechter sein als du es erwartest… Es wird anders sein!

Gestern Abend wollten wir clanintern zu 10 eine Runde „Capture the Core“ (Private Match) spielen. Wir haben ewig gebraucht bis jeder einen Invite hatte und eine weitere gefühlte Ewigkeit bis wir alle im Arena Commander waren. Kaum ging’s dann los: Connection lost. Yaii. Frustrierend. Demoralisierend. Ernüchternd. – Klar: Ist doch noch Alpha, Mann! – Aber: ich will, ich will, ich will – jetzt!

Doch auch in solchen Fällen kann der gute alte Konfuzius herhalten, der mal sagte: „Ist man in kleinen Dingen nicht geduldig, bringt man die großen Vorhaben zum Scheitern.“
In diesem Sinne, liebe Community, „Fansein“ heißt nicht „fanatisch sein“. Haltet Augen und Ohren offen und seid geduldig – ach ja – und habt euch lieb und so… Weltfriede.

Passend zur rosaroten Brille gibt es vom bekannten Uhrenhersteller „Citizen“ vielleicht auch bald eine CIG-Soon-Edition: eine Uhr die etwas langsamer tickt, dafür aber umso lauter!

PS: Der Stecker von deinem Monitor ist richtig drin. Das Problem ist uns bekannt. Problemlösung: Rosarote Brille absetzen.

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