Die Begleitgeschichte zum Konzeptverkauf der Genesis Starliner

Ich wechsle meinen Koffer in die linke Hand und fühle sofort Erleichterung gemischt mit Schmerzen, als meine Finger kribbelnd wieder zum Leben erwachen. Auf das Netz von hellroten Streifen blickend, welche die Leinenriemen in meine Handfläche geprägt haben, seufzte ich. Warum habe ich so viel eingepackt?

Natürlich war die Antwort, dass ich nicht wusste wohin ich ging. Seit Monaten habe ich nun schon Creds gespart, Rehydes gegessen, Doppelschichten in der Fabrik gearbeitet, wenn ich konnte. Ich habe mich sogar darauf beschränkt nur eine Nacht pro Woche zu Bresser’s zu gehen. All das nur für diese Reise. Mein und Shelley’s großes Abenteuer.

Als mich die vierte Person, beim Versuch vorbeizugehen anrempelte, wurde mir klar, dass ich den Verkehr behindert hatte. Jeder am Meridian-Terminal muss denken, dass ich ein verlorener Bauerntrampel wäre. Schätze das bin ich irgendwie.

Die angenehme Stimme aus den Lautsprechern tönt: “Meridian Transit, wohin wirst du gehen?” Die Zeit zu entscheiden ist schließlich gekommen. Ich habe es so lange wie möglich hinausgezögert, wollte nicht gänzlich eingestehen, dass es nun meine Entscheidung war. Ich wusste, dass ich ging – das stand niemals in Frage – doch ich fühlte mich immer noch schuldig dies ohne sie zu entscheiden.

Eine weitere Person stößt mit mir zusammen, während sie sich beeilen um ihren Starliner zu erreichen.

Für den Moment gehe ich besser einfach aus dem Weg. Ich dringe durch die Flut von Reisenden und bewege mich auf die relative Sicherheit eines kleinen Meridian-Geschenkkiosks zu.

“Kann ich ihnen helfen?”

“Schaue mich nur um.” sage ich der gelangweilten Angestellten. Sie zuckt die Schultern und wendet sich wieder ihrem (mobi)Glas zu.

Und habe eine kleine persönliche Kiese, füge ich lautlos in meinen Gedanken hinzu.

Shelley war diejenige, die hätte auswählen sollen wohin wir gehen würden. Diese Reise war ihre Idee. Schon seit wir klein waren sprach meine Schwester davon die Erde zu verlassen. Sie hat die Liste eingegrenzt, doch die Top-Wahl wechselte von Woche zu Woche. An irgendeinen tropischen oder einen kalten Ort? Irgendetwas schickes oder eher etwas abenteuerlicheres? Das Herz des Imperiums oder irgendwo am Rand? Selbst als die Dinge wirklich schlecht standen, plapperte sie immer noch weiter davon, warum ein Ort besser als der andere war. Nun lag die Entscheidung bei mir.

Wähle einfach. So schwer ist das nicht. Okay, wohin geht es? Soll ich den Zufallszahlengenerator auf meinem Glas nutzen um zu entscheiden? Der attraktivsten Person, die ich sah folgen, wohin auch immer diese ging? Aufgeben und einfach gehen – Warte. Postkarten, wie auch Shell sie gesammelt hatte. Perfekt.

Ich greife nach der Auslage und blättere durch die Orte auf den Karten – hoffend, dass sich eine richtig anfühlen wird.

Wow. Sich diese anzusehen hat tatsächlich geholfen.

Ich denke, ich könnte bereit sein zu entscheiden.

Als die Orte über die Anzeigetafel flackern kann ich nicht anders als beeindruckt zu sein, wie viele Schiffe Meridian von New York aus startet. Hier zu stehen fühlt sich wirklich so an, als wäre man im Herzen des Imperiums. Es ergibt Sinn, warum sich Shelley sie aussuchte, um mit ihnen zu fliegen. Sie gehen überall hin. Außerdem schadet es nicht, dass sie eine der ersten Fluglinien waren, welche die neuen Genesis Schiffe nutzen. Wenn du deinen Arsch durch das halbe ‘Verse schleifen lässt, darf es auch komfortabel sein.

Nun, mal schauen …

An dieser Stelle kann man auf der Anzeigetafel eines von sechs unterschiedlichen Reisezielen auswählen, was die Postkarte verändert, die Carden am Ende der Geschichte schreibt. Mich würde am meisten das Rihlah-System interessieren, darum habe ich diese Route übersetzt.

Auch das Hades-System taucht als Easteregg auf der Tafel auf, welches bekanntermaßen ein gefährliches System von Gesetzlosen ist. Es ist für diese Geschichte nicht als Ziel wählbar, doch ein Klick darauf zeigt euch diese Postkarte:

Hades-System - Warum solltest du da hin gehen?

Ich streife mit dem Ärmel über meine Stirn, doch davon lässt sich der Schweiß, der über mein Gesicht strömt kaum beeindrucken. War es hier drinnen warm, oder lag das an mir? Einen kurzer Blick auf das ruhige und behagliche Gesicht des älteren Gentemens im Nachbarsitz, macht schmerzhaft deutlich, dass es nur mir so geht.

Das Schiff war nun fast voll, alle Sitze in meiner Nähe beherbergen aufgeregte Passagiere. Am Ticketschalter habe ich darüber debattiert, ob es sich lohnen würde eine der Deluxe-Kojen mit Bett zu nehmen, doch ich entschied mich bei einem Sitz der Hauptkabine zu bleiben und die Creds stattdessen zu sparen, bis ich gelandet bin. Der dick gepolsterte Stuhl ist vermutlich sehr komfortabel, doch ich bin zu nervös um das wirklich zu beurteilen.

Der ältere Gentleman lehnt sich herüber und lächelt mich an “Das erste Mal, dass Sie den Planeten verlassen?”

Ich nicke.

“Es gibt nichts, worüber Sie sich Sorgen machen müssten. Diese neuen Genesis sind so gut, wie sie erscheinen. Man spürt die Sprünge kaum.”

“Danke,” schaffte ich zu erwidern.

Seine Augen verengen sich ein wenig “Sie sagen mir doch, wenn Sie sich übergeben müssen, nicht wahr?”

Bevor ich antworten kann, steht ein Flugbegleiter am Kopf des Gangs.

“Grüße, und danke, dass Sie sich entschieden haben die Sterne mit Meridian Transit zu bereisen! Der heutige Flug umfasst gratis Getränke und ein Mahlzeit-Service etwa zwei Stunden nach dem Abflug, doch Snacks und Getränke sind zu jedem Zeitpunkt in der Beobachtungs-Lounge erhältlich. Wir sind nur Momente vom Start entfernt, doch zuvor möchten wir alle bitten diese Zeit zu nutzen, um sich mit unserem brandneuen Crusader Industries Starliner der Genesis-Klasse vertraut zu machen und unsere Sicherheitsanweisungen auf Ihrem mobiGlas zu begutachten.”

Von meinem mobi aufblickend frage ich meinen Sitznachbarn “Wie oft werden diese Dinger eigentlich von Gesetzlosen angegriffen?”

“Nicht so oft, wie sie es gewohnt sind, soviel steht fest,” antwortete er mit einem gänzlich nicht-beruhigenden Zwinkern.

Die Lautsprecher erwachen zirpend zum Leben “Achtung die gesamte Crew, vorbereiten zum Start.”

Ein tief vibrierendes Rumpeln sträubt meine Armhaare, als die Maschinen der Starliner dröhnend zum Leben erwachen. Mir ist jetzt klar, dass dies ein Fehler ist. Es kümmert mich nicht, was ich Shelley versprochen habe. Ich beginne mich aus meinem Sitz zu fummeln, doch es ist zu spät. Ein Trägheitsstoß drückt mich zurück, als die Manöverdüsen uns aus dem Hangar schieben.

Ich tat es. Ich verließ die Erde.

Mit einigen Schwierigkeiten schaffte ich es zu schlucken.

Sollten Ferien nicht entspannend sein?

Vor dem Fenster wandelt sich der blaue Mittagshimmel schnell zu schwarz.

Carden’s Nachricht

Hey Mann,

Hoffe bei dir ist alles okay. Nun, ich weiß, dass wir niemals wirklich viel geredet haben, doch Shelley bat mich dir eine Postkarte zu senden, von wo auch immer es mich hin verschlagen würde, hier ist sie also.

Ich weiß, dass wenn man sich eine Alien-Stadt vorstellt, man erwartet, dass die Dinge fremdartig sind, doch Yahti war wirklich außerirdisch. Wir haben unseren entsprechenden Anteil Xi’An in New York, und ein oder zwei mal war ich zum Abendessen in Turtle Town (Schildkröten-Stadt), doch das ist Nichts im Vergleich dazu auf einem ihrer Planeten zu sein. Es ist das erste mal, dass ich mich jemals als Mensch gefühlt habe. Ich schätze das ist es, was Shell meinte, als sie sagte, dass Reisen deinen Geist öffnen kann. In der ersten Nacht hier, hatte das Hotel eine Live-Musikshow in der Lobby. Ich wäre sofort gegangen, wenn ich nicht auf mein Essen gewartet hätte, doch es musst ja so kommen, dass ich am Ende der Mahlzeit – gemeinsam mit allen andern – mit dem Fuß steppte. Morgen werde ich eine weitere ihrer Shows besuchen.

Wenn ich zurückkommen können wir uns ja vielleicht treffen, oder so was.

Mit Freundlichen Grüßen,

Carden

QUELLE: RSI


// End Transmission

2 Kommentare

  • Yenee

    Eye Mann, man glaubt kaum, das es sich um eine ausgedachte Geschichte handelt, die in 900 Jahren spielen wird. Man hat das Gefühl, man bekommt die Reisevorbereitungen einer existenten Person von heute mitgeteilt. Klasse geschrieben. Nur: ich würd selber nun mal gerne mit der “Genesis” von der Erde abheben. 🙂

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