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The First Run Episode 3

von Thomas K. Carpenter

Als die Tränen kamen, konnte ich sie nicht zurück halten, was meinen Gemütszustand nur noch mehr verschlimmerte.

Ich bin nicht leicht zum Weinen zu bringen und ich weine ganz sicher nicht in der Öffentlichkeit. Genau genommen, das einzige Mal woran ich mich erinnern kann als ich vor anderen Leuten weinte, war bei der Beerdigung meiner Mutter und da kümmerte es mich nicht, was die Leute über mich dachten.

Die meisten Reisenden, die durch den Hafen kamen, waren auf Geschäftsreise und stiegen in die Hovertaxis, die sie zu ihren Meetings bringen würden. Sobald ich zu schluchzen anfing war es so, als hätte ich eine sehr ansteckende Krankheit entwickelt und plötzlich bildete sich eine räumliche Blase um mich herum.

Ich vergrub mein Gesicht in meinen Ellenbogen und schniefte den Rotz zurück, der Gefahr drohte auf den Ärmel meines Lieblingspullovers zu laufen.

Als die Tränen schließlich versiegten nahm ich einen tiefen und bebenden Atemzug.

Dieser Mann, wer immer auch mein MobiGlas  gestohlen hatte, war kein Schauspieler gewesen. Soviel wusste ich.

Ich hatte Männer wie diesen in die Golden Horde kommen sehen und mein Vater machte sie immer schnell auswendig und war auch schnell dabei mich nach hinten zu schicken, um das Inventar zu prüfen. Da war etwas Instinktives an ihnen, so als ob sie Raubtiere wären, die auf einer Schafweide freigelassen worden waren.

Auf der Station oben täuschte ich mich bereitwillig selbst in der Annahme, dass der Captain nur Show sein könnte, Teil der Probemission auf die ich gesendet worden war. Aber diese Einbildung war nun zerbrochen.

Dies brachte mich auch zu der Erkenntnis, dass die Firma mich vielleicht mit den falschen Daten losgeschickt hat, oder es waren die beabsichtigten Dateien und sie hatten geplant sie durch die Sicherheitsstation zu schleusen. Und dieser Mann, ganz klar ein Krimineller irgendeiner Art, hatte über sie Bescheid gewusst.

Das machte die Wiederbeschaffung dieser sogar noch wichtiger. Ich kniff mir in den Arm, wütend auf mich selbst, so lässig mit dem MobiGlas gewesen zu sein. Wenn ich es nicht wieder kriegen konnte, würde ich sicher aus der FTL entlassen werden, vielleicht sogar für meine Sorglosigkeit mit einem Bußgeld belegt und dann müsste ich nicht nur gescheitert zu meinem Vater zurückkehren, sondern zudem auch noch mit Schulden.

Aber wie sollte ich das MobiGlas zurückbekommen?

Wie Captain Hennessy gesagt hatte: Ich war ein Noch-feucht-hinter-den-Ohren-Neuling. Ich wusste nicht wer dieser Mann war oder wohin er wollte. Und jetzt hatte er einen gut zehn Minuten großen Vorsprung auf einem Elektrorad, während ich immer noch zu Fuß unterwegs war.

Mein Magen knurrte in diesem Augenblick und erinnerte mich an ein anderes Problem. Ich hatte Hungern. Um genau zu sein war ich schon ganz schwach vor Hunger.

Mein Vater sagte immer, dass ich so viel wie ein Vogel esse, wenn dieser Vogel ein Condor ist. Ich mochte den Gedanken, dass ich den Stoffwechsel eines Singvogels hätte, aber es sollte eigentlich heißen dass ich immer aß.

Jetzt aufgeben hieß etwas zu Essen zu finden. Es ist ja nicht so, dass ich eine Möglichkeit hätte diesen Kerl zu finden. Ich entschied, zuerst ein Stand mit gewürzten Lammkebab zu finden, während ich meine Optionen abwog.

Als ich die Gurte an meinen Rucksack ergriff, fuhr meine Hand über das Kameraobjektiv und mein Gesicht errötete sich vor Aufregung.

Ich nahm den Rucksack schnell von meinen Schultern und durchwühlte ihn, bis ich mein anderes, persönliche MobiGlas fand. Ich hatte vergessen, dass ich es hatte, hoffentlich mit einer Kamera die noch lief, aber wer weiß das schon bei meinem Glück?

„Bitte nehm immer noch auf, bitte nehm immer noch auf,“ murmelte ich, als würde es die Kamera-Daten aufrufen.

Mir entfuhr ein erleichtertes Pfeifen von meinen Lippen, als ich sah, dass es immer noch das Video aufnahm.

Auf vor zehn Minuten zurückspringend, wiederholte ich die Szene. Das Objektiv saß tiefer, so dass es ihn aus einem niedrigeren Blickwinkel zeigt, wobei es genau auf seine Brust und sein Kinn sah. Dann holperte das Blickfeld mit mir herum, als er nach dem Mobiglas griff und weg fuhr.

Ich spielte die Szene dreimal ab, bis ich sah was ich brauchte. Das erste war die Lizenzplakette auf dem Elektrorad, inklusive des Stickers der Leihfirma am Heck. Solange er den ganzen Diebstahl nicht vor Wochen geplant hat, zusammen mit der falschen Datei, wäre ich vielleicht in der Lage seine Identität durch die Leihfirma herauszufinden.

Der zweite mehr beunruhigende Hinweis war, dass er einen Raumanzug für Langzeitflüge unter seiner Lederjacke trug. Ich hatte, als er mein MobiGlas stahl, nur sein Gesicht gesehen, aber die Kamera nahm seine Brust auf.

Es schien möglich, dass er sein Schiff irgendwo auf dem Planeten versteckte oder im nahem Orbit. Was soviel bedeute, er würde das Elektrorad nicht zurückbringen.

Aber wenn ich raus finden konnte, wo er es gemietet hat, sagt mir das vielleicht, wo er runtergekommen sein musste. Es war auf jeden Fall eine Chance, aber nur wenn ich sofort seine Fährte aufnahm. Das bedeute ich würde jetzt nichts zum Essen kommen.

Ich seufzte.

Ich rief ein Taxi herbei, eher einen Diesel-Landkreuzer als einen Hover, da es alles war was ich mir leisten konnte und als der Fahrer mich fragte welche Richtung, zögerte ich. Ich musste mich in Bewegung setzen, selbst wenn ich nicht wusste wohin er gefahren war. Also musste ich eine wohlüberlegte Vermutung anstellen.

Im Süden war die reichere Gegend, also war zu bezweifeln, dass er dort gelandet war. Der Norden war mehr industriell geprägt, also eine Menge Sicherheitskameras. Blieb nur noch Westen und Osten.

Ein kurzer Blick auf die Karte meines MobiGlas zeigte mir, dass die Westseite von New Alexandria weniger bevölkert war. Ich fand ein Dorf entlang der Hauptstraße und wies den Fahrer an dorthin zu fahren. Westen machte auch in der Hinsicht Sinn, weil er ein Elektrorad fuhr, das Straßen benötigte, die die Farm- und Landbevölkerung immer noch nutzten.

Während er fuhr, begann ich die lokalen Mietservice anzurufen und zu fragen, ob ein Mann zu groß für ein Bike kürzlich eins gemietet hatte. Niemand wollte mir etwas sagen, bis ich ihnen folgendes erzählte: Erstens, er war mein Ehemann und er versuchte mich und mein neues Baby zu verlassen und zweitens, er nicht plante das Bike zurückzubringen.

Ich fand beim dritten Versuch die richtige Firma. Es war eine weit im Westen, etwa hundert Kilometer von der Stadt. Ich überschlug die Taxigebühr und bemerkte, dass ich grade genug Mittel besaß. Wenn ich nur etwas weiter nach Westen müsste, wäre ich pleite.

Sobald ich mich in den Sitz zurücklehnte, bereute ich massiv was ich versuchte zu tun. Es wäre sicherer gewesen umzukehren, die Geldmittel zu sparen und meine Zeit zu vertreiben, bis mein Weg mir offenbarte wie ich Geld verdienen konnte, um FTL zurückzahlen zu können.

Meine andere Möglichkeit wäre einfach zu sagen: zur Hölle damit, und auf dem Planeten zu bleiben und eine Arbeit zu finden, die zu meinen Fähigkeiten passte, was auch immer die waren.

Aber ein Körnchen in mir wollte diese Gelegenheit nicht verpassen. Ich hatte Jahre damit verbracht zu planen und zu sparen um bis zu diesen Punkt zu kommen. Ich durfte ein wenig Pech mich nicht aufhalten lassen. Das, und ich wollte nicht mit leeren Händen und dazu noch mit Schulden zu meinen Vater zurück.

Ich schlug mit meiner Hand auf den Sitz und bekam einen vorwurfsvollen Blick  vom Fahrer. Dann knurrte mein Magen und ich bekam ein Grinsen.

Gerade als es leicht gegen die Taxischeiben zu regnen begann, passierten wir eine Reihe von Straßen-Essenständen, wenigstens einen Kilometer lang. Sofort konnte ich die Ausrufer hören, ihre Waren laut anpreisend in ihrer gedehnten Sprechweise: frittierte Käseklöße, Tunnelvogel-Eintopf, Apfelpops, Schnellbier und ähnliches.

Aufgrund des Verkehrs  passierten wir die Essensstände mit einer trägen Geschwindigkeit. Wenn ich nicht so hungrig gewesen wäre und sehnsüchtig jeden vorbeiwandernden Essensstand lange angestarrt hätte, wäre mir vielleicht der Koloss nicht aufgefallen, der sich unter eine Markise gedrängt hatte.

„Fahren sie hier ran,“ sagte ich und wir stoppten hinter einem großen transkontinentalen Liefertruck mit Rädern, die genauso groß wie ich waren.

Der Koloss beendete gerade seinen Kebab, gewürztes Lamm, vermutete ich aufgrund des zufriedenen Ausdrucks auf seinem Gesicht. War ja klar. Er lutschte immer noch das Fleisch vom Stock, also entschied ich zu einem der Stände zu eilen. Ich brauchte etwas im Magen, mir war schon ganz schummrig.

Der Regen hatte zugenommen und ich duckte mich durch die Menge  zu einem Essensstand mit der kürzesten Schlange, während ich mir das Wasser aus dem Gesicht wischte. Frittierte Käseklöße.

Ich war kein Fan davon, aber ich war auch nicht wählerisch.

Trotz der Kürze der Schlange, bewegte sie sich langsam. Ich ballte meine Fäuste, wollte dass es schneller geht, aber das schien sie nur weiter zu verlangsamen. Mein Magen fügte zustimmend ein paar Knurrer zu meinen gemurmelten Flüchen hinzu.

Und gerade als ich endlich die Spitze der Schlange erreicht hatte und der Verkäufer des Standes, ein ledergebräunter Mann mit tätowierten Nummern auf dem Nacken, mit lyrisch gedehnter Sprechweise  „Was willstn, Marienkäferchen?“  sagte, sah ich den Koloss zu seinem in der Nähe geparkten Elektrorad gehen.

Als er aufstieg und wegschnellte, fluchte ich und rann zurück zum Taxi. Der Verkäufer  rief mir nach „Wollt dein Geld eh nich!“

Ich folgte dem Koloss im Taxi weitere dreißig Kilometer und die ganze Zeit hatte ich Fantasien über Essen. Dann bog der Koloss von der zweispurigen Hauptstraße ab und fuhr einen Schotterweg, der zwischen einigen Farmen verlief, hinab. Es wurde langsam dunkel und die Wolkenschicht machte das Licht dämmrig und matt.

Ich ließ das Taxi vorbeifahren, dann drehen und zurück den Schotterweg entlang fahren. Nach den Farmen änderte sich die Landschaft zu einem Wald, obwohl die Bäume kurz und untersetzt waren, mit gelb-grünen Blättern die durch mein geöffnetes Fenster nach Eukalyptus rochen.

Als ich die Landefähre durch einen Spalt in den Bäumen sah, ließ ich den Fahrer mich hier aussteigen. Er fragte, ob er warten solle, aber ich hatte nicht das Geld für den Rückweg, also sagte ich ihm er solle wegfahren. Er nahm meine Bezahlung durch das MobiGlas, welches mein Konto zu einem kümmerlichen Rest schrumpfen ließ.

Ich kroch den Pfad entlang, die Reifenspuren im nassen Grass bemerkend. Als ich den Rand der Lichtung erreichte, duckte ich mich und sah mich um. Außer der stahlgrauen Landefähre, gezeichnet von Verbrennungen an der Spitze durch eine Vielzahl an Atmosphären Eintritten, war die Lichtung leer.

Auf meinen Fersen hockend traf mich die Vernunft genau in die Brust. Was zum Weltraum tat ich hier? Dieser Mann sah aus wie ein Killer, oder wenigstens ein Krimineller.

Mit geschlossenen Augen hörte ich die Insekten inmitten der Bäume zirpen. Genau zu dem Zeitpunkt, als entschied ich meine dumme Suche nach dem Firmen-MobiGlas aufzugeben, hörte ich irgendwo hinter mir einen Zweig zerbrechen.

„Hartnäckiger kleiner Abschaum,“ sagte eine Stimme, etwa von da wo der Zweig zerbrochen war. „Es scheint, dass Dario sich einen Verbündeten angelacht hat.“

Die Wortwahl des Sprechers verwirrte mich gerade zu. Es war der weiche Dialekt eines Erd-Aristokraten, nicht eines brutalen Rohlings der Größe eines Vanduul Kriegers.

Aber ich bekam keine Chance den Sprecher zu sehen, bevor mir etwas auf den Rücken krachte und ich ohnmächtig wurde.

Fortsetzung folgt…

Übersetzung Cyan

von www.star-citizen-news-radio.de

Original: RSI

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