Dateline: Sesen Episode 5

Sondermeldung: Ulla Yadav im Krankenhaus durch eigenes Papierkorb-Feuer erstickt. Dies blieb unbemerkt.

Mit jedem Atemzug stachen kleine Nadeln ihn ihre Lunge. Es fühlte sich an als würde sich die Innenseite ihres Halses schälen.

„Komm schon, Scheißkerl,“ sagte sie hustend. „Riechst du das nicht?“

„Wie oft muss ich es ihnen noch sagen – zurück ins Bett – ?“

„Es steht in Flammen!“

„Mr. Sato, Sir – “ Es war eine zweite, weibliche Stimme. „Etwas sickert von die Unterseite der Tür hervor.“

Yadav stellte sich wie er sich hinhockte und schnüffelte. Es gab Stiefelgescharre und Rufe und das Piepen eines Schlüsselfelds. Ein rechtbehaltendes Lächeln schlich sich auf ihr Gesicht und sie trat zurück. Die Tür flog nach innen auf. Zwei medizinische Angestellte mit Feuerlöschern eilten an ihr vorbei. Hinter ihnen verstellten zwei Wachen den Türrahmen und verhinderten so jede Möglichkeit auf ihre Flucht.

Mr. Sato griff nach Yadavs Handgelenk. „Rufe eine Evakuierung des Stockes aus,“ wies er seinen Kollegen an. Zu Yadav sagte er, „Das ist kein gutes Benehmen für einen Hausgast.“

„Hausgast? Ich dachte ich wäre unter Arrest,“ antwortete sie.

„Er zog einen weiteren Strang des industriellen Kabelbinders aus seiner Westentasche und sicherte ihre Hände hinter ihren Rücken. Anschließend eskortierte er sie aus dem Raum.

Leute hasteten Richtung der Notfallausgänge an ihnen vorbei. Aber es gab immer noch keine Warnlichter, oder Sirenen, oder Aufgenommene Ansagen. Bloß das Schubsen und rufen chaotischer Flucht.

Eine Frau stürzte schwer in Yadav hinein, und drehte sich danach weg – ihr Doktor. „Hey,“ rief ihr Yadav nach. „Was ist mit Haddix passiert?“ Mit ihren Fesseln ringend versuchte sie sich vom Bewacher loszureißen und ihr nachzujagen. Aber der Mann hatte einen festen Griff.

Zusammen bewegten sie sich in die entgegengesetzte Richtung der Anderen, gegen den Strom der Menschen anschwimmend. „Wissen sie nicht, dass man während eines Feuers nicht den Fahrstuhl nehmen soll?“ fragte Yadav als sie vor den Edelstahltüren hielten.

„Wir riskieren es,“ sagte er verdrießlich.

Sie fuhren mit dem Aufzug einige Stockwerke nach unten, aber nicht bis ins Erdgeschoß. Als sich die Türen öffneten fragte sich Yadav, ob sie noch im selben Gebäude war.

Keine tadellos weißen Wände. Kein Marmor oder Glas oder polierter Stahl. Nicht mal einfache Trockenwand oder Holz.

Nichts war fertig. Dämmungen und Eisenträger ragten aus den Wänden hervor. Einfache Glühbirnen mit Kettenschalter hingen von der Decke. Die Türen waren aus Kunststoff – noch dazu billiger Kunststoff. Alle Luftschächte waren an der Decke sichtbar und der Boden war mit veraltetem Vinyl abgedeckt.

„Umgestaltung?“ fragte sie.

Ein Mann im abgewetzten Anzug trat aus einem der Räume. Er schien überrascht hier einen Wächter mit Gefangenen vorzufinden.

„Habt ihr einen leeren Raum, indem ich sie für eine Weile bunkern kann?“ fragte Sato.

Der Mann wies den Gang hinunter. „Vierundsiebzig B,“ sagte er unsicher.

Pinke Isolation beulte zwischen den Raumplatten hervor. Ein wackeliger Tisch und zwei Stühle waren die einzigen Möbel. Da war nicht mal ein Papierkorb um darin ein Feuer anzufachen.

Nachdem er sie an einen Stuhl gebunden hatte verließ der Wächter sie während er vor sich hin grummelte.

Yadavs erster Instinkt war mal wieder die Flucht. An ihren Fesseln reiben und zerren wäre sinnlos – sie hat genug Gefangene mit blutenden Handgelenken gesehen um das zu wissen. Sie konnte versuchen ihre Fesseln an eine der Stützbalken abzufeilen.

… Oder sie konnte einfach den schlecht verarbeiteten Stuhl zertrümmern und durch die unverschlossene Tür rennen. Näher betrachtet stellte sie fest, dass die Tür von einem simplen Riegel mit Drehknopf gesichert war. Es gab nichts was sie vom Rausgehen aufhielt, mit oder ohne an ihrem Rücken gebundenen Stuhl.

Sie bemerkte eine Abwesenheit von Staub in der Luft. Es gab keinen Gipsdunst oder Spachtel oder Farbe. Kein Baumaterial lag herum. Keine Arbeiter die lärmten.

Das war kein Stockwerk in der Umgestaltung. Keine Renovierung wurde hier vorgenommen. Das Stockwerk war was es war: beschissen.

Sie pausierte. Etwas stimmte hier nicht. Der Wächter hat sie wie ein Ärgernis behandelt, nicht wie eine gefährliche Kriminelle, die der Piraterie verdächtigt wurde.

Ganz sicher gab es keine Anzeichen von Feuerdetektoren oder –Löscher an der Decke. Der Raum in der Krankenstation hatte keine Fehlfunktion, er war ganz einfach nicht so modernisiert wie er wirkte. Sogar noch weniger als das. Das ganze Gebäude musste eine verdammte Todesfalle sein. Selbst in dem ärmsten Ländern hatte sie niemals ein Regierungsgebäude wie dieses gesehen. Minderwertig entworfen und minderwertig konstruiert –

Auf was für einen Hinterwäldler Planeten war sie gelandet?

Darum tat ihr Ellenbogen weh, darum war Haddix tot. Sie hatten ihn nicht ermordet; sie hatten einfach nicht die Möglichkeit ihm zu helfen. Sie wusste nicht ob sie sich dadurch besser oder schlechter fühlte, verständnisvoller oder wütender.

Sie fühlte sich überwiegend benommen.
Ihr Blick fiel auf grüne Stempel der Wandverankerungen die freilagen. Ein Firmenlogo bestehend aus einem Oval mit einem Pfeil hindurch. Sie hatte es vor kurzem gesehen – einem Manifest. Das Logo gehörte zu einem der Firmen die sie des Versicherungsbetruges verdächtigte.

War es ein Zufall, oder hatten einige Stücke der Piratenbeute ihren Weg auf den Planeten gefunden?

Die Gouverneurin scherte sich möglicherweise nicht darum woher sie ihre Materialien bekam, besonders wenn sie solch schlampiges Handwerk billigte. Sie wäre nicht der erste Politiker, der vor dem billigen Ursprung der Waren ein Auge zudrückte.

Andererseits schien die Regierung keine freundschaftlichen Gefühle gegenüber Piraten zu zeigen. Vielleicht warfen die Piraten die Dinge weg, die sie nicht fortschaffen konnten. Ein armer, fast leerer Planet gibt vielleicht eine gute Müllhalde ab. Die Einwohner könnten die Hinterlassenschaften aufsammeln und alles verwenden das sie bargen.

Sie wollte einen näheren Blick auf die Baracken werfen.

„Warum hast du sie hierunter gebracht?“ fragte eine Frau auf der anderen Seite der Tür. Yadav brauchte einen Augenblick um die Stimme einzuordnen. „Ich wollte sie zu meinem Büro bringen lassen, sobald sie erwachte.“ Ah, die Gouverneurin.

„Ich verstehe,“ sagte der Wächter, Mr. Sato. „Aber sie entfachte auf der Krankenstation ein Feuer. Es war ein Notfall. Ich brauchte einen Ort wo ich sie temporär abladen konnte. Im Licht ihrer destruktiven Natur rate ich ihnen, ihr Verhör nicht in ihren Haupträumen abzuhalten.“

„Wir … bringen sie in eine richtige Zelle,“ sagte eine neue männliche Stimme. Er hielt seine Stimmlage ausgeglichen und ruhig, was es für Yadav schwer machte selbst durch die dünnen Wände zu lauschen. Sie bekam nur Ausschnitte mit. „Ich möchte sie gern … kompliziert. Aber ich denke nicht … im Klaren …“
„Ich kann in ein paar Minuten ein Gefährt und einen Stoß Leute bereit stellen um sie aus der Gegend zu eskortieren.“ sagte Sato.

„Danke ihnen,“ antwortete die Gouverneurin. „Aber ich denke sie ist hier gut aufgehoben. Wegtreten, Mr. Sato.“

„Jeden Beweis … und sollte ruhig gestellt werden bis sie fortgeschafft … mein Rat,“ meinte der andere Mann.

„Bitte, Wei,“ sagte die Gouverneurin inständig. „Sie sehen hier nicht die Möglichkeit. Ist es nicht das worauf wir gewartet haben? Jemand von draußen? Ein Weg der Piraterie ein Ende zu machen?“

„Sie hören mir nicht zu,“ bestand er. „Journalisten … eigenen Agenda … wollen sind Sensationen. Blut, Gewalt menschlicher Abschaum … nicht daran interessiert anderen zu helfen, bloß am Aufzeichnen des Gemetzels.“

Yadav konnte nicht wirklich sagen, dass er falsch lag. Wenn man den Boden der Tatsachen betrachtete beherrschten Gier und Macht das menschliche Dasein. Sie stocherte seit Jahrzenten in diesem Schorf, brachte all die kleinen triefenden Stücke zum Vorschein. Es war ihr Job zu den Ursprüngen einer Situation vorzustoßen, so dass sie offenbaren konnte wie zerfressen die Menschheit geworden ist.

Sie war keine übermäßig gefühlsbetonte Journalistin.

Diebe und Lügner überall wohin du gehst, dachte Yadav. Vielleicht war das der wahre Grund warum sie niemals Leute näher an sich heran lies, nie nach ihren persönlichen Leben fragte. Diese würden sie unausweichlich enttäuschen.

„Wir müssen uns selbst schützen,“ fuhr der Mann fort. „Selbst Singvögel werden unsere Augen auspicken wenn ihr Nest bedroht wird,“ rezitierte er flach, auch wenn es ein altes Sprichwort war.

„Unser Nest ist in Ordnung, Wei.“

„Wie sie meinen,“ räumte er mit einem Seufzer ein. „Aber meiner Meinung nach ist es Zeit den Eindringling zu blenden.“

Fortsetzung folgt …

Übersetzung: Cyan

von www.star-citizen-news-radio.de

Original: https://robertsspaceindustries.com/comm-link/spectrum-dispatch/13594-DATELINE-SESEN-Part-Five


// End Transmission

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