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The Lost Generation Episode 3

Übersetzung Dip Lomat
Korrekturgelesen von Wizard!

Tonya stürmte den Flur entlang, mit Senzen im Schlepptau, der ihr aber eher gemächlich hinterherschlenderte. Die Mitarbeiter des Shubin Konzerns machten ihr hingegen eiligst den Weg frei. Minuten zuvor hatte Arlington die beiden an einen seiner Assistenten weitergereicht, der ihnen den Gebrauch von Spesenabrechnungen und Kontakt-Protokollen erläuterte. Sie hatte kaum auf dessen Ausführungen achten können, denn sie kochte noch immer vor Wut, wegen des Verrats den Senzen zuvor abgezogen hatte.

„Also, wo möchtest du mit der Suche beginnen?“ Senzen grinste, als er absichtlich ins Hornissennest stach. Und es funktionierte. Tonya wirbelte herum.

„Wie zum Teufel hast du ihn mit all diesem Mist ködern können?“ Sie stieß ihn vor die Brust. „Du konntest doch gar nicht wissen, was ich gefunden habe.“ Ein weiterer Stoß folgte …

„Für jemanden, der von Zivilisationen so fasziniert ist wie du, sollte wirklich mal versuchen, mehr über die Menschen zu erfahren.“

„Los, sag es mir“, knurrte sie und stieß ihn erneut. Senzen seufzte.

„Arlington ist vermutlich die einzige Person im gesamten Universum, dem die Artemis völlig egal ist“. Ein Assistent lief auf Senzen zu und reichte ihm eine Tasse Kaffee. „Ah, wunderbar, danke“, lächelte er dem Assistenten an, und wandte sich nun wieder Tonya zu. „Ich erzählte ihm, wir hätten an der Analyse des Fragmentes gearbeitet und etwas gefunden, das von gigantischem Ausmaß sein könnte. Ich wolle ihm, bevor deine Analyse abgeschlossen ist, natürlich nicht zu viel versprechen, trotzdem suchte ich ihn sofort auf um schnell Bericht zu erstatten. Seine Phantasie, oder welches Programm auch immer in diesem Hirn abläuft, tat ihr übriges.“

Tonya starrte ihn an. Senzen nippte derweil an seinem Kaffee und wartete.

„Komm mir ja nicht in die Quere.“

„Das wars jetzt?“ Senzen schüttelte endtäuscht den Kopf. „Komm schon Tonya, normalerweise bist du geistreicher.“

„Wie wäre es mit, du hast nicht den Hauch einer Chance gegen mich, und das weißt du auch.“ Sie machte auf dem Absatz kehrt und ging davon.

„Hey, schon besser,“ rief Senzen ihr nach, „aber möglicherweise überrasche ich dich noch.“

* * * *

Als Tonya nach einiger Zeit wieder in ihr Schiff kletterte, hatte sich ihr Verstand ausreichend mit der Gefahr die von Senzen Turov ausging, auseinandergesetzt. Er war sicherlich ein schlauer Forscher, aber Tonya wusste, dass seine Begabung eher soziologischer als historischer Herkunft waren. Während ihrer, zum Scheitern verurteilten Partnerschaft, schaffte er es Informationen aus den unwahrscheinlichsten Quellen heraussaugen. Aber hier handelt es sich um das Schicksal der Artemis. Hier gab es niemanden zu befragen, keinen Spitzel der Informationen ausplaudern könnte, es war einfach alles von der Vergangenheit begraben. Und dies war Tonyas Spezialität.

Ein paranoider Gedanke beschlich sie, während sie die Triebwerke warmlaufen ließ. Vielleicht hatte Senzen wirklich Recht und sie müsse anfangen die Menschen zu studieren. Beginnend mit der Möglichkeit, dass er sie verwanzt haben könnte. Auf der Suche nach ausgehenden Signalen, startete sie einen schiffweiten Check. Während dieser lief, öffnete sie die Hülle ihrer neuen DeCon-Kammer und leitete einen Körperscan ein.

Tonya hüpfte in das Gerät. Sensorarme schwangen um sie herum und es schien, als ob alles klar war, bis … ping.

„Verdammter Sohn einer -“ sie stieg aus dem Körperscanner, und betrachtete den Bildschirm. Natürlich, da war ein Sender, nicht viel größer als ein Kieselstein, direkt unter ihrem Halsband befestigt. Sie entfernte ihn und warf ihn in den Verbrennungsofen.

Der schiffsweite Sicherheitscheck war endlich auch beendet. Keine unbefugten Änderungen an der Schiffshülle oder ausgestrahlte Signale lagen vor.

„Netter Versuch, Senzen“ murmelte Tonya als sie schließlich abhob. Ein Wall dunkler Wolken rollte langsam vom Horizont heran. Tonya beobachtete eine Armee von Shubin Ingenieuren, die Vorbereitungen trafen, das Artemis Fragment abzutransportieren bevor der Sturm eintreffen würde. Ihr Schiff stieß durch die Wolkendecke und ließ den Planeten hinter sich.

Tonya setzte Kurs auf den nähesten Sprungpunkt. Sie musste jetzt allein sein. Als Wissenschaftlerin stand sie vor einem neuen Rätsel und musste sich klar werden womit sie es zu tun hatte. Je weniger sie dabei abgelenkt wurde, umso besser.

Sie sprang durch den Sprungpunkt ins Chronos System. Die unvollendete Masse der Synthwelt war im Vergleich zur weit entfernten Sonne kaum zu erkennen. Ein durch die UEE betriebener, militärischen Bohrer war zwar ganz in der Nähe, aber Tonya fand trotzdem ein nettes, abgeschiedenes Fleckchen. Sie schaltete das Schiff in den Auto-Reaktions-Modus und kletterte durch das Cockpit, in den hinteren Schiffsteil.

Dort holte sie ihre gesammelten Bildmaterialien und Informationen hervor, sortierte sie, und heftete alles an die Wand.
Eins nach dem anderen. Dann fütterte sie ein Programm mit ihren Bildern, um diese zu einem 3D-Modell zu konvertieren. Während der Bordcomputer das Modell berechnete, wandte sie sich der Sternenkarte zu. Ursprüngliches Ziel der Artemis war GJ 667Cc, wie man damals glaubte, ein als „Super-Erde“ bezeichneter, möglicherweise bewohnbarer Planet. Das Artemisfragment wurde jedoch im Stanton System gefunden, bei weitem nicht auf der richtigen Route für einen Flug zum Gliese Sternhaufen.

Also, was war passiert? Warum war das Schiff von seinem ursprünglichen Kurs abgekommen? Wäre, ihrer Hypothese nach, die Artemis wegen Reparaturarbeiten gelandet, hätte Janus sein ursprüngliches Ziel doch wieder angesteuert, sobald das Schiff erneut gestartet war?

Tonya ackerte sich durch Bücher und Artikel. Schließlich entschied sie sich alles, was nicht nachweislich zu belegen war, komplett zu verwerfen. Biographien, Dissertationen und Simulationen waren reinste Spekulationen.

Und obwohl einige große Geister versucht hatten, das Geheimnis der Artemis zu lösen, konnten letztenendes doch alle nur raten was wirklich passiert war. Tonya hatte keinesfalls vor, ihre neue Beweise mit vorgefassten Meinungen einzufärben.

Unglücklicherweise schloß dieser Ansatz aber 98 Prozent des verfügbaren Materials aus. Was nun übrig blieb, waren Datenfetzen, die gelegentlichen Zitate eines Crewmitglied vor dem Start, und NewsOrg Archivdateien über den Start selbst – dem Moment, an dem Janus die Kontrolle über das Schiff übernommen hatte und die Triebwerke in den bekannten Raum startete.

Vier Stunden vergingen. Tonya starrte die Wand an, die mit einer überquellenden Menge an Fragen und einer nicht existenten Liste an Antworten aufwartete. Sie drehte das 3D-Modell des Artemis-Fragments mehrmals rundherum, in der Hoffnung auf irgendeine Art von Inspiration zu treffen.

Doch da kam nichts.

Aber sie konnte sich ganz dunkel an etwas erinnern. Das Hartley Museum. Tonya erinnerte sich, vor Jahren einen Artikel über das Museum gelesen zu haben. Sie versuchten die umfassendste Artemis Ausstellung auf die Beine zu stellen, mit allen „schockierenden“ Beweisen und weiterem Nonsens. Damals tat sie das als billige Theatralik ab, um die Dummen anzulocken.

Nun, vielleicht steckte ja doch mehr dahinter.

* * * *

Das Hartley Museum hatte schon bessere Tage gesehen. Es verblasste geradezu im Vergleich zu den benachbarten, ehrwürdigen Einrichtungen der Londoner Museum Row. Die Fassade bröckelte, aber nicht auf ehrwürdige Art und Weise. Zerschlissene, wiederverwendete Banner flatterten vor dem Eingang und kündigten die Ausstellung „Parade der historischen Könige der Erde“ an.

Tonya kaufte ein Ticket von einem mürrischen, alten Mann an der Kasse, und schob sich durch das schlichte Sicherheits-Drehkreuz ins Museum. Das Gebäude war quasi leer. Ihre Schritte hallten von den Pseudo-Marmorwänden weit in die Ferne des leeren Raumes. Beiläufig untersucht sie eine Sammlung von Skeletten und Schalen, deren Aussehen auf die Epoche der alten Ägypter hingetrimmt worden war. An einem Sarkophag mit dem Skelett eines ‚Pharaos‘ blieb sie stehen.

„Guten Tag, Fräulein,“ sagte eine helle Stimme hinter ihr. Sie drehte sich um. Es war der gleiche alte Mann aus dem Kassenhäuschen, der jetzt eine andere Jacke und Brillen trug. „Dies sind die sterblichen Überreste des mächtigen Pharao Khafra, Architekt der unsterblichen Sphinx von Gaza.“

„Pharao Khafra?“ wiederholte Tonya nickend. Sie beugte sich vor, um einen besseren Blick auf die Überreste zu bekommen.

„In der Tat. Seine Herrschaft in der vierten Dynastie war -“

„Der hier war ein Sklave.“

„Ich bitte um Verzeihung?“, sagte der alte Mann verärgert.

„Abnutzung und Knochendeformation rund um die Knöchel lassen vermuten das er schwere Gegenstände trug, so war er vermutlich wirklich ein Architekt der Sphinx, aber mehr einer von der steinetragenden Sorte.“

Der alte Mann starrte sie fassungslos an. Verlegenheit war in seinem Blick zu bemerken.

“I …”

„Ist schon in Ordnung“, versicherte sie ihm. „Ich wollte mit Ihnen eigentlich über die Artemisausstellung sprechen, die Sie auf die Beine stellen wollten.“

„Oh, ich wünschte es hätte funktioniert,“ sagte er, noch kleiner werdend. „das war die Rettungsleine an der das ganze Museum hing“. Ich habe jeden Penny eingesetzt den ich hatte, um all die Erinnerungsstücke zu sammeln.

„Also sind die Exponate hier?“

„Die Bank nahm sie als Sicherheit für ausgefallene Kredite.“ Er sackte auf einer Bank zusammen. „Verraten Sie mir, wie ich die Kredite zurückzahlen soll, wenn ich über keinerlei neue Ausstellungsstücke verfüge, um wiederum Tickets zu verkaufen?“

„Was haben Sie gekauft?“

„Es war eine Handvoll persönlicher Aufzeichnungen von Kapitän Danvers, Schaltpläne und Filmaufnahmen vom Schiff, ein Original der Janus AI, ich schaffte es sogar, -“

„Whoa, immer mit der Ruhe.“ Tonya rutschte neben ihm auf die Bank. „Sie haben eine Kopie des AI-Programms?“
„Janus? Ja, und sie war keineswegs billig, wohlgemerkt.“

„Wie lautet der Name dieser Bank?“

Der alte Mann, der wie sie nun erfuhr Melvin Hartley Jr. war, verriet ihr den Namen.

Tonya ließ Hartley in seinem stillen und leeren Museum zurück, um nun auf eigene Faust zu recherchieren.

Die Bankangestellte war sehr hilfsbereit, konnte Tonya in ihrem Ansinnen aber leider nicht entgegenkommen. Sie teilte ihr mit, das die Bank jedes seriöse Angebot, die Artefakte zu kaufen, prüfen würde, aber dies könnte Wochen dauern.

Unglücklicherweise verfügte Tonya über vieles, nur nicht über Zeit.

Sie würde die Artefakte wohl stehlen müssen.

Fortsetzung folgt…….

Original:
https://robertsspaceindustries.com/comm-link/spectrum-dispatch/12873-The-Lost-Generation-Issue-3

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