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Operation: False Flag Teil 3 – von SEV –

Achtung:

Durch die kürzlich Veröffentlichung der Informationen zu den UEE-Marines, die genau das sind was ich mir unter der frei erfunden „SWORD Spezial Einheit“ vorgestellt habe, sattel ich um. D.h. ab jetzt ist es nicht mehr SWORD, sondern die Marines. Ändern tut sich eigentlich nur der Name, da auch meine bisherige Beschreibung von SWORD, sich mit den Vorstellungen der Marines von RSI fast haargenau deckt. In den anderen Teilen meiner Geschichte werde ich diese Änderung auch noch nach holen.
Auch möchte ich dann gleich bei der Gelegenheit wieder zu Kommentaren und Kritiken aufrufen. Danke für die Aufmerksamkeit!

Teil – 3
Exodus

Betreff: Crossing Horizen
Abs: XXX

Vor 2h wurde die Crossing Horizen von der Piraten-Gruppierung Typhon angegriffen. Auszug aus den News-Org des Terra Gazette :

„ Der Konflikt zwischen den Piraten weitet sich aus und macht keinen Halt vor zivilen Opfern. Vor nicht einmal 2 Stunden wurde die Crossing Horizen, nach schweren Gefechten in Terras Umlaufbahn, das Opfer eines blutigen Piratenangriffs. Von den über 250 Gästen mussten nach neusten Schätzungen 150 ihr Leben lassen, während die restlichen Überlebenden als Geiseln genommen und verschleppt wurden. Der Aufenthaltsort entzieht sich dem Wissen der Behörden, auch wurden bisher keine Forderungen zur Freilassung der Geiseln geltend gemacht.
Aktuelle Untersuchungen bestätigen die Gerüchte, dass die Piraten die Aussichtsfenster des bekannten Weltraum-Liners zerstört haben, als sich noch ein Großteil der Besucher an Bord befand. Unter den Toten soll sich auch Govorner D’Nosh, befinden.
Nach dieser schrecklichen Tat ist die Bevölkerung schockiert und nach wie vor geben die Ergebnisse der noch andauernden Untersuchung keinen Aufschluss darüber, wie Piraten eine solche Tat im UEE-Hoheitsgebiet ausführen konnten.
Viele Menschen fürchten um ihre Sicherheit und werfen den Örtlichen Behörden erhebliche Fehler vor.
Nach der rätselhaften Zerstörung der Blue Sky im Elllis-System, ist die Crossing Horizon nun in Folge kurzer Zeit das Opfer einer weiteren Tragödie.
Unsere Gedenken richten sich an die vielen Opfer und ihren Hinterbliebenen.“

Unsere Agenten bestätigen den Aufenthalt des Whistleblowers auf der Crossing Horizen zum Zeitpunkt des Angriff.

Es ist davon auszugehen, dass der Whistleblower Ziel dieses Angriffs war und sich nun in Händen von Typhon befindet.

Höchste Priorität hat nun die Auffindung des Whistleblowers und die Sicherstellung, der Geheimhaltung von Troja, um jeden Preis.

Abteilung -51

XXX

RE: Crossing Horizon
ABS: Richard Nolan

Ich möchte sie darauf hinweisen, dass die Leitung von Troja nicht Abteilung-51 unterliegt und sie nur eine unterstützende Rolle einnehmen.

Wir haben die Lage im Griff und führen die Suche nach dem Whistleblower mit allen verfügbaren Ressourcen aus. Die an der Operation beteiligte Marines-Delta Einheit erhält sofort nach Abschluss des aktuellen Einsatz die neuen Einsatzbefehle.

Richard Nolan

Director der EDA

Hades – System

Laut stöhnte Sev auf, als er mit einem Knall auf den kalten Stahlboden in einem engen Raum im Truppen-Transporter aufschlug. Sein Marines-Kampfanzug, der in neutralem Zustand, bei abgeschalteter Tarnfunktion, fast ausnahmslos weiß war, absorbierte den Aufprall. Doch ohne den Helm, den er nicht aufgesetzt hatte, schlug sein Kopf einmal gegen den Boden. Ein Phantom kannte kein Pardon, nicht einmal beim Training und so stand Nero regungslos über ihm, nachdem er Sev zu Fall gebracht hatte.
Nicht eine Sekunde zeugte von dem Versuch ihm wieder auf zu helfen, als Sev sich wieder erhob. In einem Kampf war kein Platz für Gefühle. Nero brachte ihm diese Lektion mehr als Verständlich bei. Schon lange wurde Sev von ihm trainiert, auf seinen eigenen Wunsch hin und er wusste nicht ob es an den schmachvollen Niederlagen die er gegen Bower einstecken musste lag, oder an dem Wunsch, die Phantome und somit Bower verstehen zu können. Bower hatte ihn auf Muna am Leben gelassen. Er hätte ihn bei ihrem ersten Treffen ohne zu zögern töten können, doch hatte er es nicht getan und somit seine eigene Niederlage eingeläutet. Noch immer fragte sich Sev, warum, wo die Phantome doch alles Taten, um ihre Ziele zu erreichen. Und auch nach dutzenden Trainingsstunden, in denen Nero die eiskalte Zielstrebigkeit der Phantome unter Beweis gestellte hatte, konnte er sein Handeln nicht nachvollziehen.
„ Du bist abgelenkt. Befreie dich aus deinem Geist.“
Erklärte Nero mit monotoner Stimme, die durch die Stimmenwiedergabe der Maske etwas verzerrt wurde, als Sev wieder auf seinen Beinen stand. Noch nicht ein einziges Mal hatte Sev es geschafft, Nero zu Fall zu bringen. Sie waren Meister, wahre Künstler auf dem Gebiet des Nahkampfes. Nero sagte immer, dass er sehr gute Fortschritte machte, doch die Perfektion eines Phantoms schien unerreichbar zu sein. „Gedanken besiegen nur dich selbst,“ sagte Nero immer. Doch wie konnte er die Gedanken verdrängen, die doch sein Leben bestimmten? Ihm einen Sinn gaben?
Nesaja.
Die Ungewissheit über die Bedeutung seiner Worte die noch immer durch Sevs Kopf geisterten, zollten ihren Tribut. Wenige Sekunden verstrichen, in denen Sev mit einigen Hieben und Tritten erneut ein Angriff auf Nero startete, ehe er wieder zu Boden geschleudert wurde. Der Ruck durchfuhr seine Brust als er auf dem Rücken aufschlug und die Luft aus seinen Lungen drückte. Nero wich ein Stück zurück und lockerte sich ehe er erneut beteuerte:
„Kontrolle ist der Schlüssel. Kontrolle über deinen Geist, über den deines Gegners.“
Sev keuchte einmal auf, ehe er sich herum drehte und sich wieder aufrichtete, während er etwas verärgert zurück knurrte:
„Wie soll ich die Kontrolle über deinen Geist erlangen, wenn ich doch nicht einmal weiß, ob du überhaupt einen besitzt?“
Ausdruckslos starrten ihn die leuchtenden Augen der Schwarzen Maske an, die nicht eine Nuance seiner Seele Preis gaben während er beteuerte:
„Verschwende die Ressourcen deines Geistes nicht an Unwissenheit. Wissen, gibt dir Kontrolle.“
Sev gab ein flaches lachen von sich, das mehr wie ein lautes Ausatmen wirkte und blickte ziellos in die Luft in die er leise die Worte:
„Wissen…..ja?“
hauchte. Kopfschüttelnd blickte er wieder zu Nero während seine Stimme wieder lauter wurde und er dezent lächelnd kommentierte:
„Was weiß ich schon über dich?!“
„Du weißt wie ich kämpfe. Ich habe dir jede Bewegung, jede Haltung und jeden Schlag beigebracht. Du weißt auf welche Bewegungen ich achte. Du weißt auf welche Wimpernschläge ich warte. Du weißt welche Mittel ich einsetze. Nutze dieses Wissen.“
Nero machte einen Schritt vor, während er wieder eine Kampfhaltung einnahm und mit ruhigen Ton fragte:
„Was siehst du? Und was, weißt du?“
Sev musterte seine Haltung noch ehe Nero seinen Satz beendet hatte. Es war zu einem Reflex geworden und sofort erkannte Sev, dass seine Beine dicht beieinander standen, zu dicht. Ein tritt auf Oberkörperhöhe, würde ihm das Gleichgewicht rauben und so erklärte er verwundert:
„Deine Beine! Eine Lücke in deiner Verteidigung.“
„Ist es das?“
fragte Nero und deutete Sev ihn wieder anzugreifen während er erklärte:
„Wenn du deinen Gegner kennst, dann kannst du ihn manipulieren. Und so wird aus einer Schwachstelle die Gewissheit wie dein Gegner handeln wird. Zeige ihm eine Lücke und er wird diese nutzen wollen.“
Langsam verstand Sev, worauf er hinaus wollte. Jetzt konnte Nero mit einem hohen Tritt rechnen. Doch wusste er nun auch, dass Sev diesen nicht mehr einsetzen würde, im Wissen das es eine Falle war.
Konzentriert überlegte Sev, mit welchen Angriff Nero nun rechnen würde, als er ebenfalls in eine Kampfhaltung absenkte. Mit festen Blick musterte er Neros ausdruckslose Haltung, die die pure Ruhe ausstrahlte, während die Worte „Wissen gibt dir Kontrolle“ durch seinen Kopf hallten.
Mit einer schnellen Bewegung trat Sev mit einem Seitentritt auf Nero, in Höhe seiner Schulter ein. Sofort erkannte Sev, das Nero für einen Augenblick seine Ruhe verlor und überrascht im letzten Moment ausweichen konnte. Sofort setzte er mit seinem anderen Bein nach, doch Neros Defensive war in weniger als einem Wimpernschlag vergangen und so packte er Sevs Bein und zog es nach oben. Wieder einmal durchdrang ein dumpfes Klatschen Sevs Rücken als dieser auf dem Boden aufschlug.
„Sehr gut.“
lobte Nero. Auch wenn Sev wieder zu Boden gegangen war, hatte er diese Lektion gelernt. Das Letzte womit Nero gerechnet hatte, war das Sev absichtlich in die Falle tappt und hatte somit die Falle entschärft. Es war ein kleiner Sieg für Sev.
„CQC, ist wie ein Pokerspiel. Bluffen, Riskieren, Einsatz zeigen. Die Kunst dabei ist es deinen Gegner zu beobachten, ihn zu Identifizieren um genau das zu machen was er nicht erwartet, während seine Handlungen so zu beeinflussen, dass du jede Karte errätst, noch ehe sie gespielt wird. Wer zuerst das Wesen seines Gegenübers erfasst, gewinnt das Spiel.“
Sev stand auf, während Nero erneut in eine Kampfposition gegangen war und untersuchte diese sofort wieder auf Schwächen und fragte sich für einen Moment, ob die ausdruckslosen Masken ein Pokerface ermöglichen sollten, als er in die glühenden Augen starrte. Krampfhaft, mit jeder Zelle seines Gehirns, überlegte er welchen Schritt Nero nun erwarten würde, bis dieser trocken fragte:
„Und? Ist es so schwer sich von seinen Gedanken zu befreien?“
Verdutzt horchte Sev auf und ein Gefühl der Entrüstung fiel über ihn her, als ihm klar wurde, dass Nero ihn manipuliert hatte um ihn seine Gedanken auszutreiben, die ihn ablenkten. Die Falle, die Bluffs, sie waren nur ein Teil einer größeren Lektion gewesen. Die Kontrolle über den Geist. Doch sofort als Sev begriff, nutzte Nero den Moment von Sevs Ablenkung und griff ihn an, ehe er erneut zu Boden fiel.

Eine Stealh-Version des Truppentransporters Hammer, eine Einheit Marines und ein kaltblütiges Phantom. Zutaten denen es nach Blut und Tod dürstete. Doch nicht das bevorstehende Mahl bereitete Kody Kopfschmerzen, sondern der Nachgeschmack. Piraten die rücksichtslos einen Krieg ausfechten. Wer sollte schon wissen was geschehen wird, wenn man die Dominierende Macht eines solchen Konflikts zerbricht? Die UEE erinnerte ihn an ein Kind das mit dem Feuer spielte. Feuer war unberechenbar. Seine Zweifel an die Einsatzbefehle, nahmen in den vergangenen Monaten zu. Es war nicht üblich Marines gegen Piraten einzusetzen und doch häuften sich in den letzten Monaten die Einsätze gegen solche.
Doch offenbar war er der Einzige, der sich mit solchen Fragen aufhielt und so wie Kody es beurteilen konnte, war er der Einzige der noch einigermaßen Psychisch Tragfähig war.
Da war Nox, der im Pilotensitz des Transporters saß und das Schiff durch die unzähligen Asteroiden lenkte. Gewalttätige Kindheit. Sein Vater hat ihn Tag täglich durch das Haus geprügelt. Er selbst sagt, dass er seinen Vater später umgebracht hat. Auch wenn Kody ihm das zutrauen würde, so richtig Glauben schenken wollte er ihm nicht.
Und da war Denver. Der die Hornet in Formation zum Transporter flog. Überheblich, Arrogant doch auch vernarbt. Er war ein ehemaliger Sklave, der von UEE Truppen aus den Fängen von Sklavenhändlern gerettet wurde. Er sprach ganz offen darüber, auch wenn er seine Vergangenheit mit seiner arroganten Art zu überspielen versuchte.
Und da war Ray. Niemand wusste was über ihn, doch seine Augen die trüb vor sich drein blickten, während er in einem Seitensitz im Cockpit Platz genommen hatte, sagten alles. Kody spürte keine Seele mehr in ihm, als sei diese schon vor langer Zeit zerstört worden.
Und da war schließlich Sev. Auch er erzählte nicht sonderlich viel, auch wenn das mal anders war. Die Einsätze nahmen ihn mit. Auch wenn er es nie zugeben würde, doch befand er sich auf dem Weg, den auch der ehemalige Delta-Führer eingeschlagen hatte und an dem dieser zerbrochen war. Doch Kody bemerkte es. Sev zog sich immer weiter zurück, während niemand wusste, wo er sich in seiner Freizeit herum trieb. Auch die kleinsten Gesten, ihm helfen zu wollen schlug er aus.
Das letzte was er sehen wollte, war einen weiteren Soldaten an seiner Aufgabe zerbrechen zu sehen, doch so sehr er ihm auch geholfen hätte, konnte er es nicht ohne seine Mithilfe.
Laut polterte es im hinteren Teil des Schiff. Nox lugte über seine Schulter und lachte:
„Sieht so aus als wenn der Boss wieder eine Abreibung bekommt.“
Denver, der über Komm alles mithören konnte, schallte über die Lautsprecher des Cockpits:
„Meint ihr wirklich das der Boss ein Phantom besiegt hat? Nero scheint ihm Haushoch überlegen.“
Kody lächelte und kommentierte leise:
„Du hast doch die Geschichten gehört.“
Laut antwortete Denver in einem übertriebenen Tonfall:
„Oh ja! Stoff für ein Aktion geladenen Film oder spannendes Buch! Ein Zweikampf auf Leben und Tod…….“

Die Stahltür zum engen Cockpit schob sich auf und Sev trat gefolgt von Nero in das Cockpit. Etwas außer Atem horchte Sev auf, als Denver lauthals weiter erzählte, unwissend über die Anwesenheit seines Vorgesetzten:
„ ….in einem brennenden Hangar der in Begriff ist einzustürzen. Man, wenn das wirklich passiert ist dann fresse ich einen Besen!“
Sevs Blick wurde ernster während er sich mühevoll im Zaum hielt und in das Cockpit hinein knurrte:
„Willst du das vielleicht den Soldaten der 106en Infanterie-Division und der 7ten Schwadron erzählen? Ich kann dich gerne zu ihnen bringen!“
Ein kurzes:
„Scheiße.“
ertönte über die Lautsprecher ehe der Komm-Kanal stumm blieb. Sev richtete sich an Nox und fragte noch etwas ungehalten:
„Wie lange noch?“
Nox, der sichtlich angespannt war, erklärte nach einigen Momenten in denen er paranoid aus dem Cockpitfenster gesehen hatte:
„Scheiße, nicht mehr lange.“
Sev klopfte ihm auf die Schulter:
„Was ist denn los?“
Nox knurrte einmal ehe seufzend erklärte:
„Ich hasse dieses Scheiß System.“
Das Hades-System war tot. 4 Planeten verliefen um die Umlaufbahn von Hades Sonne, doch sie alle waren komplett zerstört. In Hades VI gipfelte die Zerstörung, der in 2 Teile zerbrochen war, sich aber dennoch in seiner Umlaufbahn befand, wie ein furchteinflößendes Mahnmal. Erforschungen förderten die Erkenntnis zu Tage, das eine Zivilisation vor langer Zeit dieses System verwüstet und sich selbst in einem Bürgerkrieg vernichtet hatte. In Hades gab es nichts außer Tod und Vernichtung. Nur wenige Piloten brachten den Mut auf einen Transport durch dieses System zu fliegen, was nicht zuletzt an den erhöhten Piratenaktivitäten lag, sondern auch an Behauptungen, dass dieses System verflucht sei.
Denver, nur kurz von seinem Tritt ins Fettnäpfchen ruhig gestellt lachte überheblich:
„Was ist los? Haste Angst vor dem Blue Man?“
Nox schnauzte zurück:
„Halt dein beschissenes Maul! Mit so was macht man keine Witze!“
Sev wusste über Noxs Aberglauben, dennoch überraschte es selbst ihn, dass er an ein geisterhafte Fratze, genannt der Blue Man glaubte, die im Hades-System ihr Unwesen treiben sollte. Mit ruhiger Stimme erklärte er lächelnd:
„Alles gut. Wenn du irgendetwas blaues siehst, darfst du von mir aus sofort darauf feuern.“
Erneut hallte Denver durch das Cockpit:
„Nicht das unser Baby noch in die Hose scheißt. Blue Man….was ich nicht lache.“
Nox kantiges Gesicht wurde der Ausdruck eines tollwütigen Hundes als er wütend zurück blaffte:
„Ja ja, du bist so was von Clever. Beschissener Wichser!!! Zähl mal bis 10, dann haben wir ne halbe Stunde Ruhe!“

Wenige Minuten verstrichen, ehe die beiden Schiffe langsam zwischen den tausenden Asteroiden an Fahrt verloren. Es trennten sie keine 10 Kilometer mehr bis zur Treibstoffstation. Langsam fuhr Nox ein Schiffssystem nach dem anderen hinunter, um die Energieaufnahme und somit die Radar-Signatur zu minimieren. Waffen, Schilde, Radar und sogar der Antrieb, der auf ein Minimum herunter gefahren wurde. Sie waren nun leichte Beute.
Die Gewissheit der Tarnung, kaschierte nicht das Gefühl der Hilflosigkeit, wenn man sie bei einem einfachen Blick aufklären würde und so wurde Sev, mit jeden Meter den sie zurück legten unruhiger.
Die angespannten Gesichtsausdrücke der Delta-Einheit, richteten sich auf das Cockpitfenster, als der Asteroidengürtel langsam aufklarte und eine metallische Tankstation, die wie ein eckige Spinne aussah die ihre stählernen Arme ausstreckte, winzig, weit entfernt zu erkennen war.
„Langsam!“
Befahl Sev ruhig. Eine breite Schneise schnitt sich durch den Asteroidengürtel um Schiffen einen Anflug zu ermöglichen, doch bewegten sich die Hornet und der eckige Truppentransporter über eine Flanke auf das Zielobjekt zu, geschützt in dem Asteroidenfeld.
Anspannung füllte das Cockpit aus, bis die beiden Schiffe einige Hundert Meter vor der Treibstoffstation stehen blieben.
„Näher kommen wir nicht ran, ohne entdeckt zu werden.“
Teilte Nox mit einem Blick auf die Instrumente mit. Sev signalisiert mit einem kurzen Handzeichen das er verstanden hatte, doch blickte er mit festen Blick zur Tankstation und sondierte die Lage. Bereits 2 Schiffe konnte er ausmachen, die per Schleusen mit der Tankstation verbunden vor Anker lagen. Eine Constellation und eine Catapillar. Eine andere Constellation legte bereits wieder ab und flog die breite Schneise entlang. Dafür das diese Tankstation so abgelegen war, war eine Menge los und die verschiedenen Zeichen auf den Hüllen der Schiffe bestätigten die Zugehörigkeit zu Piratengruppierungen.
Mit einem fragenden Gesicht blickte Sev zu Nero, der wie eh und je die Ruhe in Person war und fragte:
„Wie viele Schiff sind an so einem Treffen beteiligt?“
Trocken erklärte dieser:
„Bei Treffen von Unterbossen, 20 – 30 je Clan. Wenn Mitglieder der Führung anwesend sind, mehr.“
Kurz verengten sich Sevs Augen und Kody sprach aus was er dachte:
„Mindestens 40 Schiffe? Das ist ein Hornissennest in das wir rein fliegen.“
„Wenn es einfach wäre, hätte man keine Marines geschickt. Die Piraten müssen ständig ihre Macht repräsentieren, um ihr Stärke zu zeigen.
Leise knurrte Nox:
„Wir brauchen definitiv mehr als eine beschissene Constellation damit wir da wieder rauskommen.“
Auch die Kommunikation war auf ein Minimum herunter gefahren worden, so dass Denver mit einem Abstand von weniger als 10m, dennoch mit einem satten Rauschen über das Komm zu hören war:
„Jaaa, zum Beispiel SOWAS.“
Sevs Blick richtete sich zur Schneise, in der eine Korvette der Idris-Klasse weit entfernt Kurs auf die Treibstoffstation nahm.
„Scheiße, JA!“
pflichtete Nox bei und Nero erläuterte nach einigen Momenten:
„Das ist die Exodus. Typhons Flaggschiff.“
Etwas verwundert kommentierte Kody:
„Exodus? Nicht gerade ein passender Name für ein Piratenschiff.“
Kurz blickte Sev zu Kody und starrte ihn fragend an, bis dieser erläuterte:
„Exodus steht für die Befreiung von Unterdrückten. Es steht für Freiheit.“
Nero mischte sich ein:
„Typhon glaubt, das Freiheit, die Freiheit alles zu tun ist. Das Gesetzt des Stärkeren. Ohne Werte oder Moral die deine Freiheit beschränken, nur deinen eigenen Grenzen auferlegt.“
Verächtlich schnaube Sev:
„Du sprichst von Mord und Elend. Das ist keine Freiheit!“
Doch Nero beteuerte:
„Und doch können sie alles tun, wonach ihnen der Sinn steht. Sei nicht blind für das Weltbild anderer. Das macht dich blind.“
Kopfschüttelnd wandte sich Sev wieder dem Fenster zu während sein Blick der riesigen Korvette folgte. Mit fester Stimme erklärte er:
„Nenn es wie du willst. Sie werden nicht mehr viel Zeit haben um Ihre Freiheit auszukosten.“
Kurz blickte er sich im Cockpit um, ehe er befahl:
„Macht euch bereit, wir gehen raus! Unser Zeitfenster ist nicht besonders groß. Wir übernehmen die Exodus!“

Mehrere Stunden waren seit der Geiselnahme verstrichen, doch Zeit würde die Angst und den Schrecken nicht lindern können. Zitternd kauerte Melody einsam in einem kleinen dunklen Raum, während ihr ständig neue Tränen hinunter liefen. Menschen waren gestorben, direkt vor ihren Augen. Noch nie hatte sie mit ansehen müssen, wie ein Mensch kaltblütig ermordet wurde und diese Erfahrung zog sich wie ein lähmender Schrecken durch ihr Herz.
Das Geschenk leben, in Bruchteilen von Sekunden entrissen. Jedes einzige Leben war doch so kostbar, so einzigartig, so Wunderbar. Mit den Träumen und Hoffnungen, der Liebe und den Gefühlen. Einer Vergangenheit und der Zukunft. Wie konnte man einem Menschen diese Dinge nur nehmen? Wo sie doch so unersetzbar waren. Melody versuchte sich vergebens vorzustellen, wie Menschen so etwas grauenvollen tun konnten.
Noch immer umklammerte sie, als wäre es ihr Vater den sie umarmen würde, mit aller Kraft ihre Tasche, in der sich das Buch ihrer Mutter, das ihr Vater ihr geschenkt hatte. Die Piraten hatten ihre Tasche durchwühlt, doch nur das Mobiglaß an sich genommen. Das Buch hatten sie wie ein Fetzen wertlosen Papiers in eine Ecke geworfen.
Doch umarmte sie dieses nun, als wenn es ihr Vater selbst gewesen wäre und wünschte sich immer und immer wieder, dass das alles nicht geschehen wäre. Doch jedes Mal, wenn sie die Augen fest zusammen drückte, in der Hoffnung aus einem Alptraum zu erwachen sobald sie diese wieder öffnete, übermannte sie das Gefühl der Hilflosigkeit das sich pochend in ihrem ganzen Körper ausbreitete.
Doch langsam durchdrang das dumpfe Grollen, das den kleinen Raum ausfüllte, ein Echo. Das Echo einer Tür die aufgeschlagen wurde und durch einen der Lüftungsschächte hallte. Stimmen ertönten und Melody hielt erschrocken den Atem an als die unverwechselbare, abgehackte Stimme des Piraten der sie entführt hatte den Namen Whistleblower nannte.

Der Schmerz der durch James Arme drang, die festgeschnallt an Ketten die von der Decke hinab baumelten, schien für einen Moment zu versiegen, als die schreckensvolle Gestalt, der Pirat mit mechanischen Arm und Bein, in den kleinen Raum hineintrat. Mit weit aufgerissenen Augen starrte er ihn an, während sich seine Atmung beschleunigte.
„ Whistleblower…. Möchtest du ein Stückchen Freiheit kosten?“
Fragte er flüsternd mit seiner stotternder Stimme, während die Hälfte die nicht von der metallischen Maske verdeckt wurde, breit grinste. Aus der Nähe erkannte James erstmals, die vielen Narben und überlagerten Hautlappen, die unter dem Maskenende hervor ragten und von schweren Verletzungen zeugten. Mit einigen humpelnden, wackeligen Schritten, streifte er um James herum, der keuchend fragte und dabei lauter wurde:
„Was wollt ihr von mir? VERDAMMT! ICH HABE NICHTS WAS FÜR EUCH VON INTERESSE WÄRE!“
Es war die Angst die aus ihm schrie. Schrie das sie seine Tochter laufen lassen sollen.
Stumm setzte der Pirat seinen Weg um James fort und schnalzte einige Male mit der Zunge. James Herz schlug zunehmend schneller mit der Befürchtung, dass er dieses Mal wirklich zu tief gegraben hatte. Seine Informationen bezogen sich auf die UEE, soweit er es sagen konnte. Die Daten die er beschafft hatte, waren noch nicht komplett entschlüsselt und so fragte er sich, auf was er verdammt nochmal gestoßen sei. Doch der Pirat setzte seinen Weg unbekümmert fort, ehe James noch lauter wurde:
„Verdammt! Wer bist du? WAS WILLST DU VON MIR?“
Der Pirat blieb vor James stehen und kam mit seinem Gesicht immer dichter, ehe er leise stotterte:
„Wir sind Pollox. Wir wollen deine Informationen.“
Pollox wich zurück, sein Gesicht verzog sich und wurde zorniger. Doch plötzlich brüllte er Laut auf, die Kraftvolle Stimme schrie einige Male ehe er sich schüttelnd, wie ein Tier das unter Tollwut litt, auf der Stelle zuckte. James Herz blieb vor Schreck stehen. Dieser Mann war mehr Tier als Mensch. Geisteskrank, Wahnsinnig.
Pollox beruhigte sich wieder und widmete sich, als wäre nichts geschehen, wieder James:
„Wo ist Jokks KI?“
James Augen weiteten sich. Er hatte keine Ahnung wovon Pollox sprach und dieser, sah es ihm sofort an. Stotternd erklärte er:
„Du unwissender Narr! Der Nanoship. Wo… ist… er?“
James Herz fing an zu rasen. Pollox, der sofort erkannte, das James darüber im Bilde war, lächelte finster und erklärte weiter:
„Wo… ist…. er? Oder soll ich deine Tochter holen?“
„NEIN!!!“
brüllte James.

Melody liefen wieder Tränen die Wange hinunter als sie mit beiden Händen fest ihren Mund zudrückte um ja keinen Laut von sich zu geben, während sie dem Verhör im Nebenraum weiter lauschte. Nach einigen Momenten der Stille, hallte James Stimme durch die Lüftungsschächte:
„Hyperion, im Fora-System.“
„Am anderen Ende der Galaxis…..? Willst du Zeit schinden… Whistleblower?“
James wirkte nervös und Melody konnte deutlich die Angst und Anspannung in seiner Stimme hören:
„Nein, ein Informationsagent bewahrt die Daten für mich auf….. lasst meine Tochter frei dann führe ich euch zu ihm.“
„Wie… ist… sein… Name….?“
Einige Momente der Stille folgten, ehe James antwortete:
„Nesaja.“
Gespenstische Stille folgte, bis erneut der Klang der Tür die aufgeschlagen wurde durch den Lüftungsschacht hallte und nun eine weitere Stimme erklang:
„Pollox?! In 5min legen wir an der Treibstoffstation an. Die Constellation wartet bereits. Weitere Befehle?“
„Ich will das die Exodus so schnell wie möglich aufgetankt wird und uns zum Treffen folgt. Wir wollen die Ceades doch nicht warten lassen. Der Whistleblower… wird… mich… begleiten…..“
Melodys Herz raste. Das zornige, dennoch angsterfüllte Gebrüll ihres Vater war laut zu hören:
„Nein! Was ist mit meiner Tochter?“
Doch Pollox überschallte ihn, als wieder seine kräftige Stimme entfachte:
„SCHAFFT IHN WEG!!!“
Melodys Atmung wurde schneller. Unter lauten Gebrüll durchdrang einiges Getrampel den Lüftungsschaft, das immer leiser wurden, bis nur noch das gespenstische Grollen zu hören war und ihr klar wurde, dass sie nun ganz allein war. Keine Sekunde verstrich, eher unter einem schluchzend erneut Tränen ihre Wange hinunter liefen.

„Tango in Sicht! Linkes Triebwerk!“
kratzte Nox über Komm. Kaum beendete ein kurzes Rauschen den Funkspruch, umhüllte Sev wieder die absolute Stille des Weltraums. Seine leise, gleichmäßige Atmung, sein ruhig schlagendes Herz und jede kleinste Bewegung füllte die akustische Kulisse völlig aus.
Unverzüglich blickte Sev zur Idris, die weniger als hundert Meter entfernt war. Einige Piraten in Raumanzügen stiegen aus der dunkel-Grauen Hülle, die mit einigen Blutroten Akzenten versehen war hinaus und stapften langsam auf der Oberfläche des Schiffs herum.
„Techniker. Wir schalten sie aus und gehen über die Wartungsschächte rein.“
Befahl Sev, während er auf einem großen Asteroiden hockte. Bereits 20 min hatten sie gebraucht, um den Hammer zu verlassen und sich langsam zur Treibstoffstation zu arbeiten. Von Asteroid zu Asteroid. Kleine Steuerdüsen in den Kampf-Anzügen ermöglichten Sprünge über Distanzen von einigen Dutzend Metern. Doch trotzdem waren solche Manöver, die die Spezialität der Marines darstellten, alles andere als sicher. Sev hatte immer wieder von Marines gehört, die ihr Ziel verfehlten. Oft konnten sie gerettet werden, doch ein Fehler während einer verdeckten Operation, in der ihnen niemand zu Hilfe kommen würde, war ein Todesurteil.
„Kody in Position!“
schallte es über Komm. Sev blickte über seine Schulter und erblickte Kody, der kaum sichtbar durch die Tarnfähigkeit der Anzugs, der die dunkel-braune Farbe des Asteroiden angenommen hatten, mit langsamen Schritten auf ihn zukam. Dank der Gravitationsstiefel, konnten sie an fast jedem Untergrund um Weltraum haften.
„Nero, Nox und ich springen zuerst! Dann Denver und Kody. Ray gibt Deckung bis wir das gesichert haben. Verstanden?“
Befahl Sev. Kurz darauf folgte ein gemeinschaftliches:
„HUZ!!!“
Die Kurzform von Hölle und Zurück, das Motte der Delta-Einheit. Sev blickte zur Seite, zu den anderen Asteroiden, wo die Delta-Einheit und Nero bereits warteten und fragte mit fester Stimme:
„Bereit?“
Sev atmete durch und sortierte seine Gedanken.
„Bereit!“
schallte es über Komm und Sev zog sein Messer und seine Pistole. Mit einem Blick über seine Schulter vergewisserte er sich das Kody die Armbrust im Anschlag hatte, ehe er laut ausatmete und ins Komm schrie:
„LOS!!!“
Mit einem kräftigen Tritt stieß sich Sev von dem Gesteinsbrocken ab und sauste Richtung Idris. Kaum hatte er keinen Kontakt mehr mit der Oberfläche, nahm sein Anzug das schwärzeste Schwarz des Universums an. Mit einem hastigen Blick überprüfte er sein HUD und erkannte das der synchrone Absprung gelungen war. Kampf im Weltall war allein schon fordernd genug, unbemerkt zu bleiben war eine ganz andere Herausforderung.
Die Armbrüste, nicht vergleichbar mit ihren mittelalterlichen Verwandten sorgen dafür, dass kein Leuchtspurgeschoss durch die Luft sausen und ihre Anwesenheit verraten würde. Die speziellen Bolzen würden dafür sorgen, nachdem sie die Feinde durchbohrt haben, diese an dem Schiff fest zu tackern, um ein unkontrolliertes Abdriften der Leiche in der Schwerelosigkeit zu verhindern.
Ein toter Pirat der zufällig vor der Kommandobrücke entlang schwebte, war ebenso suboptimal wie ein Leuchtspurgeschoss, wenn man unbemerkt bleiben wollte.
Sev flog unaufhaltsam weiter auf einen der Techniker zu, während er vorsichtig die Flugbahn mit den Steuerdüsen korrigierte.
„Ray! SITRAP!“
forderte Sev laut, als er die Hälfte der Strecke überwunden hatte.
„Brücke ist sauber! Kein Tangos!“
meldete Ray knapp.
„Verstanden! Zeitfenster nach Erstkontakt, 15min!“
„Ziel im Visier!“
meldete Kody, Sev antwortet:
„Noch nicht!“
während er dem großen Schiff immer näher kam. Der Techniker war bereits deutlich zu sehen, wie er gen Boden gerichtet einige Leitungen auf der Schiffshülle überprüfte. Nur noch wenige Meter trennten Sev von ihm, als er ins Komm brüllte:
„Ausschalten!“
Kaum hatte Sev den Techniker wenige Sekunden später erreicht, durchfuhr diesen ein harter Ruck und der Bolzen der Armbrust riss ihn zu Boden. Es gab keinen Knall, keinen Schrei. Die Stille des Weltalls nahm keine Notiz von dem Bolzen der nun im Bauch des Piraten steckte. Wenige Sekunden zappelte der Mann, der nun durch den Bolzen mit der Schiffshülle verankert war, ehe sämtliche Regung versiegte und Sev nicht weit von ihm entfernt auf der Hülle auftraf.
„Feinde ausgeschaltet!“
bestätigte Nox. Ein Blick auf Sevs HUD verriet ihm, dass Nox und Nero ebenfalls auf der Exodus aufgetroffen waren und so verlor er keine Sekunde:
„Kody, Denver! Nachsetzen!“
„Verstanden, sind unterwegs!
Schallte Kody durch das Komm. Unverzüglich sondierte Sev die Umgebung während er Nero kontaktierte:
„Zeitfenster läuft! Wir brauchen einen sicheren Einstieg!“
„Bin schon dran. Hacke die Schleusenüberwachung der Idris!“
Konzentriert schaute Sev sich um. Die großen Fenster der menschenleeren Brücke waren nicht weit entfernt und auch wenn nun ein Pirat dieses betreten hätte, wäre es nahezu unmöglich gewesen, sie aufzuspüren. Kurz rechnete Sev durch. Eine Korvette der Idris-Klasse. Sie konnten mit 40 Feinden rechnen vielleicht mehr. Weniger als ein Problem.
„Zugang gehackt! Wir haben freien Eintritt!“
gab Nero kurz von sich und Sev war aufs neue Erstaunt, wie schnell Phantome Sicherheitssysteme knacken konnten. Für einen Moment fragte er sich ob es überhaupt etwas gab, was sie nicht konnten.
„30m!“
meldete Denver. Sev sicherte weiter die Umgebung, als sich seine Aufmerksamkeit auf die Schleuse nicht weit entfernt, an der die Exodus aber auch eine Constellation angedockt hatten richtete. Durch die schmalen Fenster konnte er mehrere Leute ausmachen, die zur Constellation übersetzten. Doch als Kody nicht weit entfernt auf der Idris auftraf, richtete sich unverzüglich seine gesamte Konzentration auf sein Team:
„ Als erstes müssen wir die Brücke unter Kontrolle bringen. Sie ist der Knotenpunkt für Daten und Videoüberwachung.“
Nero warf trocken ein:
„Das übernehme ich.“
Etwas erstaunt kommentierte Denver:
„Kein Scheiß? Ganz allein?“
Nero würdigte diese Frage nur mit einem schweigen. Sev war nicht ganz wohl bei dem Gedanken, doch lief ihnen die Zeit davon:
„Na gut. Wir verlassen uns auf dich!“
Er richtete sich wieder an die Delta-Einheit und befahl:
„Also gut. Eindringen! Los los los!!!“

James versuchte sich vergebens zu währen, doch die Piraten hatten ihn fest in Griff und zerrten ihn erbarmungslos die Schleuse entlang. Ohne Unterlass Schrie er sie an, forderte die Freilassung seiner Tochter bis seine Kehle vor Sorge brannte. Doch konnten das hilflose Gebrüll nicht für eine Sekunde einen Funken des Mitleids in den Piraten wecken. Als wenn sie eine Kiste verladen würden, zerrten sie James unbekümmert die Schleuse entlang und ihm wurde klar, dass er sterben würde. Es würde keine Hilfe kommen, kein rettendes Ereignis stattfinden. Er war allein und ein pochendes Gefühl der Angst machte sich in ihm breit, als er sich eingestand, dass es auch für seine Tochter keine Hilfe geben würde.
Das Brüllen flachte in ein leises Schluchzen ab in dem Wissen wie die Sache ausgehen würde. Oft genug hatte er darüber berichtet. Schreckliche Ereignisse analysiert und aufgearbeitet. Tod, Entführungen, Geiselnahmen. Erst jetzt wurde ihm die wahre Bedeutung dieser Worte bewusst, die er schon so oft wie bedeutungslose Hüllen verwendet hatte.
Als sie das Ende der Schleuse erreichten, schob sich unter lauten zischen ein Schott auf. Mit einem flüchtigen Blick durch die schmalen Fenster erkannte James das es sich um eine Constellation handelte, in die Pollox hinein trat.
Unsanft wurde auch James in das Schiff geschleppt und als er die Schwelle überschritt, überfiel ihn die Hoffnungslosigkeit. Er würde Melody nie wieder sehen und vergebens wünschte er sich, die Zeit zurück drehen zu können, um niemals in Besitzt der Daten gekommen zu sein.
Die Piraten führten ihn zum Cockpit. Sie machten sich keine Mühe, ihn auf ein Sitz zu setzen, stattdessen verankerten sie die Ketten, die sich immer noch um seine Handgelenke schnürten, wieder an der Decke. Hoch genug, das James wieder fast in der Luft baumelte und sich die schmerzen erneut durch seine Arme zogen. Sie sahen Menschen gerne leiden und James erkannte einen Ausdruck der Genugtuung, als Pollox, nachdem er einige Male ziellos um den Pilotensitz inmitten des großen Cockpits gewandert war, nun mit langsamen Schritten auf ihn zu kam, während er leise stotterte:
„Jokks KI. Ich hoffe du bist dir über die Tragweite des Nanochips bewusst… Whistleblower. Er.. sichert… unsere… Freiheit…“
James keuchte verachtungsvoll:
„Nehmt den Chip! Mir egal! Lasst nur meine Tochter wieder frei!“
Wieder schnalzte Pollox einige Male mit der Zunge eher er ruhig erklärte:
„Aber nicht doch. Sie ist unsere Versicherung.“
„Was für eine beschissene Versicherung? Ihr habt doch mich!“
„Auf der Reise die du antreten wirst, werden wir dich nicht begleiten können. Darum brauchen wir sie als Zugeständnis für deine Aufrichtigkeit. Wenn du uns belogen hast, wird sie Qualen erleiden, die du dir nicht ansatzweise vorstellen kannst.“
James Herz schlug schneller. Panik machte sich in ihm breit und krampfhaft beteuerte er nach einem Moment des Zögerns:
„Nein, nein… Ich habe euch alles gesagt!“
James Gesicht wurde Aschfahl ehe er keuchend fragte:
„Was habt ihr mit mir vor?“
Pollox wanderte Schritt für Schritt um ihn herum:
„Du, bist unser Einsatz, unser Ass im Ärmel. Wir schließen nun einen Pakt, Whistleblower. Typhon überlässt dich der Ceades und dein Teil unseres Pakts, ist Stillschweigen über deine Informationen zu bewahren. Sie werden dich foltern, sie werden dich quälen. Doch führe dir jede Sekunde vor Auge, was ich mit deiner Tochter anstelle, wenn die Ceades sich vor uns den Nano-Chip habhaft macht.“
Pollox blieb hinter James stehen und flüsterte ihm leise in Ohr:
„Ihr junges Fleisch, unberührt von Stahl und Klingen. So unschuldig. So verletzlich…….. Haben wir einen Pakt? Whistleblower?“
Trotzig erwiderte James:
„Ihr verkauft mich wegen meiner Informationen an die Ceades und droht mir dann wenn ich diese Informationen Preis gebe? Was ist das für ein scheiß Spiel?“
Pollox wechselte die Seite und flüsterte James ins andere Ohr:
„Exakt. Dir ist noch immer nicht die Tragweite der Daten bewusst.“
Er wich zurück und setzte den Weg um seinen Gefangenen weiter fort:
„Aber mache dir keine Sorgen darüber. Du schweigst, über den Chip und unseren Pakt und als Gegenleistung wird deiner Tochter eine Menge Leid erspart werden. Für dich ist es alle Male gleich. Du bist nur noch totes Fleisch das atmet.“

Noch nie war es Kody schwer gefallen, sich in Geduld zu üben. Er war in einem buddhistischen Mönchs-Kloster aufgewachsen, die die alten Traditionen ihrer Vorfahren weiter auslebten. So seltsam ein ehemaliger buddhistischer Mönch bei den Marines auch wahr, waren es die Tugenden die ihm in seiner Jugend gelehrt worden waren, die ihm bei seiner Aufgabe unterstützten und leiteten.
Nicht für eine Sekunde verspürte er einen ungeduldigen Drang, als er zusammen mit Denver in einem engen Wartungsschacht darauf warteten, das Nero die Brücke unter Kontrolle bringt. Konzentration füllte seinen Geist, kontrollierte sein Ki.
„Kody, SITRAP!“
schallte Sev über Komm. Leise flüsterte Kody:
„Sind auf Position!“
Durch die von der Außenwelt abgeschotteten Anzüge würden die Piraten die unterhalb des Wartungsschachts zu hören waren, kein Laut vernehmen, doch konnte er die Angewohnheit des flüstern in so einer Situation nicht verdrängen und so vervollständigte er leise:
„Haben hier 8 Kontakte!“
„Verstanden! Sobald ihr die Messe geräumt habt, arbeitet ihr euch von oben nach unten vor! Wir sichern den Maschinenraum und stoßen nach oben!“
„Bestätige!“
Das Eindringen war schnell verlaufen. Sev und Nox konnten sich durch die engen Wartungsschächte bis in den untersten Teil des Schiffs arbeiten, während Kody und Denver im oberen Teil, in einem engen Wartungsschacht über der Messe, darauf warteten los zu schlagen, sobald die Brücke, Knotenpunkt von Videoüberwachungen und Informationen gesichert war. Doch mit jeder Sekunde wurde die Gefahr größer, dass das Fehlen der Techniker auffallen würde und tatenlos in einem Schacht zu hocken, während ihnen die Zeit davon lief, verlangte seinem Ki einiges ab um die Geduld und Ruhe zu bewahren. Denver, der ungeduldig auf seinem Sturmgewehr herum tippte, das mit einem Schalldämpfer ausgestattet war, erklärte angespannt:
„Nero hat es versaut. Ich kann es spüren. Es dauert schon viel zu lange!“
Kodys Blick richtete sich auf, weg von dem kleinen Gitter des Wartungsschachts, durch das man einige Piraten erkennen konnte und sagte:
„Du spürst es? Hat der Herr dich dieser geistreichen Erkenntnis zu Teil werden lassen?“
„Ja man, ich bin erleuchtet! Blödes Arschloch. Ich geb dir gleich eine Erkenntnis!“
Kody lachte und erklärte ruhig:
„Beruhig dich. Du weißt das dein Gott kein Fan von Flüchen ist.“
„Als Wiedergutmachung schicke ich ein paar böse Seelen in die Hölle. Da sollten wohl ein paar Flüche drin sein.“
„Ahh, also hältst du dich für Raphael.“
„Wer?“
Kody starrte ihn für einige Sekunden an und war wenig erstaunt über die Tatsache, dass Denver noch nie etwas von dem Erzengel Raphael gehört hatte. Denver, der ohne Kody Gesicht sehen zu können bemerkte das er angestarrt wurde, fragte verwundert:
„Was? Ist das der Kerl der den Murray Cup gewonnen hat?“
Kody schüttelte hoffnungslos mit dem Kopf und antwortete nüchtern:
„ Ja, genau das ist der Kerl.“
„Du machst dich schon wieder über mich lustig?!“
Doch ehe Kody der Versuchung erliegen konnte, auf diese Aussage zu reagieren, schallte Neros monotone Stimme, als würde er über das Wetter berichten, durch ihre Helme:
„Bücke ist sauber. 6 Tangos am Boden. Ihr könnt los legen!“
Unverzüglich legte Kody an. Auch er hatte die Armbrust mit einem Schall-gedämpften Gewehr ausgetauscht und visierte die Gegner unter ihm an, die Dank der Wärmebildfunktion der Helme, durch das dünne Blech zu sehen waren.
„Einsatz bereit!“
bestätigte Kody erneut über Komm und wartete geduldig auf den Befehl, während er tief durchatmete.
„Zugriff!!!“
war Sev laut über Komm zu hören und sofort erklang das dumpfe Pfeifen von 2 Schall-gedämpften Gewehren deren Projektile durch das Blech schlugen. Kody drückte ab, mehrere Male in einer Sekunde. Kraftlos sackten die Piraten zusammen, noch ehe sie begriffen was geschehen war. Weniger als 3 Sekunden hatte es gedauert und die 8 Piraten lagen verteilt im Raum leblos am Boden.
Kody zögerte nicht und trat auf das Gitter ein das unter lauten klirren aus der Verankerung sprang. Sofort sprang Denver hinunter und Kody folgte unverzüglich. Es waren 3m die sie zum Boden trennten. Doch das Exoskelett der Kampfanzüge absorbierte einen Aufschlag aus mehreren Metern Höhe. Mit einem Poltern schlug Kody inmitten der Messe zwischen einigen Tischen und Stühlen auf, richtete sofort wieder sein Gewehr in die Höhe und klopfte Denver, als Zeichen das er bereit war, auf die Schulter.
Reflexartig stürmte dieser vor, lies jede Ecke des Raums mit der Mündung seines Gewehrs durchlaufen. Die eiskalte Routine lenkte ihre Muskeln. Ein-trainiert bis in die kleinste Faser ihres Körpers. Mit schnellen Schritten näherten die sich dem Ausgang. Ein Gestalt tauchte Plötzlich in diesem auf und erneut ertönte das dumpfe Pfeifen ehe die Gestalt zu Boden ging, ohne auch nur die Chance gehabt zu haben, reagieren zu können.
Denver stürmte raus in den Gang. Es war eng. Die Korvette war für den Raumkampf entwickelt worden, was man jeder Fassette des Schiffs ansah. Militärischer, Zweckmäßiger Stil von Metall dominiert.
„9 Tangos am Boden!“
teilte Kody über Komm mit. Kurz darauf ertönte Sev:
„Verstanden. Großteil des Maschinenraums gesichert! Nero, kannst du uns Ziele liefern?“
unverzüglich antwortete dieser:
„Positiv. Ich habe die gesamte Videoüberwachung vor mir. Feinde konzentrieren sich in der 3er und 4er Ebene. Kody, eure Ebene ist sauber, weiter zu Ebene 2 vorrücken. Dort ist die Mannschaftsunterkunft. Keine Einsicht!“
Beiläufig bestätigte Kody:
„Verstanden. Sind unterwegs!“
während er weiter den Gang entlang stürmte, Denver direkt vor ihm. Es dauerte nicht lange ehe sie die Treppe erreichten.

Langsam richtete Melody sich auf und wischte sich die Tränen von der Wange. Sie war nun endgültig allein und mit aller Macht schob sie diese Erkenntnis beiseite und sah sich um. Sie hatte keine Wahl und musste etwas unternehmen. Doch was sollte schon eine junge Frau allein gegen dutzende Piraten machen? Draußen im Weltraum.
Vielleicht könnte sie sich verstecken, wenn sie nur aus diesem kleinen Raum ausbrechen könnte. Hastig sah sie sich um und kratze alle Ressourcen ihres Gehirns zusammen, die nicht von Angst und Trauer blockiert waren. Doch das Denken viel ihr schwer und so lief sie einige Male auf und ab, bis sich ihre Aufmerksamkeit auf den Lüftungsschacht richtete, über den sie die Stimmen vernommen hatte.
Er war eng. Ein Gitter verdeckte den Eingang weit über ihrem Kopf, doch war dieser die einzige Möglichkeit. Es war Verzweiflung die sie treib. Einige Male sprang sie hoch und versuchte das Gitter zu greifen, doch verfehlte sie es um wenige Zentimeter, immer wieder.
Sie war nicht sehr groß, 1,70m, und so verfluchte sie sich das ihre Größe die Barriere zu ihrer Flucht darstellte. Sie hielt inne, blickte das Gitter traurig an, als wolle sie es mit Mitleid dazu bewegen auf zu gehen. Doch als dieses sich nicht beeindrucken ließ, zog sie Ihren hellbraunen Mantel aus und schleuderte ihn dagegen.
Er viel herunter, doch Melody dachte nicht ans Aufgeben, so schwer ihr es viel und versuchte es erneut. Immer wieder, bis ihr Mantel sich plötzlich an der Kante des Gitters verhakte. Ihr Herz schlug einmal auf. Ein Funke Hoffnung drang durch das Gewirr aus Kummer und Angst und so zog sich keuchen den dem Mental herauf um das Gitter zu greifen. Doch noch ehe sie dazu kam, riss der Mantel und Melody schlug unter einem lauten Knallen auf dem Boden auf. Der Schlag durchfuhr ihre Schulter und Seite. Sie keuchte einmal auf während sich der Schmerz pochend in ihrem Arm ausbreitete. Langsam richtete sie sich wieder auf, mit festen Blick zum Gitter und beteuerte leise:
„Bitte. Du hast es doch schon fast geschafft. Bitte.“

„ Maschinenraum gesichert. 7 Tangos am Boden. Setzen Weg zum Hauptkorridor fort.“
Teilte Sev über Komm mit während er die Treppe, gefolgt von Nox hinauf stürmte. Nero meldete sich:
„Ich sehe euch. Hauptkorridor Ebene 3. Zwo Tangos nähern sich euch. Kontakt in wenigen Sekunden“
„Betätige!“
kommentierte Sev, während er das Ende der Treppe erreichte und sich mit einem hastigen Blick einen Überblick verschaffte. Der Hauptkorridor war etwas breiter als die anderen Gänge, doch war dieser gespickt mit Türen und dunklen Ecken. Bereits 8min waren seit dem Ausschalten der Techniker vergangen und unaufhörlich tickte die Zeit in seinem Hinterkopf. Der Erfolg einer ganzen Operation, abhängig von den kleinsten und unscheinbarsten Dingen. Erneut erinnerte sich Sev daran, worum es ging um noch einen Zahn zu zulegen, doch sofort als er einige Meter weit in den Hauptkorridor eingedrungen war, nicht weit von dem Schott entfernt, dass das Schiff mit der Schleuse verband, schallte plötzlich Ray angespannt durch das Komm:
„Kontakt in der Schleuse! Feind setzt zur Exodus über!“
„Scheiße!“
fluchte Sev und Nero ertönte laut im Komm:
„Abbrechen, Abbrechen!“
Nox tippte ihm auf die Schulter und brüllte:
„Zurück zur beschissenen Treppe!“
„Keine Zeit, ran an die Wand!!!“
brüllte Sev zurück und warf sich zügig gegen die Wand. Augenblicklich nahm der Kampfanzug dessen Farbe an, ehe keine Sekunde später, die beiden Piraten den Hauptkorridor entlang schlenderten. Sevs Griff um seine Schall-gedämpfte Pistole und sein Kampfmesser wurde fester. Seine Atmung schneller während er leise betonte:
„Nicht…. Bewegen.“
Es galt mehr sich selbst als Nox, der sich genau hinter ihm an die Wand geworfen hatte. Die Tarnung der Anzüge wirkte auf so kurze Entfernungen nur noch marginal. Es war ein Glücksspiel, ob sie aufgeklärt werden würden. Doch das Risiko war zu groß, das der Pirat in der Schleuse zur Besatzung der Constellation gehörte. Sie konnten ihn nicht ausschalten. Sein Fehlen, hätte sie enttarnt und die Operation scheitern lassen.
Doch die beiden Piraten im Hauptkorridor liefen unbekümmert, nicht weiter als 2m entfernt an den beiden vorbei. Sie hatten sie nicht bemerkt, noch nicht und schritten zum Schott das sich unter einem zischen öffnete. Davor ein weiterer in einer blutroten Rüstung, eine Seite des Gesichts verdeckt mit einer Stählernen Maske. Er trat hinein und Sev konnte die Einschüchterung spüren, die über die beiden Piraten in seiner Anwesenheit fiel. Laut klirrte jeder Schritt den der mit seinem metallischen Bein machte durch den Gang, während er mit einer abgehackten Stimme erklärte:
„Wir starten jetzt. Stellt sicher das die Ceades keinen Hinterhalt plant. Unser Angebot… es… ist… zu… Verlockend für einen Verrat.“
Die beiden Piraten nickten und einer trat hervor:
„Was sollen wir mit der Frau machen?“
Laut brüllte Pollox einige Male auf, schritt hin und her ehe er schließlich erklärte:
„Sie hat Ihren Zweck erfüllt. Macht mit ihr…. Was…. ihr…. wollt.“
„Ich kümmere mich drum.“
gab einer der Piraten zu verstehen und wandte sich ab. Sev horchte auf und flüsterte ins Komm:
„Nero, hast du mitgehört? Scheint als haben wir einen Zivilisten an Bord.“
Doch noch ehe er den Satz ausgesprochen hatte, überfiel ihn ein unangenehmer Schauer, als er sich die Einsatzbefehle ins Gedächtnis rief gepaart mit den Anwesenheit eines Phantoms und Nero dieses Gefühl augenblicklich bestätigte:
„Es darf keinerlei Zeugen für unseren Einsatz geben. Fahrt mit dem Einsatz fort sobald der Pirat das Schiff wieder verlassen hat. Wir lassen keine Zeugen zurück.“
Sev keuchte auf. Das Gefühl Widerspruch einzulegen konnte er nur mühsam unterdrücken. Wieder versuchte er vergebens eine Gleichung aufzustellen. Eine Tote mehr im Austausch für eine erfolgreiche Operation die hunderten das Leben retten würde. War es so einfach?
Die beiden Piraten führten einige Momente ihre Unterhaltung fort. Sev gab keinen Ton von sich, während ihm wieder die Zweifel heimsuchten, die seine Angst davor entdeckt zu werden, völlig überlagert hatten. Der Helm verdeckte sein Gesicht, das zu einer wütenden Fratze geworden war während sein Blick zu den Piraten wanderte denen er Tod und Pest an den Hals wünschte, weil sie ihm solche Entscheidungen aufzwangen.
„Hast du mich verstanden Sev?“
ertönte Nero erneut über Komm. Nüchtern willigte Sev ein und überspielte seinen Unmut:
„Verstanden. Ich kümmere mich drum.“
Pollox wandte sich ab und schritt wieder zum Schott und verschwand schließlich in der Schleuse. Das Schott sauste unter einem zischen wieder zu. Der verbleibende Pirat schritt wieder den Hauptkorridor entlang, dicht vorbei an Sev und Nox.
Sevs Herz pochte, angetrieben von de Wut auf diese Menschen und so schnellte er hervor und packte den Pirat. Nero hatte ihm beigebracht schnell und sauber zu töten. Doch Sev hielt den Piraten den Mund zu und stach mehrmals mit seinem Messer auf ihn ein, als könnte ihn sein schmerzhafter Tod Erlösung bringen, ihm diese Last abnehmen. Es war alles andere als ein schneller und sauberer Tod. Krampfhaft versuchte sich der Pirat zu wehren, zappelte, schlug um sich, packte Sev Arm um sich zu befreien und gab eine gedämpftes Stöhnen ab, jedes Mal wenn das Messer seinen Brustkorb teilte. Sev spürte seinen vergeblichen Kampf ums Überleben. Wie sich sämtliche Muskeln des Mannes anspannten, sein verkümmerter Versuche zu atmen während das Blut in die Luftröhre floss und den Kampf gegen die Qualen. Doch nach einigen Momenten setzte unter einem gurgeln die Atmung aus und er ließ den Mann zu Boden. Intensiver konnte man nicht spüren, das man gerade das Leben eines Menschen beendet hatte. Erneut schockiert über diese Erfahrung stellte er verbittert fest, dass der Hass geblieben war und sich mit einem drückendem Gefühl, das er nicht beschreiben konnte, nun seinen Platz teilte.
„Verdammte Scheiße! Bist du fertig?“
Schallte Nox über Komm. Sev blickte auf, setzte auf das instabile Gerüst seiner Gefühle eine Maske und sagte trocken:
„Ja. Weiter! Wir haben noch was zu erledigen.“

Mit aller Macht krallte sich Melody an die kurzen Kanten des Gitters. Das Metall schnitt in ihre Finger doch zerrte sie mit aller Kraft die ihr zur Verfügung stand, an dem Stahl. Nach einigen Versuchen hatte sie es geschafft, sich an dem Mantel hochzuziehen und das Gitter zu erreichen. Doch dieses bewegte sich nun kein Stück, als wolle es sich über ihren Versuch lustig machen. Sie keuchte, ihre Arme schmerzten und immer wieder wiederholte sie sich:
„Komm schon! Bitte, bitte, bitte! Mach schon!“
Als plötzlich, unter einem quietschen das Gitter wenige Millimeter nachgab. Erstmals formte sich ihr Mund wieder zu einem Lächeln. Hoffnung keimte in ihr auf und der Wunsch aus diesem dunklen Raum zu entkommen spiegelte sich in einem drückenden Gefühl wieder, das ihr noch mehr Kraft verlieh. Sie würde es schaffen, auch wenn sie nicht wusste wie es danach weiter gehen würde, hätte sie doch immerhin etwas erreicht.
Doch plötzlich ertönte ein lautes Zischen und der Raum wurde mit einmal zunehmend heller. Melodys Herz blieb stehen, sie traute sich nicht zu atmen, als plötzlich eine Stimme schrie:
„Hey! Was machst du da oben?“
Die Hoffnung war in einem Augenblick in Panik und Angst umgeschlagen, wie ein emotionaler Hammer der ihre Hoffnung niedergeschmettert hatte. Hektisch zog sie weiter am Gitter als schnelle Schritte auf sie zukamen.
Der Pirat packte sie an den Beinen und zerrte sie mit einem starken Ruck wieder auf den Boden, auf den sie krachend aufschlug. Der Pirat beugte sich über sie und schrie:
„Blöde Schlampe! Wo wollen wir denn hin? Häh?!“
„Nein, bitte!“
keuchte Melody, als der Pirat sie packte und gegen die Wand warf. Laut klatschte sie dagegen, konnte sich nur mit Müh und Not aufrecht halten während die zitternd fragte:
„Bitte. Wo ist mein Vater?“
Mit langsamen Schritten ging der Pirat weiter auf sie zu. Ein grauenvolles Lächeln zeichnete sich auf seinem Gesicht ab. Er öffnete den Gürtel seiner Hose und erklärt sich weiter, als wenn er Ihre Frage einfach überhört hätte:
„Du willst uns doch noch nicht verlassen…Oder? Du hast die Hauptattraktion dieses Schiffes noch nicht erlebt…. mich!“
Er krempelte die Ärmel hoch und zog das schwarze Hemd aus seiner Hose während das Lächeln auf seinen Lippen immer breiter wurde.
Melody Herz raste, leise stotterte sie:
„Nein, nein, bitte!“
Paralysiert stand sie an der Wand, bis sie sich von dem Gedanken los riss und los stürmte. Doch der Pirat fasste sie und schleuderte sie kraftvoll zu Boden. Melody schrie, zappelte und versuchte sich irgend möglich zu wehren. Doch der Pirat war zu kräftig. Mit der flachen Hand schlug er ihr einmal ins Gesicht um sie zur Ruhe zu bringen bevor er sich auf sie stürzte und an ihrer Hose zerrte. Trotz des vor Schmerz pochenden Gesicht wehrte sie sich weiter. Immer wieder stieß sie den Mann von sich der immer wütender und aggressiver wurde, während sie sich aus aller Kraft wünschte, dass es nur ein Alptraum sei.
Doch plötzlich wich der Pirat zurück und Melody schob sich schockiert von ihm weg, bis sie an die Wand anstieß. Keuchend blickte sie auf und sah den Mann in einer verkrümmten Position vor sich stehen. Seine Augen weit aufgerissen, voller Schmerz. Ein Klinge blitze auf, mehrere Male und hinterließ blutige Flecken auf dem Körper des Mannes zurück, der röchelnd nach Luft rang. Sie war schockiert, völlig durcheinander und so erkannte sie erst auf dem zweiten Blick, dass eine seltsame Gestalt hinter dem Mann stand. Wie ein Chamäleon, hatte es die Farben der Umgebung angenommen und stach mit einem Messer unverhohlen auf den Piraten ein, bis dessen Augen sie leblos anstarrten. Melody nahm beide Hände vor dem Mund, als der Pirat wie ein nasser Sack fallen gelassen wurde und die seltsame Gestalt eine Pistole in die Höhe richtete und auf Melody zielte. Starr blickte sie die Gestalt an, unwissend wie sie reagieren sollte, in Erwartung, dass das Schlimmste eintreffen würde. Gespenstisch rührte sich die Gestalt nicht. Einige Momente in denen nur das erschöpfte Keuchen von einer jungen Frau zu hören war, ehe die Gestalt die Waffe senkte und den Raum zügig verließ.

Sev schlug die Tür hinter sich zu und setzte mit einem Schuss aus seiner Pistole die Schalttafel neben der Tür außer Gefecht. Nox der den Gang sicherte erklärte verärgert:
„Scheiße, was machst du da? Wir haben Befehle!“
Sev richtete sich an Nox. Er war aufgewühlt, dennoch schaffte er es einen neutralen, ruhigen Ton zu bewahren um seine Gefühle zu überspielen:
„Ich bin nicht bereit sie zu opfern!“
Im Wissen das Nero sie beobachtete und bereits den Finger am Sendeknopf hatte, drehte er sich noch ehe er den Satz ausgesprochen hatte zu einer Kamera, die deutlich sichtbar in dem Gang hing und streckte den Arm mit gehobenen Mittelfinger, zu dieser aus.
„Los weiter!“
befahl er anschließend und Nox tat wie ihm befohlen und stürmte weiter den Gang entlang. Kurz darauf erklang Denver über Funk:
„Ich weiß ja nicht was ihr da unten so treibt….. Wir haben gerade Ebene 2 gesichert. Stoßen jetzt zu euch nach Ebene 3!“
Nero meldete sich zu Wort. Er klang alles andere als verärgert und stellte die gefühllose Anteilnahme der Phantome zur Schau:
„Letzte Feindkontakte im Kommunikationsabteil. 5 Tangos!“
Sev wusste das es damit nicht erledigt war. Nero würde mit allen Mitteln versuchen seine Befehle auszuführen, doch im Moment konnte er nur das tun, was ein Phantom tun musste. Sich auf das wichtigste Konzentrieren, ohne Ausnahme. Ohne Gefühle.
„Verstanden!“
bestätigte Sev und setzte seinen Weg durch den Gang fort, während Ray nun los schallte:
„Die Constellation und die Caterpillar legen ab.“
„Verstanden Ray! Wir haben es so gut wie geschafft!“
antwortete Sev.
Als sie das Kommunikationsabteil erreichten, stürmten Kody und Denver auch schon die Treppe nicht weit entfernt hinunter und nahmen zusammen vor der Tür Stellung. Sev nickte ihnen lediglich einmal zu, die höchst möglichste Form der Begrüßung während eines Einsatzes. Für mehr fehlte die Zeit.
Mit einem Druck auf das Bedienfeld neben der Tür schob sich diese unter einem zischen auf. Die Delta-Einheit stürmte hinein und für wenige Sekunden erklang ein Trommelwirbel aus den dumpfen lauten der Schalldämpfer, ehe alles still wurde und die letzten Piraten auf der Exodus, ihr Leben aushauchten. Sev schallte durch das Komm:
„Ray, seh zu das du hier runter kommst. Wir sammeln den Hammer und die Hornet ein und verschwinden. Die Exodus ist in unserer Kontrolle. Wiederhole: Exodus unter unserer Kontrolle.“

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// End Transmission

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