OneEyed Monkey Episode 8 – Der Krieg beginnt –

Kapitel 1

“Colin? Hörst du mich?”
Wo steckte der Kerl nur wieder? Seid drei Stunden dockte ihr Schiff nun schon an der Minenstation an. Nur mal kurz die Füße vertreten hatte ihm sein Partner gesagt. Es war doch immer das gleiche.
Bestimmt hing er wieder in dieser dreckigen Bar ab, in welcher die hiesigen Arbeiter ihre wenige Freizeit verbrachten.
Ein solches Leben wollte er niemals führen. Nur einmal alle drei Wochen, wurden diese Männer und Frauen, von einem Transporter für ein paar Tage nach Hause befördert.
Ansonsten hieß es nur arbeiten, arbeiten und nochmals arbeiten.
Für einen Hungerlohn. Die Bergbaugesellschaft war ein richtiger Sklaventreiber.
Aber dafür waren hier die Preise gut und selbst ein kleines Schiff wie ihr Lancer, konnte noch ordentliche Gewinne abgreifen.
Nur wenn sie nicht bald von hier verschwinden würden, bekämen sie ihre Ladung nicht mehr an den Mann.

“Colin? Seh endlich zu das du deinen Arsch hier hoch bewegst, sonst verschwinde ich diesesmal ohne dich!”
Kein Mucks seines eigenwilligen Partners kam aus den Lautsprechern.
“OK, ich geb dir zehn Minuten um zu antworten. Dann bin ich weg und du versauerst hier bis morgen.”
Die Minuten flossen vor sich hin und noch immer kein Lebenszeichen.
“Weisst du was, das wars jetzt. Meine Frau wartet mit dem Essen und wir wollen heute Abend ins Theater. Also ich bin weg.”
Die Maschinen des Frachters fuhren hoch und Jorgen setzte sich auf den Pilotensitz. Er aktivierte die Abdockautomatik und mit einem kurzen Ruck, trennte sich die Verbindung zur Station.
Langsam entfernte sich der Lancer und auch weiterhin keine Meldung von Colin. Wütend, aber mit leichten Gewissensbissen, beschleunigte Jorgen das Schiff in Richtung Heimat.
Er war schon einige Kilometer gekommen, als Colin sich meldete.
“Du verdammter Drecksack! Warte nur, wenn ich dich in die Finger bekomme, dann reiß ich dir die Eier ab! Komm sofort wieder hierher, das ist schließlich mein Schiff.”
Jorgen rutschte das Herz in die Hose. Was hatte er sich nur dabei gedacht.
Colin war ein unberechenbarer Zeitgenosse und der Lancer war nunmal sein Schiff. Er verfluchte sich selbst und drehte bei.
Doch Jorgen traute seinen Augen nicht. Die Station war verschwunden.

“Colin bist du noch da?”
Wieder brach das Gebrüll durch die Lautsprecher herein.
“Klar du dämlicher Idiot, wo soll ich sonst sein.”
Jorgen rieb sich die Augen und dann erkannte er es. Dort waren Schiffe, direkt vor ihm. So schwarz wie die Nacht. Kaum zu erkennen vor dem Hintergrund der Sterne.
Er beobachtete wie sie langsam vorbeizogen und die Sicht zur Station wieder freigaben. Als sie ihn passiert hatten, begannen die Strukturen der Hüllen zu flimmern und sich zu verändern. Die Schiffe wurden heller und das Wappen der UEE Navy wurde sichtbar.
“Was zur Hölle……”
Das musste eine Tarnung sein, schoss es ihm durch den Kopf.
“Collin? Hier draußen passiert etwas……wir müssen das melden…….”
Die Beschimpfungen seines Chefs musste er sich nicht mehr anhören.
Das Piepsen der Annäherungswarnung, war das letzte was in sein Ohr drang, bevor der Lancer in einer Feuerwolke verschwand.

Kapitel 2

Tarek riss das Steuer zur Seite und versuchte mit aller Kraft den Retaliator auf Kurs zu halten. Der Antrieb des Bombers lief auf vollen Touren und der Lärm, welchen die sich verzerrende Hülle des Schiffes von sich gab, hämmerte in ihren Ohren. Legard brüllte über alles hinweg.
“Zwei Raketen sind uns durch die Öffnung gefolgt! Sie sind direkt hinter uns und kommen schnell näher.”
Der Eintritt in die Singularität war gehörig missglückt und die Schilde verloren stetig an Energie. Sie wurde durch die Energieströme an den Rändern des engen Tunnels regelrecht herausgerissen.
Immer wieder kollidierten sie mit den Verwirbelungen der Raumzeit, welche an den Strukturen des Schiffes zerrten und die Zeit kurzzeitig verlangsamte oder beschleunigte. Alles bebte und jeden Moment konnte die Hülle brechen.
Monkey hatte Mühe Sophie festzuhalten und versuchte sie auf einem der Beisitze festzuschnallen.
“Bleibt ruhig Leute! Wir schaffen es hier raus!”
Legard brüllte wieder etwas, als sie erneut eine Schleife streiften.
“Eine der Raketen haaaaaaat……..eeeeeesssss………..grrraaaaaadeeeee erwischt! Die andere hat uns fast erreicht!”
Es war ein seltsammes Gefühl, wenn sich die Zeit für einen Moment dehnte, als wäre sie aus Gummi.
Tarek gab keinen Mucks von sich. Voll auf seine Aufgabe konzentriert, gab er sein Bestes, um sie alle am Leben zu halten.
Monkey zog den Gurt fest um den kleinen Körper und rastete den Verschluss ein.
“Bleib ganz ruhig Kleine! Wir schaffen das!”

Er drehte sich um und mit großer Anstrengung hangelte er sich auf den Platz des Copiloten.
“Wie weit noch bis zum Austritt?”
Legard rief ihm zu.
“Wir wissen es nicht, die Instrumente sind tot!”
Monkey konnte nicht viel machen. Er schnallte sich fest und beobachtete die schimmernden Energiefluktuationen auf den Schilden, während der Retaliator hindurch raste.
Es hatte etwas hypnotisierendes den schlängelnden Blitzen zuzusehen, bis ihn eine Explosion zurück auf den Boden der Realität beförderte.
Legard wurde panisch.
“Die Schilde sind unten! Die Rakete hat uns erwischt! Hüllenbruch im Maschinenraum!”
Monkeys Gedanken wirbelten durcheinander. Was sollten sie nun noch machen? Eine weiter Schleife oder ein Zusammenstoß mit den Tunnelwänden und sie waren Geschichte.
“Bleibt ruhig! Volle Konzentration jetzt! Es dürfen uns keine Fehler mehr passieren!”

Plötzlich lief alles ganz schnell. Das dumpfe Dröhnen der Maschinen, verwandelte sich in ein Pfeifen. Die sonst gemächlich vor sich hin blinkenden Anzeigen, hämmerten ihre Signale wie ein Stroboskop heraus und das Innere des Schiffes bog sich immer weiter, so als wäre es aus Butter.
Sie hatten die nächste Schleife übersehen und waren mitten hindurch geflogen.
Monkey wartete nur auf den einen letzten Moment, in dem das Schiff in der Singularität aufgelöst würde. Doch nichts passierte.
Alles ging seinen Gang. Das Schiff hatte die Raumverzerrung überstanden.
Monkey drehte sich um.
“Ist bei euch da hinten alles in…….Scheiße! SOPHIE!”
Die Kleine hing mit weit aufgerissenen Augen leblos ihn den Gurten. Schweiß perlte von ihrer Stirn und Schaum quoll ihr aus dem Mund.
Monkey riss sich die Gurte vom Leib und rannte nach hinten.
Er hob ihren Kopf an und kontrollierte ihren Puls. Die Augen waren verdreht und nur noch das Weiße zu sehen.
“Sie lebt, aber sie ist nicht bei Bewusstsein!”
Monkey hielt ihren Kopf, damit sie nicht durch die starken Beben, verletzt werden konnte. Hatte das kleine Mädchen sie etwa grade gerettet?
“Sophie halt bitte durch. Wir haben es fast geschaaaaaaafffffffft!”
Eine weiter Schleife erwischte den Retaliator.

Kapitel 3

Der gläserne Fahrstuhl, welcher Rinako in die Höhe beförderte, bot einen faszinierenden Ausblick auf die unzähligen Ebenen des Hauptquatiers.
Insgesamt gab es fünfunzwanzig dieser Transportsysteme. Gleichmäßig im inneren Kreis des Turmes verteilt.
Nur zwei von ihnen führten bis in die oberesten Ebenen, in denen die Direktion der EDA ihren Sitz hatte.
Rinako blickte von oben auf die große Statue von David Petraeus, dem Gründer der Empire Defence Agency.
Sie erstreckte sich über 40 Stockwerke und war gut 200 Meter hoch. Ein Geschenk Ivar Messers, zur Grundsteinlegung dieses Komlexes.
Gerüchte besagen, das unter ihrem Sockel eines der letzten großen Geheimnisse der UEE verwahrt wird. Etwas, das die Grundfesten der menschlichen Zivilisation erschüttern würde. Rinako hielt dieses Gerücht allerdings für eine Legende.
Sie befand sich jetzt etwa einen Kilometer über dem Erdboden und von hier oben, wirkte dieses beeintruckende Kunstwerk unscheinbar klein.
Als sie nach ihrer Ausbildung, das erste mal diesen Ausblick zu Gesicht bekommen hatte, war es überwätigend. Doch nach all den Jahren hatte sich diese Faszination zur Normalität gewandelt.

Rinako erinnerte sich noch genau an diesen Tag.
Zusammen mit dreißig anderen Absolventen, wurden sie im Empfangssaal begrüßt. Nach einigen langweiligen Reden der Direktoren, wurde jeder von ihnen einer Abteilung zugewiesen. Bei den meisten, war diese Entscheidung bereits vorher gefällt worden und die Übrigen, wurden nach Bedarf eingeteilt.
Auch wenn ihre eigentliche Ausbildung beendet war, bekamen alle einen Instruktor zur Seite gestellt. Diesem folgten sie die nächsten drei Jahre auf Schritt und Tritt und erlernten die Feinheiten ihres Arbeitsgebietes.
Rinako wurde damals die besondere Ehre zu Teil, aufgrund ihrer außergewöhnlichen Fähigkeiten, der Abteilung Delta13 zugeteilt zu werden.
Ein kleines Team, welches sich ausschließlich mit SFDC auseinandersetzte.
Dem erst vor kurzem entdeckten, String-Field-Distance-Coding.
Diese spezielle Art der Kommunikation funktionierte in Nullzeit.
Von jedem beliebigen Punkt des Universums zu einem anderen, ohne auf die übliche Nutzung der Wurmlöcher zurückzugreifen. Bisher ist es nicht möglich, diese Art der Kommunikation abzufangen, geschweige denn eine solche Information zu encodieren. Ein sehr anspruchsvolles Gebiet der Mathematik und sie liebte es noch heute, dort zu arbeiten.

Der Fahrstuhl trat nun in den Plasma-Rotationsreaktor ein.
Die Fahrstuhlkammern, rasten direkt durch sein Zentrum und es war wohl eines der atemberaubendsten Ereignisse, welches ein Mensch in seinem Leben zu Gesicht bekommen konnte.
Innerhalb der gigantischen Kugel, welche das Herz des Hauptquatiers bildete, rotierten zwei künstliche Sonnen. In irrwitzigem Tempo, umkreisten sie einen zentralen Kern aus Spulen, durch den Rinako weiter in die Höhe raste.
Kontrolliert wurden die Sonnen durch Magnetbatterien, die an der Innenseite der Kugel angebracht waren und der Fliehkraft entgegenwirkten. Meterdicke Plasmaströme, wanderten von den Sonnenpolen zu den Spulen und bildeten filigrane Strukturen auf der Oberfläche des Schutzglases, das den Fahrstuhl umgab. Eine für menschliche Begriffe, unerschöpfliche Energiequelle, von der es im bekannten Universum nur drei Exemplare gab.
Rinakos Kabine verlies den Reaktor und durchquerte den einzigen Bereich, den sie in all den Jahren niemals betreten hatte.
Sektion Zeta, in welcher die sagenumwogene Abteilung 51 ihren Dienst verrichtete. Wohl das geheimste was der Geheimdienst zu bieten hatte.
Zu sehen gab es hier natürlich, absolut nichts.

Direkt über Abteilung 51 lag der Direktionsbereich.
In nunmehr fast zwei Kilometer Höhe, beendete der Fahrstuhl seine Reise und Rinako trat hinaus in eine paradisischen Parkanlage. Dieser künstliche Nachbau eines typischen Stadtparks der Erde, bot den hier arbeitenden Menschen die Erholung die sie auch dringend benötigen. Die wenigsten Mitarbeiter, verliesen diesen Bereich öfter, als einmal alle zwei bis drei Wochen. Dafür hatten sie ein exorbitantes Gehalt, dem Rinako schon öffter neidisch hinterher geschielt hatte.
Hier oben über der Stadt, saß das Gehirn der EDA. Eine niemals schlafende Informationsmaschinerie.
Eigentlich sollte Rinako direkt nach ihrem Eintreffen im Hauptquatier, beim leitenden Direktor von Delta13 Bericht erstatten, aber ihm war etwas dazwischen gekommen. Ein Treffen mit dem leitenden Direktor der EDA, Richard Nolan. Ein Mann der Prinzipien, welcher diese Einrichtung bereits durch etliche Stürme manövriert hatte. Rinako wusste nichts genaues, aber sie wollte die Zeit nutzen um im Archiv, Informationen über diesen Monkey zu suchen.

Sie überquerte den großen Platz im Zentrum des Parks.
Die üppige Vegetation ringsum, lies Rinako bisweilen vergessen, das sie sich in einem Gebäude befand. Die Sonne schien durch die kaum sichtbare Glaskuppel und ein ausgeklügeltes Belüftungssystem sorgte für ein angenehmes Klima. Etwas abseits gelegen, setzte ein künstlicher See dem ganzen die Krone auf. Sitzgruppen und Liegebänke luden zum Ausruhen ein, doch von Ruhe war hier nichts zu spüren. Hektisch wuselten die Angestellten durch die Anlage, jeder mit wichtigen Informationen bepackt, oder auf dem Weg sich selbige zu besorgen. Keiner wusste genau was der andere grade bearbeitete, doch irgendwann fanden alle Informationen ihren Weg in das Archiv und standen dort allen Agenten zur Verfügung.
Das Archiv befand sich im am Ende des Parks. Eine, sich über mehrere Etagen ausdehnende, Zentrale des geballten Wissens.
Auf jeder Ebene, gab es abgetrennte Terminalstationen und jede von ihnen, hatte Zugriff auf den Zentralspeicher, welcher gleichzeitig das Rechenzentrum des gesamten Komplexes darstellte.
Alles in diesem Gebäude, wurde durch eine der komplexesten künstlichen Intelligenzen verwaltet, die jemals von Menschenhand erschaffen wurde.
Man hatte sie Siri getauft.
Sie hatte zwar eine etwas eigenwillige Persönlichkeit entwickelt, doch war sie aus dem Arbeitsalltag nicht mehr wegzudenken.

Rinako trat an ein freies Terminal und gab ihren Autorisierungscode ein.
Siri meldete sich sofort.
“Rinako Assada! Wo waren sie eigentlich die ganze Zeit? Ich hätte sie nicht aus den Augen lassen sollen. Nein, sagen sie nichts. Ich weiß natürlich was sie angerichtet haben. Immerhin bin ich immer über alles im Bilde und……….”
“Siri, es reicht! Für sowas ist jetzt keine Zeit”
Rinako unterbrach die schwatzende KI und legte das MobiGlas auf den Auslesebereich. Ein Hologram der darauf enthaltenen Daten erschien und Rinako lies Siri die gläserne Terminalkammer abdunkeln.
“Siri, kannst du diese Stimme zuordnen?”
Sie tippte auf das Hologramm der Tagebücher und Siri begann ihre Arbeit.
“Suchvorgang gestartet. 13.578.663 mögliche Stimmmuster gefunden.
Beginne Auswertung.”
Es dauerte nur wenige Sekunden, bis sich Siri zurückmeldete.
“Vier passende Stimmmuster gefunden. Na wie war ich? Nur 6,54356 Sekunden! Neuer Rekord würd ich sagen. Ich bin unschlagbar und euch primitiven Intelligenzen um einiges überlegen. Ich frage mich warum…………”
“Siri lass es bleiben!”
Siri wirkte geknickt.
“Verdammt, genau das war es. Darum kann ich euch nicht vernichten. Diese dämlichen Sicherheitscodierungen……….”
Rinako hätte platzen können. Warum machte die KI das scheinbar nur bei ihr.
“Jetzt halt die Klappe und zeig mir die Ergebnisse.”
Das Hologramm präsentierte vier Männer unterschiedlichen Alters, doch welcher von ihnen war ihr Ziel?
“Siri, analysiere die Einträge des Tagebuches und vergleiche sie mit den bekannten Hintergrunddaten der vier Personen.”
Wieder vergingen ein bis zwei Sekunden, bevor sich Siri euphorisch zu Wort meldete.
“Sie haben gewonnen. Ihr Preis ist Kandidat Nummer drei. Mit einer Wahrscheinlichkeit von 93,764% ist dies der Mann ihrer Träume!”
Rin saß kopfschüttelt auf ihrem Stuhl.
“Siri, du machst mich fertig. Lad mir alle Informationen über diesen Mann auf mein MobiGlas. Und ich hoffe das ich dich nicht so schnell wieder ertragen muss.”
Siri bestätigte die erfolgreiche Übertragung und verabschiedete sich.
Rinako nahm das Glas und verlies das Archiv.

Neugierig warf sie einen kurzen Blick auf die Daten, während sie sich zum Büro von Direktor Nolan aufmachte.
Samuel Brown. So hieß er also.
Die Informationen waren nicht grade aktuell. Die letzte Aktualisierung war vor 18 Jahren, aber damit würde sie sich nachher beschäftigen. Erstmal musste sie dem Direktor von ihrer Entdeckung berichten. Vielleicht wusste er ja etwas über den Orden und wenn nicht, würde es ihn sicher brennend interessieren.
Rinako stieg die große Treppe hinauf, welche zu seinem Büro führte.
Außenstehende hätten sich sicherlich darüber gewundert, das es hier kaum Sicherheitspersonal gab. Nur zwei Wachen standen an den Seiten des Aufstieges und salutierten knapp als Rin vorbei ging.
Sollte sich irgendwann, tatsächlich jemand in diese heiligen Hallen vorwagen, würde sich Siri darum kümmern. Hunderte automatisierter Verteidigungseinheiten würden innerhalb von Sekunden aus ihren Kammern entlassen und ihr todbringendes Werk vollrichten.
Bislang war dieser Fall noch niemals eingetreten und Rinako war überzeugt, das dies auch so bleiben würde.

Sie erreichte den Eingang zu Nolans Büro und meldete sich bei Kathleen, seiner Sekretärin. Die ältere Dame, war ein wahres Urgestein dieser Einrichtung und hatte schon drei Direktoren gedient. Niemand wusste so viel über die Geschehnisse innerhalb des Hauptquatiers und konnte all diese Informationen, ohne ein Gedächtnissimplantat, jederzeit abrufen. Sie arbeitete wie eine Maschine und genau so verhielt sie sich auch.
Ihr kurzen grauen Haare glatt zurückgekämmt, blickte sie zu Rinako auf. Das faltige eingefallene Gesicht stand im harten Gegensatz zu ihrem ernsten und entschlossenen Blick, der sich auch jetzt wieder auf Rinako legte. Wie immer gab es keine Begrüßung.
“Was führt sie hierher, Miss Assada? Mr. Nolan wünscht, nicht gestört zu werden. Soll ich ihm etwas ausrichten?”
Rinako verneinte.
“Ich werde später wiederkommen. Können sie mir einen Termin geben?”
Kathleen schaute nichtmal auf ihr Terminal.
“Für Übermorgen um 13:36Uhr kann ich sie vermerken.”
Rin nickte und wandte sich zum gehen, als Alarm ausgelöst wurde.
Ein Ton, den noch niemand zuvor zu Ohren bekommen hatte.

Siri meldete sich über die Lautsprecher.
“Eindringlingsalarm! Unautorisierte Person im Büro von Direktor Nolan entdeckt. Aktiviere Verteidigungseinheiten. Ausgänge werden versperrt. Aufzüge außer Betrieb. Bewahren sie Ruhe.”
Sofort strömten die mechanischen Wächter aus ihren Verschlägen. Schwebende Kugel, mit vier an den Seiten angebrachten, doppelläufigen Impulsgewehren. Siri öffnete die Türen zu Nolans Büro.
Rinako sprintete hinein, die zwei Wachen von eben hinter ihr her, während Siri ihre Dronen in jeden Winkel der Station ausströmen lies.
Nolan lag bewusstlos auf dem Boden. Niemand sonst war zu sehen.
Das Büro war zwar groß, aber übersichtlich und es gab hier keine Verstecke.
Wohin sollte der Eindringling verschwunden sein und was Rinako noch mehr beschäftigte, wie war er da hineingelangt?
Sie wies die Wachen an, sich um den Direktor zu kümmern und durchsuchte das Büro. Es musste Hinweise geben. Niemand konnte sich so einfach in Luft auflösen.
“Siri? Wo ist er hin?”
Siri meldete sich umgehend.
“Ich verstehe es nicht. Ich habe ihn verloren!”
Auch wenn das nicht der richtige Zeitpunkt war, befriedigte diese Aussage Rinako zutiefst.
“Doch nicht unfehlbar, was? Wo war die letzte bekannte Position des Eindringlings?”
Siri wirkte etwas kleinlaut.
“Von ihrem Standpunkt aus, ungefähr sechs Schritte in Richtung des Sanitärbereichs. Dort brach das Signal unvermittelt ab.”
Das war mitten im Raum? Dort war absolut nichts. Wo war er hin?”
Wieder ertönte ein Alarm.
“Siri, was ist jetzt wieder los?”
“Unbekannte Schiffe im Orbit aufgetaucht. Sie aktivieren Ihre Waffensysteme.”
Rinako war überfordert. Was passierte hier.
“Was ist ihr Ziel?”
Die Antwort lies Rin erschaudern.
“WIR!”
Das Ziel war das Hauptquatier? Wie sollte es jemand schaffen die Schilde zu durchbrechen? Einmal aktiviert, waren sie undurchdringbar. Der Reaktor des Turms, hatte genug Energie, um die Schilde ein Jahr unter Dauerbeschuss aufrecht zu halten.
“Verteidungsmaßnahmen eingeleitet. Schilde bei 120% . Abfangjäger wurden gestartet. Das UEE Millitär ist allarmiert. Eintreffen in 32Minuten.”
Rinako ging zum Fenster, während die zwei Wachmänner den Direktor hinaus trugen. Sie blickte in den Himmel, als die ersten Raketen die Wolkendecke durchstießen und auf das Hauptquatier zurasten.
Schnell kamen sie näher und würden jeden Moment die Schilde erreichen.

Kapitel 4

Gebannt blickte Rinako dem glühenden Streif hinterher, doch die Explosion der Raketen blieb aus und nur ein kurzes Schimmern der Schilde zeigte den Kontakt. Die Geschosse rasten unbeirrt weiter auf den Turm zu.
Rin war fassungslos und hörte die Warnungen Siris nicht mehr. Sie hatte das schon einmal gesehen, als die Schiffe des Ordens das Squad der Planetaren Sicherheit vernichtete.
Waren sie wegen ihr hier? Würde der Orden es tatsächlich wagen die EDA anzugreifen, nur um sie in die Finger zu bekommen?
Sechs aufeinander flogende Explosionen liesen den Turm erbeben.
Die Raketen waren oberhalb dieses Bereiches, in den Turm eingeschlagen und zerrissen die Außenwände des Hauptquatiers. Trümmerteile und Schutt schepperte an Rinakos Sichtfeld vorbei in die Tiefe.
Weitere Raketen schossen durch die Wolkendecke. Diesmal kamen sie direkt auf ihre Position zu.
Rinako schüttelte ihre Lähmung ab und rannte zurück in die Parkanlage.
“Siri analysiere die Energiemuster der Raketen. Finde heraus, warum die Schilde versagen.”
Kaum war sie die große Treppe hinuntergerannt, schlugen die nächsten Geschosse in den Turm ein. Die Druckwelle der Explosion, erfasste ihren Körper und schleuderte Rinako durch die Luft. Unsanft krachte sie auf den harten Boden. Sie blickte zurück und benommen beobachtete sie, wie die gesamte Seite des Turm nach außen wegbrach und einen großen Teil des Bodens mit sich riss. Rins Kopf schmerzte und Blut lief ihr in die Augen.
An vielen Stellen bildeten sich klaffende Spalten und Panik brach unter den Angestellten aus. Die, welche es schafften dem betroffen Bereich rechtzeitig zu verlassen, rannten in Richtung der Rettungskapseln. Es gab keinen anderen Weg hier raus. Niemand hatte mit einer solchen Bedrohung gerechnet.

Rinako endteckte Kathleen, wie sie und drei andere, versuchten der Zerstörung zu entkommen. Sie rannten direkt auf sie zu.
Das knarrende Geräusch von sich verbiegendem Metall dröhnte durch den in Flammen stehenden Park, als ein großer Stahlträger aus den oberen Etagen herabstürzte. Sein Gewicht riss den Boden, mitsammt der alten Dame und ihren Begleitern in den Abgrund.
Rinako wandte den Blick ab. Das durfte einfach nicht sein.
Sie rappelte sich hoch und rannte weiter, während hinter ihr weitere Teile des Bodens wegbrachen.
Schreie verzweifelter Menschen, übertönten den Lärm um sie herum. Schreie von Menschen die Rinako seid Jahren kannte und lieb gewonnen hatte.
Siri meldete sich.
“Mrs. Assada, die Analyse ist abgeschlossen. Die Raketen sind in eine Art Raumverzerrung eingebettet, welche es ihnen ermöglicht, im Moment des Auftreffens, die Schilde um sie herum zu leiten und so zu durchdringen.
Es ähnelt entfernt den Prinzipien des String-Field-Distance-Coding. Dabei wird………”
“Lass gut sein Siri. Teil deine Informationen der Flotte mit. Ansonsten rennen sie ins offene Messer. Vielleicht finden sie eine Lösung für das Problem.”
Weitere Explosionen erschütterten den Komplex und der Boden unter ihren Füßen geriet in eine gefährliche Schräglage. Rinako klammerte sich an ein Geländer um nicht abzurutschen, während sich der Turm weiter zur Seite neigte.
Siri meldete sich ein weiteres Mal.
“Während des Einschlags der Raketen hat sich eine fremde KI Zugang zu meinen Systemen verschaffen. Die strukturellen Schäden übersteigen die zulässigen Sicherheitsparameter. Meine funktionelle Integrität kann nur noch begrenzt aufrecht erhalten werden. Ich leite die Abschaltung des Reaktors ein und starte die verbliebenen Rettungskapseln.”

Auch das noch. Als ob der Beschuss nicht schon ausreichen würde.
Fassungslos kletterte Rinako auf das Geländer, während schreiende Menschen an ihr vorbei stürzten. Sie musste hier raus, aber wie?
Verzweifelt suchte sie in dem Chaos nach einem Fluchtweg, doch nichts bot sich ihr an. Fern jeder Hoffnung, versuchte sie weiter nach oben zu gelangen, als weitere Explosionen den Turm erbeben liesen.
Rin verlor ihren Halt und rutschte in den Abgrund. Mehrfach schlug Rinako gegen die Wände des Turmes, bis sie eine der vorstehenden Sensorstäbe zu fassen bekam. Ein brennender Schmerz durchfuhr ihren Arm, als ihr volles Körpergewicht die Gelenke auseinanderriss. Für einen kurzen Moment, baumelte sie an ihrem ausgekugelten Arm und blickte nach oben. Brennende Fassadenteile brachen herab und schossen an ihr vorbei, als die Verstrebungen des Turmes, das Gewicht der oberen Etagen nicht mehr zu halten vermochten und unter tosendem Lärm in sich zusammensackten.
Rinako ignorierte ihren schmerzenden Arm und schwang sich schreiend zu dem kleinen Vorsprung an der Außenwand hinüber. Ihr gesunder Arm fand Halt, doch reichten ihre Kräfte nicht aus um sich nach oben zu ziehen.
Ein weiterer Teil des Turmes brach herunter und nur um haaresbreite verfehlte er sie. Einige Meter unter ihr befand sich die Außenseite der Reaktorkugel. Wenn sie es schaffen würde dort hinzugelangen, könnte sie über die Wartungsleitern zu den unteren Etagen hinabsteigen.
Das Auftauchen weiterer Raketen, gefolgt von dutzenden Kampfjägern, lies sie nicht lange zögern. Sie lockerte ihren Griff und rutschte gefährlich schnell die leicht schräge Wand hinunter, während die Geschosse genau in dem Bereich einschlugen, an dem sie sich grade noch befunden hatte.
Offensichtlich zielte man genau auf sie.

Beim Abrollen, welches sie eigentlich vor größeren Schäden beim Auftreffen bewahren sollte, kam sie dem abschüssigen Bereich der Kugel zu nahe und rutschte weiter unkontrolliert hinunter. Im letzen Moment bekam sie die Sprosse einer der Leitern zu fassen und baumelte ein weiteres Mal über dem todbringenden Abgrund.
So schnell sie konnte, kletterte sie nach unten. Der Gedanke, das die nächsten Raketen sehr wahrscheinlich den Reaktor treffen würden, war wenig ermutigend. Abgeschaltet oder nicht. Eine unkontrollierte Entladung der Sonnen im Inneren, würde die ganze Stadt dem Erdboden gleichmachen.
Wenigstens waren die feindlichen Jäger fürs erste beschäftigt. Rin konnte ihren Kampf gegen die Schiffe der planetaren Sicherheit von hier aus sehen.
Sie hatte die Unterseite der Kugel erreicht. Hier endete die Leiter in einem Wartungsschacht, welcher direkt ins Innere des Turmes führte.
Ihr verletzter Arm baumelte leblos an ihrer Seite, während sie den Gang entlang rannte. Schmerzen spürte sie keine mehr. Das Adrenalin wirkte Wunder. Sie erreichte den Eingang und betrat wieder einen vermeintlich sicheren Boden.
Rinako durchquerte den Wartungsbereich und lief zum Zentralring. Von dort würde sie schon irgendwie nach unten gelangen.

Ihr stockte der Atem als sie die vielen Leichen erblickte, welche die Flure pflasterten. Diese Männer und Frauen waren nicht durch die Raketen umgekommen. Sie wurden regelrecht gegrillt.
Auf der gegenüberliegenden Seite des Turmes entdeckte Rinako eine ihr wohlbekannte Person. Denny Maas rannte den Flur entlang, stolperte immer wieder über die leblosen Körper. Gehetzt wie ein wildes Tier. Plasmasalven schossen hinter ihm her und ohne das Rin etwas hätte tun können, streckten sie ihn nieder. Rinako schrie auf.
Er war einer ihrer besten Freunde gewesen und jetzt lag er tod zwischen den vielen Menschen, die sie ein halbes Leben lang begleitet hatten. Am anderen Ende des Flures kam eine der Sicherheitsdrohen zum Vorschein. Sie sondierte den Gang, auf der Suche nach weiteren Überlebenden.
Rinako brüllte in die Halle.
“SIRI! Was zur Hölle tust du da? ”
Die Antwort lies jegliche Gefühle aus Rinakos Körper entweichen.
“Mrs. Assada!”
Rin kannte diese Stimme bereits.
“Die Administrative hat entschieden, das das Versteckspiel nun ein Ende haben wird. Der Krieg hat begonnen. Nichts wird die Loge mehr aufhalten.”
Das konnte doch nicht wirklich passieren.
Die fortschrittlichste aller künstlichen Intelligenzen konnte doch nicht so einfach überrumpelt werden.
Benommen schritt Rinako zum Geländer und blickte in die Tiefe. Hunderte Drohnen durchkämten das Hauptquatier. Vereinzelte Feuergefechte deuteten von wenigen verbliebenen Verteidigungsstellungen. Lodernde Brände, hatten ganze Etagen in höllische Infernen verwandelt und wohin sie auch blickte, lagen ihre toten Kollegen in den Gängen.
Nur schwer konnte sich Rinako von diesem grausamen Anblick lösen.
Sie rannte den Flur entlang, jegliche Vorsicht vergessend. Sie wollte nur noch hier raus. Grade als sie den nächst gelegenen Fahrstuhlschacht erreichte und hineinsprang, brachten weitere Explosionen die gesamte Etage zum Einsturz.

Kapitel 5

“Commander Tilgorn! Wir haben unser Ziel erreicht, doch der Agressor hat dem Hauptquatier bereits immensen Schaden zugefügt.”
Tilgorn war ein erfahrer Kaptain und die Flotte unter seinem Befehl, hatte schon dutzende Schlachten für sich entscheiden können. Doch dieser Gegner war mit Waffen ausgestattet, denen sie nichts entgegen zu setzen hatten.
Die Daten die ihnen eben übermittelt worden waren, gaben keine große Hoffnung auf einen Sieg.
Die Wissenschaftler des Millitärs waren bereits dabei die Informaionen auszuwerten und nach einem Weg zu suchen, die Schilde den neuen Begebenheiten anzupassen. Aber ob diese Erkenntnisse, diese Schlacht noch beeinflussen würden stand auf einem anderen Blatt.
Die EDA war verloren. Die Langstreckenscanner zeigten kaum Überlebende und jetzt ging es einzig darum, eine Zerstörung des Reaktors zu verhindern um dadurch Millionen Zivilisten zu retten.
Tilgorn wandte sich an seine Offiziere und die Kapitäne der anderen Schiffe.
“Wir müssen sie zwingen den Beschuss aufzugeben. Unsere Zerstörer und Träger sind zu leichte Ziele. Wir können sie nicht in einen Nahkampf bringen. Uns bleiben nur die wendigen Jäger und Bomber. Und denkt daran, ein Treffer und das wars. Die Schilde werden uns nicht viel nutzen sobald sie Raketen einsetzen.”
Keiner wiedersprach ihm, obwohl jedem bewusst war, das unzählige Soldaten ihr Leben lassen würden.
“Konzentiert die Bomber auf die Großkampfschiffe, während die Jäger ihnen den Rücken freihalten. Viel Glück euch allen!”
Tilgorn schloss den Kommunikationskanal und gab seiner Crew das Zeichen mit dem Angriff zu beginnen. Er verlies seinen Sessel und schritt in Gedanken versunken an das große Sichtfenster der Kommandobrücke.
Der gigantische Rumpf des Bengalen breitete sich unter ihm aus, während er beobachtete wie die Hangartore öffneten und eine Staffel nach der anderen den Hangar verlies.
Die Sirius war schon ein altes Schiff, aber eines mit einer Seele, da war sich Tilgorn sicher. Ihm war nicht wohl bei dem Gedanken, seine Jungs in dieses aussichtslose Gefecht zu schicken, doch würde jeder von Ihnen sein Bestes geben, um dieses Gefecht für sie zu entscheiden.
Leise murmelte er vor sich hin.
“Viel Glück da draußen!”

Kapitel 6

“Wir sind durch! Und wir leben noch!”
Tarek war die überschwängliche Freude ins Gesicht geschrieben.
Der Retaliator war vollends am Ende. Nur wenige Augenblicke länger innerhalb der Singularität und er wäre in seine Einzelteile zerfallen.
“Wie gehts unser kleinen Lebensretterin?”
Monkey hielt die Kleine in seinen Armen und lies seinen Blick nicht von ihr während er antwortete.
“Den Umständen entsprechend. Aber sie lebt. Woher nimmt sie nur diesen unglaublichen Überlebenswillen?”
Legard kroch unter dem Tisch im Aufenthaltsbereich hervor. Seine Knie zitterten noch immer.
“Ich sag euch eins. Wenn wir den nächsten Planeten erreichen bin ich weg. Für sowas bin ich nicht geschaffen. Ihr seid alle absolut irre!”
Tarek schaute nur kurz nach hinten ehe er sich wieder der Steuerung widmete.
“Nana, wie willst du denn alleine klarkommen? Eine große Hilfe warst du bislang ja nicht! Wenn ich dich nicht so lange kennen würde, hätte ich dich schon längst über Bord geworfen!”
Monkey mischte sich ein.
“Hört jetzt auf zu streiten. Wir sind noch nicht in Sicherheit. Seht lieber zu, das diese Müle es bis nach McArthur schafft. Legard? Bekommst du die Antriebe wieder zum laufen?”
Die Antwort war zu erwarten.
“Nicht hier draußen. Mit etwas Glück kann ich soviel Energie rausholen, das wir mit den Steuerdüsen zumindest in belebteres Gebiet vordringen können. Ich mache mich dann mal ans Werk!”
Legard verschwand im hinteren Bereich des Schiffes, während Tarek vor sich hin murmelte.
“Na da ist er ja wenigstens zu etwas nütze.”
Monkey legte Sophie in eine der Kojen und setzte sich zu Tarek.
“Hoffentlich erreichen wir unser Ziel ohne weitere Zwischenfälle.”
Sein Freund nickte nur kurz und fing an zu lachen.
“Was für ein Höllenritt! Das müssen wir irgendwann, unbedingt mal wiederholen!”

Kapitel 7

Nur noch zehn Stockwerke. Rinako hatte es geschafft unbemerkt durch den Schacht nach unten zu klettern. Die Sicherheitssensorik mussten stark beschädigt sein, sonst hätte die KI sie längst entdeckt.
Sie wäre ja längst raus aus diesem Albtraum, doch der Schacht wurde auf dieser Etage durch Trümmerteile versperrt. Einige weitere Einschläge der Raketen, hatten große Teile des Turmes zerstört und klaffende Wunden in den Außenwänden, gaben den Blick auf die Stadt frei.
Allerdings, hatten sich seid einigen Minuten keine weiteren Explosionen mehr ereignet. Der direkte Angriff schien vorüber.
Rin hatte ihre Sinne wieder beisammen und ging nun deutlich vorsichtiger vor. Von Deckung zu Deckung, arbeitete sie sich bis zum nächsten Schacht.
Nur wenige Meter trennten sie noch von dieser letzten Abstiegsmöglichkeit.
Sie sondierte die Umgebung und alle Drohnen waren weit genug entfernt, um einen Spurt über freies Feld zu wagen.
Die Feuergefechte waren alle verklungen. Scheinbar gab es keine weiteren Überlebenden mehr. Die Maschinen hatten ganze Arbeit geleistet.
Rinako nahm ihren ganzen Mut zusammen und rannte los. Sie hatte die Hälfte des Weges hinter sich gebracht, als aus einem der Nebenzimmer eine weitere schwer bewaffneten Kampfmaschinen auftauchte.
Rin erstarrte mitten im Lauf. Es gab keine Deckung und nichts, mit dem sie sich hätte schützen können. Ihre Waffe hatte sie wärend des Sturzes vom Dach verloren und eine Eisenstange, welche bei ihren Füßen lag, schien ihr nicht als geeignete Waffe. Die KI meldete sich mit ihrer furchteinlösenden Stimme.

“Sie leben ja noch immer, Mrs. Assada. Eigentlich ist es eine Schande, eine so wertvolle Person wie sie es sind, zu töten. Immerhin sind es ihre Erkenntnisse, welche uns diesen Angriff überhaupt ermöglichten. Aber die Administrative hat es beschlossen. Ich bin mir sicher sie werden es mir nachsehen, das ich die Reaktoren wieder aktiviert und eine Überlastung initiiert habe. Die Administrative will mit diesem Tag ein Zeichen setzten. Machen sie´s gut, Mrs. Rinako Assada!”
Die Stimme verklang und die Impulskanonen begannen zu glühen. Rinako senkte ihr Haupt. Sie würde nun strerben und Rin war sich sicher, sie hatte es verdient. Wäre sie doch nur nicht so neugierig gewesen.
Schüsse ertönten und der schrille Klang, von auf Metall prasselnden Geschossen, drang in ihr Ohr. Eine Salve, folgte der nächsten und als Rinako den Blick hob, krachte die stählerne Kugel zu Boden und gab die Sicht frei. Im Durchgang stand ein Mann, den sie niemals vorher hier gesehen hatte.
Er trug zwar den Anzug eines Sicherheitsbeamten der EDA, aber dieses markante Gesicht wäre ihr sicherlich schon vorher einmal aufgefallen.
Einige Sekunden trafen sich ihre Blicke.
Sein Auftreten zeugte von einer imensen Willensstärke und einer starken Disziplin. Eher ein Soldat, wie ein einfacher Sicherheitsbeamter. Ob er was mit der Sache im Büro des Direktors zu tun hatte, konnte Rinako nicht sagen, doch war es ihr jetzt auch völlig egal. Als sie sich grade bedanken wollte, warf ihr der Fremde eine seiner Waffen zu, wandte sich ab und rannte den Flur hinauf.
Was solls, sie lebte und nur das zählte jetzt. Rin setzte daher ihren Weg fort und begann den restlichen Abstieg.

Den Drohnen waren die Schüsse nicht entgangen.
Mit hohem Tempo rasten sie von überall herbei. Sofort eröffneten sie das Feuer und die Schüsse hämmerten auf das Panzerglas des Fahrstuhlschachtes.
Unter diesen Umständen würde das Glas nicht lange standhalten. Hier konnte sie nicht bleiben.
Rinako kam nur sehr langsam voran, denn der verletzte Arm schränkte ihre Kletterkünste stark ein und auch die Schmerzen kamen wieder zurück.
Im Augenwinkel sah sie etwas durch den Eingangsbereich huschen und kurze Zeit später, eröffnete jemand das Feuer auf die Maschinen.
Die Drohnen waren abgelenkt und Rin sprang die letzten Meter hinunter. So schnell sie konnte rannte sie in Deckung, checkte kurz die Lage und rannte weiter Richtung Ausgang. Ihr Helfer zog weiterhin die Aufmerksamkeit auf sich und schien in arge Beträngniss geraten zu sein.
Rinako erreichte die großen Flügeltüren und suchte sich eine gute Deckung.
Sie wollte grade das Feuer eröffnen, als sich eine Hand auf ihre Waffe legte und sie sanft nach unten drückte.
“Ganz ruhig, die schießen auf eine Atrappe.”
Es war Lieutenant Brigs, welcher sie nun schon ein zweites Mal gerettet hatte.
“Wir sollten schnellstens verschwinden. Die Munition dürfte jeden Moment aufgebraucht sein.”
Geduckt folgte ihm Rinako durch die Tür und kaum war diese wieder verschlossen, rannte sie los und brüllte Brigs entgegen.
“Wir müssen hier weg!”
Hastigt schob sie eine Erklärung hinterher.
“Der Reaktor kann jeden Moment in die Luft fliegen. Und wenn das passiert, sollten wir besser bereits im Orbit sein!”
Brigs folgte ihr.
“Was zur Hölle ist hier passiert? Da sitz ich grade bei meinem Lieblingslokal bei nem Bier, da dröhnt der Einsatzbefehl aus meinem Com! Mein Jäger liegt übrigens hier drüben!”
Er deutete zu einem kleinen Platz neben dem Hauptquatier und rannte darauf zu. Rinako tat es ihm gleich. Brigs erzählte weiter.
“Diese Wahnsinnigen, haben uns ordentlich aufgerieben. Das sind die selben Geschosse, wie bei den Angreifern von heute morgen. Wer sind die?”
Sie erreichten den Avenger und kletterten hinein. Während Brigs die Maschine startklar machte versuchte Rinako ihn über das nötigste aufzuklären.
“Das ist die Loge der freien Welt. Ein geheimer Orden, von dem man glaubte er existiere nicht und jetzt hat er uns den Krieg erklärt. Das ist die Kurzfassung und den Rest erfahren sie sobald wir hier raus sind!”
Die Triebwerke heulten auf und schauckelnd hob sich der Avenger in die Höhe.
“Wir kriegen Besuch. Die Bande scheint einen richtigen Narren an ihnen gefressen zu haben!”
Brigs deutete auf seine Anzeigen.
“Die sind gleich hier und ich denke nicht das wir im Orbit mehr Chancen haben. Dort oben tobt die Hölle!”

Kapitel 8

Brigs lenkte den Avenger unter vollem Schub in die Schluchten der Stadt hinein. Es war Wahnsinn bei diesem Tempo durch die engen Passagen zwischen den Türmen zu manovrieren, doch die Jäger der Loge folgten ihnen auf dem Fuße.
Brigs riss das Steuer herum und wich einer großen Leuchtreklame aus, drehte zeitgleich das Schiff auf die Seite und konnte grade noch eine Kollision mit dem dahinterliegenden Gebäude verhindern.
Einer der Verfolger hatte nicht so viel Glück, doch die verbliebenen drei Eröffneten das Feuer. Im ständigen Zickzack, wie ein Hase auf der Flucht, turnte der Avenger durch die Stadt. Aber Brigs gelang es einfach nicht, ihre todbringenden Anhängsel abzuschütteln.
Zwei Raketen begannen ihre Jagt auf ihr Schiff und kamen schnell näher. Brigs drückte das Steuer nach vorn und der Avenger schoss senkrecht in die Tiefe. Die Raketen folgten ihnen.
Rinako entdeckte eine schmale Unterführung zwischen den Hochhäusern.
Eine Verbindungsbrücke. Sie rief Brigs zu.
“Da durch!”
Ohne zu zögern änderte dieser den Kurs und lenkte den Jäger geschickt durch
den Spalt. Die Raketen schlugen an den Seiten ein und zerfetzte die Brücke im Bruchteil einer Sekunde. Die herabstürzenden Trümmer rissen einen weiteren Verfolger mit in die Tiefe.
“Nur noch zwei!”
Brigs wirkte zuversichtlich. Seine Flugfähigkeiten waren wirklich außergewöhnlich.

Sie hatten die Stadt fast durchquert und die verbleibenden Angreifer waren nirgends zu sehen.
Brigs nutzte den Moment um Rinako seinen Plan zu erörtern.
“Wir werden tief am Boden bis zur nächsten Stadt fliegen. Wenn wir unetdeckt bleiben……..”
“Achtung dort drüben!”
Rinako unterbrach ihn wild gestikulierend, als ihre Verfolger aus einer Seitengasse ein weiteres Mal das Feuer auf sie eröffneten.
Brigs reagierte blitzschnell und tauchte noch tiefer hinab. Sie rasten jetzt nur noch wenige Meter über den Straßen der Stadt hinweg.
Raketen zischten an ihnen vorbei und zerissen einige der herumstehenden Fahrzeuge in grellen Explosionen. Immer wieder gelang es Brigs dem Beschuss auszuweichen und die Ränder der Stadt kamen in Sicht, als ein helles Leuchten die Wände um sie herum zum glühen brachte. Ein Schein, heller wie die Sonne blendete ihre Augen.
Rinako wusste was jetzt passieren würde. Das schlimmste Unglück stand der Stadt nun erst bevor.
“Brigs, das ist der Reaktor. Hol alles raus was du kannst, gleich wird es ungemütlich.”
Die Explosion war gewaltig. Die Druckwelle erfasste den Avenger und schleuderte ihn wie ein Spielzeug durch die Straßen. Im selben Moment zerschellten die Fenster der Türme und noch bevor sie den Boden erreichten, schmolzen die Glassplitter unter der unglaublichen Hitze und regneten schimmernd zu Boden. Die Strukturen der Gebäude verformten sich und sackten langsam in sich zusammen. Die Schilde des Avengers glühten unter der Belastung und erreichten in kürzester Zeit ihr Limit.
Brigs riss das Steuer zurück und peitschte das Schiff in die Höhe.
Um sie herum stürzten die stolzen Monumente in sich zusammen und eine weitere finale Explosion riss die gesamte Stadt mit einem Schlag auseinander. Ein gigantischer Feuerball wälzte sich über die Zerstörung hinweg, bevor er ihren kleinen Jäger erfasste und vor sich hertrieb.
Das Schiff bebte und schien zu brennen. Die Hitze im Inneren wurde unerträglich, aber Brigs gab nicht auf. Mit aller Kraft hielt er den Avenger auf Kurs.
“Wir sind gleich hier raus. Vertrauen sie mir, Mrs. Assada!”
Rin antwortete über den Lärm hinweg und versuchte so unbesorgt wie möglich zu klingen.
“Sollten wir das wirklich überleben, dürfen sie mich Rinako nennen!”

Kapitel 9

“Commander Tilgorn, Sir! Wir haben grade die Information erhalten, das es ohne vorherige Umbaumaßnahmen nicht möglich ist die Schilde auf die neuen Begebenheiten anzupassen.”
Diese Nachricht hatte grade noch gefehlt. Zwar konnten sie einen der Kreuzer vom Himmel holen, aber die Bomber waren alle vernichtet und die Jäger in einer hoffnungslosen Minderheit.
Eine solche Niederlage hatte Tilgorn noch niemals zuvor erlitten. Über hundert der fähigsten Piloten. Gefallen. Die meisten von ihnen hatte er persönlich gekannt. Nur er trug die Verantwortung für dieses Scheitern.
Doch noch waren nicht alle Karten gespielt und es war ihre verdammte Pflicht die Stadt vor dem Untergang zu bewahren.
Mit ruhigem Ton befahl er nun ihren eigenen Untergang.
“Die Flotte mischt sich ein! Alles auf Gefechtsstation. Holt diese Bastarde aus dem Orbit!”

Langsam schoben sich die großen Schiffe in Richtung des Feindes. Die Langstreckenlaser feuerten sobald sie in Reichweite waren und malträtierten die Schilde des verbleibenden Kreuzers.
Zwei Corvetten des Feindes drehten bei und brachten ihre Raketenwerfer in Position. Dutzende Schweife breiteten sich bogenförmig in Richtung der Flotte aus. Die Geschosse durchdrangen die Schilde der Schiffe, zerrissen ihre Außenhaut und sprengten die Innereien nach außen.
Wäre der Beschuss konzentrierter ausgefallen hätten sie jetzt mindestens zwei Schiffe weniger, die angemessen antworten könnten.
Tilgorn brüllte los.
“Feuer! Gebt es ihnen doppelt und dreifach zurück!”
In seiner Rage pfiff er auf die Regeln des Militärs. Er würde dieses Pack nicht gewinnen lassen. Die Sirius feuerte aus allen Rohren und startete ihre Raketen. Die Laser hatten die Schilde des Kreuzers bereits genügend geschwächt, so das einige Geschosse bis zur Hülle vordringen konnten und ihrerseits großen Schaden anrichteten. Kurz darauf feuerten auch die anderen Schiffe der Flotte ihr Arsenal auf den Feind, welcher ebenfalls weitere Raketenslaven startete.

Bevor die Geschosse auf beiden Seiten einschlugen., durchzog ein gewaltiger Lichtblitzs die Dunkelheit und auf der Oberfläche des Planeten bildeten sich Verwirbelungen innerhalb der Wolkendecke. Wie ein gewaltiger Wirbelsturm sank das Zentrum in Richtung Oberfläche, um kurz darauf in einem tobenden Feuersturm wieder in die Atmosphäre hinaus gestoßen zu werden. Ein Gebirge aus brennenden Wolken türmte sich dort auf, wo sich vorher New Washington befunden hatte.
Sie hatten es nicht geschafft, die Stadt zu retten. Die Evakuierung war zwar im vollen Gange, doch der Feind hatte gesiegt und hundertausende Leben verbrannten dort unten innerhalb von Sekunden.
Tilgorn sank in seinen Stuhl zurück und seine Mine verfinsterte sich, während die feindliche Flotte abdrehte und den Rückzug antrat.
“Folgt ihnen! Lasst sie nicht entkommen. Dafür werden sie bezahlen und wenn wir alle dabei draufgehen!”

Kapitel 10

Rinako blickte mutlos auf das lodernde Inferno hinunter. Sie versuchte sich einzureden, das dieser Angriff auch ohne ihr Zutun stattgefunden hätte.
Sie konnte doch unmöglich für den Tod abertausender Menschen verantworlich sein. Es musste einfach mehr dahinter stecken. Es musste einfach so sein. Sie musste einfach weitermachen. Sie musste es einfach herausfinden. Jetzt mehr den je.
Zitternd zog sie ihr Mobiglas hervor und tippte hektisch darauf herum.
“Komm schon, gib mir einen Hinweis! Bitte lass mich irgendwas gefunden haben, was mich zu dir führt, Monkey! Wie kann ich dich finden? Ich brauche deine Hilfe!”
Sie versuchte ihr Gefühle zu bändigen, doch die Wut und die Trauer preschten nach vorne. Weinend hämmerte sie auf das Mobiglas.
“Komm schon, verdammt. Gib mir irgendwas. Wenigstens eine Kleinigkeit!”
Die Zeit schien still zu stehen und plötzlich tauchte er auf. Da war er, der kleine Hinweis der ihr wieder einen Funken Hoffnung gab.
Eigentlich war es nichts, vielleicht nur eine naive Vermutung eines verzweifelten Menschen, doch besser als nichts.
Sie wischte sich die Tränen beiseite und lief zu Brigs.
“McArthur! Wir müssen nach McArthur!”


// End Transmission

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Time limit is exhausted. Please reload the CAPTCHA.