OneEyed Monkey Episode 7 – Sophie –

Kapitel 1

Die wärmenden Strahlen von Cathcarts Sonne schimmerten durch die Spalten der massiven metallenen Jalousien. Es war eine Ewigkeit her, das Samuel solch eine Ruhe genossen hatte. Jetzt lag er einfach nur da und genoss den Anblick dieser wunderschönen Frau, welche friedlich neben ihm schlief.
Verträumt beobachtete er, wie sich ihre Brust bei jedem Atemzug hob und senkte. Man konnte einfach nicht glauben, das diese zierliche Person, eine der gefürchtetsten Piraten des bekannten Universums verkörperte.
Ihre nackte Haut, war nur an wenigen Stellen durch ein dünnes Betttuch bedeckt und Samuel lies seine Blicke an den zahlreichen Tattoos entlang streifen, welche ihren Körper in ein wahres Kunstwerk verwandelte.
Die filligranen Zeichnungen, zeigten meist düstere Bildnisse fiktiver Gestalten und Landschaften, hin und wieder unterbrochen von prächtigen und farbenfrohen Blumen und Mustern, welche im krassen Kontrast aus dem Rest herausstachen. Sie meinte immer, wenn man sie nach diesen Bildern fragte, das sie ihr Leben wiederspiegeln würden.
Gefangen in einer dunklen Welt, welche in einigen wenigen Momenten, von der Schönheit des Lebens erhellt wird.

Doch es gab ein Tattoo, welches alle anderen in den Schatten stellte.
Es zierte fast ihren gesammten Rücken. Sie sagte, es war das Erste gewesen. Welches sie sich bereits in jungen Jahren machen lies. Doch seine Bedeutung verschwieg sie ihm, ebenso wie ihre Vergangenheit.
Es zeigte ein brennendes Kind, vor einem zerstörten Haus, umsäumt von verzerrten Menschenkörpern.
Was auch immer sie dazu bewogen hatte, sich ein solch grausammes Bild in die Haut stechen zu lassen, für Samuel war klar, das sie schon sehr viel durchgemacht haben musste.
Faith hatte sein Herz erobert, lange bevor es ihm selber bewusst wurde.
Als sie vor zwei Jahren das erste Mal mit ihm im in Kontakt trat, konnte er noch nicht ahnen, das er irgendwann einmal für diese Frau sein Leben auf Spiel setzen würde. Der Schmerz in seiner linken Augenhöhle erinnerte ihn immer wieder an diesen Tag und er bereute ihn nicht.
Seit drei Monaten waren sie nun zusammen und er glaubte fest daran, das nichts sie jemals wieder trennen würde, doch war es selten so friedlich wie in diesem Augenblick. Auch heute war der Fieden nur trügerisch und auch wenn Samuel noch ewig hätte hier liegen können, musste er doch noch etwas erledigen. Einen Auftrag von größter Wichtigkeit, welcher den Northstorm Piraten ein Tor zu einer noch ruhmreicheren Zukunft eröffnen würde.
Leise kletterte er aus dem Bett und schlich ins Bad.

Der Raum war abgedunkelt worden und nur der flackernde Schein der aufgestellten Kerzen, erhellte den Bereich um den kastanienfarbenen Sarg.
Samuel schaute zu Faith hinüber, welche auf den Bänken im Warteraum Platz genommen hatte. Er war dankbar, das sie in diesem Augenblick bei ihm war.
Der Tod der Mutter. Eigentlich ein schmerzhafter Moment, doch für ihn war diese Frau wie eine Fremde.
Als der Orden seine Erinnerungen auslöschte, zerstörten sie auch diese Verbindung, welche sich nur während des Heranwachsens entwickeln kann. Auch wenn er sie danach, noch immer als seine Mutter angesehen hatte, fehlte diese emotionale Bindung die einstmals bestanden hatte.
“Samuel, hast du deiner Mutter nichts zu sagen?”
Sein Vater trat zu ihm an den Sarg heran und schon an seinem Tonfall erkannte Samuel, wie entäuscht er von ihm war.
“Jahrelang hat sie auf ein Lebenszeichen von dir gewartet. Tag ein Tag aus hat sie sich nach dir gesehnt. Wo warst du all die Zeit?”
Obwohl auch die Gefühle für seinen Vater, niemals wieder die eines Kindes sein würden, schmerzten diese Worte sehr. Er starrte weiterhin stur auf das aschfarbene Gesicht, welches leblos auf ein rotes Tuch gebetet lag.
“Du kannst das nicht verstehen, Vater. Glaub mir, ich wünschte die Dinge wären anders gelaufen. Es gibt nichts was ich jetzt noch daran ändern könnte.”

Er musste sich zusammenreißen, als ihm sein Vater mit einem harten Schlag seine Wut ins Gesicht hämmerte.
“Sieh dich an! Was ist nur aus dir geworden? Siehst aus wie einer dieser zerlumpten Piraten, die da draußen Frauen und Kinder abschlachten. Dir standen alle Türen offen. Und du hast alles weggeworfen.”
Samuel hob den Kopf und starrte in das vorwurfsvolle Gesicht seines Vaters, die leere Augenhöhle unter einer schwarzen Klappe verborgen.
Keine Regung war im Gesicht dieses Mannes zu sehen. Keine Frage nach seinem Befinden, keine Frage nach seiner Verletzung, nur Vorwürfe und Beschimpfungen kamen aus seinem Mund.
Samuel konnte es ihm nichtmal verübeln. Er wandte sich ab und ging zur Tür.
Faith folgte ihm still und leise. Für einen kurzen Moment schien es ihm als stände jemand im Durchgang. Ein Schatten, oder etwas ähnliches. Doch dann war es wieder verschwunden.

Blutüberströmt verlies er die Kirche der kleinen Siedlung und sackte zu Boden. Übelkeit überkam ihn und Samuel erbrach sich, leidend unter der Grausamkeit seiner Tat.
Die vielen Menschen, welche in dem Heiligtum Zuflucht gesucht hatten, hingerichtet und massakriert. Durch seine Hand. Er verabscheute sich selbst,
verfluchte seine Schwäche und doch liesen ihm seine metallenen Wächter keine Ruhe. Sie trieben ihn vorwärts, immer weiter, um seine Aufgabe zu erfüllen. Er hob die Waffe und setzte seinen Weg fort.
Es galt jeden zu finden und zu töten. Niemand durfte diesen Tag überleben. So wollte es der Orden.
Der Staub wirbelte durch die schmalen Gassen, während er jeden Winkel durchsuchte. 165. Eine unglaubliche Zahl. Soviele Menschen hatte er bereits getötet. In dieser abgelegenen Gegend stieß er auf keinen Wiederstand.
Es gab hier keine Soldaten oder Wachmanschaften. Nur ein kleiner Haufen bewaffneter Arbeiter hatte sich ihm entgegengestellt.
Hätten sie doch etwas besser gezielt, dann wäre wenigstens alles vorbei.

“Bleib stehen, du Monster!”
Die zitternde Stimme eines kleinen Mädchens lies ihn innehalten.
Warum hatte sie sich nicht irgendwo versteckt? Warum zeigte sie sich ihm?
“Warum tust du uns das an? Was haben wir dir denn getan?”
Die Fragen dieses Kindes, trafen ihn tief ins Herz. Samuel drehte sich um und blickte in ihre verweinten Augen.
Nur mit einem mikrigen Messer bewaffnet, stellte sie sich ihm in den Weg.
“Hör doch bitte auf damit…..bitte lass uns in Ruhe!”
Wie gerne hätte er ihrem Flehen Folge geleistet. Er wollte nicht dieses Monster sein, welches er geworden war. Verzweiflung überkam ihn.
Wie sollte dieses unschuldige Wesen dem Orden schon gefährlich werden? Worin lag der Sinn dieses Massakers? Sie durfte nicht auch noch sterben.
Er musste sie doch irgendwie retten können.
Tränen flossen ihre Wange hinab. Ein nicht enden wollender Strom aus Wut, Trauer und Verzweiflung.
Samuels Hand drängte nach oben, hob den Lauf seiner Waffe in Richtung des Kindes. Er kämpfte mit aller Kraft dagegen an, doch die Reaktion der Maschinen lies nicht lange auf sich warten.

Ein unerträglicher Druck breitete sich in seinem Körper aus und kalte Fänge bohrten sich in seine Gedanken. Sie zerrten an seinen Muskeln und marterten sein Nervensystem. Immer wieder wehrte er sie ab, doch unermütlich starteten sie neue Angriffe auf sein Inneres. Er schrie auf.
“Lasst sie leben! Hört auf damit! Ich will nicht mehr weiter!”
Doch es gab kein Entrinnen aus diesem Gefängnis. So konnte er unmöglich weiterleben. Mit aller Kraft drückte er den Lauf seiner Waffen gegen seine Schläfe, doch so einfach liesen sie ihn nicht entfliehen. Schreiend stand er da, unfähig den Abzug zu betätigen und schließlich überranten sie seinen Geist.
Als der Schuss ertönte und die Schreie des Mädchens sein Bewustsein erreichten, fiel er weinend zu Boden.

Am Ende seiner Kräfte schleppte er sich zu dem kleinen Körper, welcher reglos am Boden lag und den Staub um sich herum rot färbte.
Er nahm sie hoch und drückte sie fest an sich, als könne er sie damit vor dem Unvermeidlichen bewahren. Ihre Atmung wurde schneller und abgehakter, bis schließlich das Leben aus ihrem Körper entwich. Nach Hilfe suchend blickte er sich um. Nur wenige Meter entfernt sah er etwas. Es flimmerte in der Hitze der Luft. Er konnte nicht erkennen was genau es war. Wie die Silhouette eines kleinen Kindes. Doch sie verschwand, als hätte der Wind sie fortgeweht.

Stundenlang saß Samuel einfach nur da, unfähig einen klaren Gedanken zu fassen. Das große Panoramafenster im Aufenthaltsraum der Northstorm bot einen atemberaubenden Ausblick, doch war es nicht wie sonst.
Er hörte wie die ihm wohlbekannten Schritte näher kamen, doch er drehte sich nicht um. Faith setzte sich neben ihn und legte ihren Arm auf seine Schulter. Stillschweigend blickten sie gemeinsam hinaus zu den großen Gasnebeln des Pyro Systems. Unzählige Stunden hatten sie hier schon zusammen verbracht und er würde diese Zeit niemals vergessen.
Faith brach als erste das Schweigen und sprach mit sanftem Ton auf ihn ein.
“Wir wussten doch Beide, das es schwer werden würde. Aber es ist besser so.”
Ihre Beziehung hatte sich in den letzten Wochen zu einem wahren Fiasko entwickelt. Ein unentwirrbares Chaos aus Vorwürfen und Schuldzuweisungen.
Obwohl keiner der Beiden, ihre Liebe zueinander hätte leugnen können, waren ihre ausgeprägten Egos nicht in der Lage, ihnen eine gemeinsame Zukunft zu ermöglichen. Samuel blickte ihr in die Augen.
“Was ist nur mit uns passiert? Warum mussten wir erst diesen Schritt gehen, um wieder ohne Streitereien miteinander reden zu können?”
Er würde von hier fortgehen, soviel stand fest. Er würde ihr nur im Weg stehen und es war wichtig für ihre Crew, das sie nicht durch ihre Beziehung den Blick fürs Wesentliche verlor.

Er wusste nicht genau, was die Piratenclans untereinander für Kriege ausfochten, doch war die Northstorm ein wichtiges Glied in dieser Kette.
Dem Piratenfürsten, dem Oberhaupt aller Clans, war die kleine Gruppe seit langem ein Dorn im Auge. Und ihre Crew brauchte Faith jetzt mehr als er selbst.
“Ich weiß es nicht. Doch ich werde diese Momente vermissen. Deine Stimme nicht mehr zu hören oder deine Nähe zu spüren, wird hart für mich sein.”
Eine einsame Träne floss über ihre Wange.
Samuel drückte sie fest an sich und gab ihr einen letzten Kuss auf die Lippen.
“Das wird es. Für uns beide.”
Faith riss ihre Augen weit auf und ihr Gesicht verzog sich zu einer Grimasse.
Sie brüllte ihn an.
“Du warst es…..du bist es gewesen…..!”
Im nächsten Moment war er wieder allein.

“Herr Brown, sie können jetzt reinkommen.”
Samuel blickte sich verwirrt um. Irgendwas stimmte hier nicht. Träumte er? Er stand auf und betrat das Behandlungszimmer. Die Banu, waren in seinen Augen ein seltsammes Volk, doch wenn die Informationen stimmten, waren sie vielleicht der Schlüssel zu seiner Freiheit. Sie nannten ihn zwar Patienten, doch ihm war klar, das sie in Ihm eher ein Versuchsobjekt sahen.
Doch welche Wahl hatte er schon?
Das Labor in dem er sich befand war nicht registriert und die Forschungen selbst bei den Banu verboten.
Die kleine Gruppe Wissenschaftler machte sich nicht viel aus Konversation, aber Samuel hätte sie eh nicht verstehen können. Nur einer von ihnen war der menschlichen Sprache mächtig.
Die Vorbereitungen für die Behandlung waren schon abgeschlossen und sie führten ihn zu einem seltsamen Gerät und fixierten ihn auf einem OP-Tisch.

Sie hatte ihn schon darauf vorbereitet, das ihn unsagbare Schmerzen erwarten würden, doch gab es jetzt kein zurück mehr.
Ohne weiter Verzögerung begann die Prozedur. Diese Banu verloren keine Zeit und innerhalb von Sekunden verkrampfte Samuels Körper. Es fühlte sich an, als würden seine Eingeweide verbrennen und sein Blut kochen.
Er verlor jegliche Kontrolle über sein Handeln und schrie sich die Seele aus dem Leib. Nur verschwommen nahm er die hektischen Rufe der Wissenschaftler war. Irgendwas schien nicht zu stimmen.
Etwas kam auf ihn zu. Ein schwarzer Schatten sammelte sich über seinem Körper und formte ein Gesicht. Ein Kreischen drang in sein Ohr.
“Du wirst dafür bezahlen……Ich habe es gesehen…..!”

Samuel bäumte sich auf und sprang von dem Altar. Er blickte sich um. Das war nicht der Behandlungsraum und woher hatte er dieses Messer?
Er erinnerte sich. Beinahe hätten diese wiederlichen Kuttenträger ihn ihrer Gottheit geopfert. Wie konnte er nur so unachtsam sein? Markus hatte ihn davor gewarnt, das diese entstellten Geschöpfe, die Gänge ihrer Zuflucht mit Giftgasfallen schützen.
Doch in seiner Rage, war er genau hineingetappt.
Die zwei Ritualmeister lagen tot neben dem großen Steinblock. Er war grade noch rechtzeitig erwacht und hatte das Opfermesser an sich nehmen können.
Jetzt stand er einer ganzen Horde dieser Monster gegenüber. Er musste Markus Schwester finden und hier raus schaffen. Er hatte es versprochen.
Samuel hob das Messer zum Angriff und stürmte auf den Mann los, der ihm am nächsten stand. Als sich die Klinge in dessen Brust bohrte zerran der Körper des Mannes zu Staub.

Ein Schlag in den Nacken und er ging zu Boden.
“Komm schon Samuel, das kannst du sicherlich besser.”
Es war Faith. Sie hatte ihn mal wieder überrumpelt. Diese Übungskämpfe waren immer eine willkommene Abwechslung, doch bislang konnte er nicht einen Sieg über sie erringen. Faith war flink und wich seinen Angriffen mit Leichtigkeit aus und konterte sie geschickt. Ein kleines Mädchen stand am Rand und brüllte ihr zu.
“Töte Ihn, er hat es verdient!”
Faith grinste hämisch und lief auf ihn zu.

“Komm schon, ich beise nicht!”
Vollkommen neben sich drehte sich Samuel um und blickte zu dem kleinen Zwerg dort an dem Tisch. Es war einer der Schwarzmarkthändler von Ellis IV. Er erinnerte sich daran, das er ihn kontaktiert und einen Auftrag angeboten hatte.
Aber Samuel war mistrauisch gegenüber Fremden. Jeder konnte ein Agent der Loge sein. Dieser hier war ihm jedoch auf Anhieb sympatisch. Er setzte sich an den Tisch und reichte ihm die Hand.
Samuel konnte nicht mehr sagen was wahr und was falsch war.
Dies war kein normaler Traum. Was passierte hier mit ihm?
Irgendwas war hier bei ihm. Tief in seinen Gedanken.

Er hob sein Glas und trank es mit einem großen Schluck aus.
Er blickte seinem Gegenüber ernst in die Augen.
“Klar helfe ich dir. Ich könnte sie für dich ausschalten!”
Jetzt saß dort Benjamin Drake, den er in Cassandras Taverne kennengelernt hatte. Drake schaute ihn ungläubig an.
“Wie willst du denn auf der BlueSky an sie rankommen? Sie wird rund um die Uhr bewacht!”
Der Mann tat ihm einfach leid. Das Schicksal hatte ihm stark zugesetzt und wie immer konnte er seine Klappe nicht halten.
“Ist doch kein Problem, Ich werde einfach das ganze Schiff vom Himmel pusten.”
Drake lachte ihn boshaft an.
“Du wirst dafür büsen was du meiner Schwester angetan hast!”

Abruppt wechselte die Szene.
Faith schaute ihm tief in die Augen. Es wurde still um sie herum, obwohl auf dem Landedeck ein reger Betrieb herrschte.
“Gleich hab ich dich!”

Wieder ein Wechsel.
Samuel blickte in den verschmutzten Spiegel auf einer der dreckigsten Toiletten die er jemals vorher betreten hatte.
Doch er sah nicht sein Spiegelbild. Es war das Gesicht eines Kindes. Er kannte sie. Ein Faustschlag und das Spiegelbild wurde von feinen Rissen durchzogen. Jetzt merkte er in welcher Gefahr er sich befand.
“Sophie? Bist du das?”

Er drehte sich um und blickte zu Faith, welche ihm ins Badezimmer gefolgt war. Noch immer unbekleidet näherte sie sich mit sanften Schritten.
Ihre nackten Füße berührten kaum den Boden, doch hinterliesen sie rote Spuren auf den weißen Fliesen. Sie kam näher, ihre Augen leer.
“Komm zu mir. Dann ist es bald vorbei.”
Ihre Haut begann Blasen zu werfen und blätterte in einem Funkenregen von ihrem Körper ab, bis sie ein glühender Feuerball verschlang.
Die unerträgliche Hitze erreichte Samuel und hüllte ihn vollkommen ein.
“SOPHIE! WAS SOLL DAS? WAS HAB ICH DIR GETAN?”

Kapitel 2

“SOPHIE!”
Schreiend wachte er auf und blickte direkt in Sophie´s hasserfüllten Augen. Sie saß ihm direkt gegenüber und schrie ihn an.
“Du warst es! Ich habe dich gesehen. Du hast meine Familie getötet. Unser Dorf vernichtet. Du hast mein Leben zerstört!”
Sie zitterte am ganzen Leib und ehe Monkey reagieren konnte schleuderte ihn eine eine unsichtbare Kraft quer durch den Raum. Als würde eine Dampfhammer auf seinen Körper einschlagen, krachte er auf den Boden. Irgendwas presste ihn mit solchem Druck nach unten, das er kaum noch Luft bekam.
Sophie stand auf und ging auf ihn zu. Ihre Augen waren weit aufgerissen und auf ihrer Stirn bildeten sich Schweissperlen. Ihre Halsschlagader pulsierte rythmisch, während sie immer näher kam.
Unfähig sich zu bewegen oder einen Laut von sich zu geben, starrte er auf das kleine furchteinflösende Kind, welches sich nun bedrohlich vor ihm aufbaute.
Von dem Lärm aufgeschreckt, kamen Tarek und Legard herbei gerannt und blieben fassungslos im Durchgang stehen.
“Sophie, beruhige dich! Was machst du da? Keiner will dir etwas tun.”
Sie reagierte nicht auf Legards Worte und richtete ihren Blick weiter auf Monkey, welcher sich mit schmerzverzehrtem Gesicht auf dem Boden krümmte.

“Sag mir warum? Warum mussten sie alle sterben? Du bist ein Monster!”
Legard und Tarek standen wie angewurzelt da, doch als Monkey kurz davor stand das Bewustsein zu verlieren, sprang Tarek in den Raum und stürmte auf das Mädchen los. Doch bevor er sie erreichen konnten, riss es auch ihn in die Luft und mit einem harten Schlag schleuderte er gegen die nächste Wand.
Legard wurde panisch.
“SOPHIE! HÖR BITTE AUF! WIR SIND DOCH DEINE FREUNDE!”
Etwas packte ihn am Hals und hob auch ihn hoch. Keiner der drei konnte noch irgendwas machen. Unfähig dem Griff zu entkommen war sich Legard sicher, das ihre Reise in den nächsten Sekunden beendet werden würde.
Monkey versuchte sich zu konzentrieren. Er konnte nicht sprechen, also dachte er mit aller Kraft an die Worte, welche er Sophie mitteilen wollte.
Hoffentlich würde sie ihn hören.
~Sophie, bitte glaube mir. Du musst mir einfach glauben. Das war nicht ich. Nicht mein eigener Wille. Wenn du meine Gedanken erforscht, wirst du die Wahrheit erkennen. Auch ich will die Menschen die dafür verantwortlich sind bestrafen. Wir können es zusammen schaffen……..~
Seine Kräfte verliesen ihn und ihm wurde schwarz vor Augen, doch kurz bevor er das Bewusstsein verlor, lies der Druck auf seinem Körper nach.
Er konnte wieder atmen und langsam wurde es wieder hell um ihn.
Sophie sank auf den Boden und mit bebender Stimme schluchzte sie.
“Es…..es tut mir leid. Ich hätte das nicht…… ich wollte doch nur……..meine Schwester………..”
Sie fing an zu weinen und rannte aus dem Raum.

Legards Knie zitterten und kein Wort kam über seine Lippen. Tarek ging zu Monkey und half ihm hoch.
“Was war denn hier los? Was hast du mit ihr gemacht?”
Monkey wirkte beschämt.
“Ich erkläre euch das später! Ich muss erst zu ihr!”
Er ging zur Tür und folgte Sophie in den Aufenthaltsbereich. Als er an Legard vorbei kam packte dieser seine Hand.
“Sie ist eine Gefahr. Wir müssen sie unbedingt los werden!”
Ein Blick von Monkey genügte um ihm klar zu machen, so etwas niemals wieder zu äußern.
Sophie saß wie ein Häufchen Elend unter dem Tisch und weinte noch immer.
Monkey kniete sich zu ihr.
“Komm raus Kleine. Was da eben passiert ist…..es war nicht deine Schuld!”
Schneller als er es für möglich gehalten hatte, sprang sie unter dem Tisch hervor und fiel ihm in die Arme. Sie klammerte sich so fest an ihn, das er sie beim Aufstehen einfach mit hochhob. Sie schluchzte mit leiser Stimme.
“Es tut mir auch leid. Ich werde das auch niemals wieder tun!”
Monkey setzte sie auf der Bank ab und streichelte ihr durch das feine Haar.
“Keine Sorge, wir sind doch jetzt Freunde.”
Er lächelte ihr zu. Ihm war nicht nach Lachen zumute, doch wusste er nicht was er sonst tun sollte.

“Und…..was hast du noch in meinem Kopf gefunden? War nicht so schön, oder?”
Sie schüttelte den Kopf.
“Nein, war es nicht. Das ist es eigentlich nie.”
Sie wischte ihre Tränen beiseite und setzte sich aufrecht hin.
“Der Mann in der Kirche…..”
Monkey nickte.
“Was ist mit ihm?”
Sie flüsterte ihm zu.
“Ich kenne ihn.”
Monkey war überrascht.
“Was? Bist du dir sicher?”
Sophie musste wieder mit den Tränen kämpfen und blickte in den Raum.
“Er kam…… und holte mich. Ich wusste damals nicht was geschehen war. Meine Schwester……..”
Sophie fing wieder bitterlich an zu weinen.
“Meine Mama hatte mich ihr in den Arm gelegt. Sie hatte gesagt, sie solle sich mit mir verstecken. Sie hatte so große Angst.”
Monkey versuchte das kleine Häufchen Elend zu trösten und legte seinen Arm um sie.
“Woher weisst du das alles? Du musst doch damals noch ein Baby gewesen sein.”
Sophie schluchzte noch lauter.
“Ich träume davon. Immer wenn ich schlafe. Genau wie ich es bei dir gemacht habe. So kann ich auch in mich selbst sehen.”
Es war unfassbar, welche Last dieses Mädchen zu tragen hatte.
Auch Legard und Tarek standen etwas Abseitz und hörten zu als sie fortfuhr.
“Ich weiß noch wie meine Schwester mich in den Verschlag unterm Haus legte und zudeckte. Sie sprach mir Mut zu und sagte sie wäre bald zurück.
Sie müsse nur kurz Mama helfen. Doch sie kam nicht wieder.”
Sophie atmete tief durch, ehe sie weiter erzählte.
“Ich weiß nicht wie lange ich dort gelegen habe. Irgendwann kam dieser Mann. Der, den ich in deinen Erinnerungen gesehene habe.”
Sie blickte Monkey in die Augen.
“Er nahm mich mit und brachte mich in das Labor, aus dem ihr mich gerettet habt.”
Monkeys Blick erstarrte, das konnte nicht sein.
“Ich weiß nicht was sie mit mir gemacht haben, aber der Mann sagte immer, was für ein Erfolg es wäre, mich in die Hände bekommen zu haben. Immer wieder sagte man mir, das in meinem Inneren etwas Besonderes schläft und das sie mir nur helfen wollten, es zu wecken.”

Monkeys Gedanken spielten verrückt. Ein eiskalter Schauer lief über seinen Rücken. Dieses schreckliche Verbrechen, nur um dieses kleine Mädchen in die Finger zu bekommen? Und sein Vater? War er etwa ein Mitglied des Ordens? Dann wäre sein eigener Vater auch für sein Schicksal mit verantwortlich.
Schwindel überfiel ihn und er hatte Mühe dagegen anzukämpfen.
Diese Bestie. Hat er das alles wirklich getan?
Monkey musste es wissen. Er musste seinen Vater zur Rede stellen.
“Es tut mir unendlich leid, was dir dieser Mann, angetan hat. Ich verspreche dir, wenn wir ihn finden und sich alles bewahrheitet, wird er nicht mehr lange genug leben um sich daran zu erfreuen.”
Monkey wandte sich an seine beiden Begleiter.
“Wir müssen ins Kilian System. Ich muss dort wohl jemandem einen Besuch abstatten.”
Etwas verwirrt blickte Tarek ihn an.
“Wollten wir nicht nach Cathcard? Im Kilian System, wirst du sicherlich keine Mitstreiter für unser Unternehmen finden!”
Natürlich hatte er damit recht, doch Monkey winkte ab.
“Das hier ist zu wichtig. Mach das Schiff fertig für den Sprung.”
Tarek ging wieder ins Cockpit.
“Legard, mach Sophie was zu Essen, sie kann sicher ne Stärkung gebrauchen.”
Legard wollte wohl grade seine Bedenken zum Ausdruck bringen, aber der erhobene Zeigefinger von Monkey überzeugte ihn doch es besser sein zu lassen.

Noch einmal beugte sich Monkey zu Sophie hinunter.
“Ich wünschte, ich wäre stärker gewesen und hätte deine Familie retten können. Ich möchte das du weist, dass du und deine Schwester, die mutigsten Menschen seid, die mir jemals begegnet sind. Ich werde dich beschützen. Komme was wolle. Und wenn es mich meine Leben kostet.”
Er wandte sich ab und lief Tarek hinterher. Dieser saß schon auf dem Pilotensitz und tippte wie wild auf den Instrumenten herum.
“Der Flug wird einige Zeit dauern. Wir befinden uns grade im Stanton System. Das sind mindestens sechs Sprünge. Gut das wir, während du geschlafen hattest nochmal tanken waren.”
Monkey grinste ihn an.
“Ich kenn da ne Abkürzung. Ein geheimer Sprungpunkt, den der Orden nutzt um unbemerkt in das Heiligtum der UEE zu gelangen. Und rate mal in welchem Sytem sich dieser befindet. Richtig…. Stanton.”
Tarek lachte.
“Na wenn das mal kein Zufall ist. Welcher Kurs?”

Kapitel 3

Der Sprungpunkt befand sich in den Tiefen der äußeren Randzonen Stantons. Noch hinter dem entlegen Asteroidengürtel, in welchem sie sich grade befanden. Langsam manövrierte Tarek den Retaliator zwischen den riesigen Felsen hindurch, die Scanner auf Anschlag, um mögliche Schiffe frühzeitig erkennen zu können.
Keine sinnloses Unterfangen, wie sie kurz darauf festellen durften.
“Monkey? Ich hab hier was auf dem Schirm!”
Legard klang besorgt.
“Was hast du?”
Monkey ging zu ihm hinüber und blickte auf die Anzeigen.
“Hier sind einige unklare Signaturen. Erst dachte ich es wären Schatten der Asteroiden, welche unsere Scanner stören. Aber dann fand ich das hier.”
Legard deutete auf die schwingenden Lienen am oberen Rand des Bildschirms.
“Ein Funkspruch?”
Monkey wurde neugierig.
“Können wir ihn mithören?”
Legard tippte hektisch auf dem Display herum.
“Die Übertragung ist verschlüsselt. Aber so wie es scheint, haben wir die passenden Codes im Schiffsspeicher. Das heißt dann wohl auch, das der Orden hier ist.”
Legard legte die Übertragung auf die Lautsprecher.

Rauschen erklang im Inneren des Schiffes und alle lauschten gebannt, als sich leise und undeutlich eine Stimme abzeichnete.
“Wir haben unsere Befehle………der Ältestenrat lässt keine Zweifel gelten.”
Eine zweite Stimme mischte sich ein.
“Ich bin nicht überzeugt, das sie dieses Risiko wert ist. Immerhin geht es hier um den Mars. Die UEE wird diesen Angriff nicht auf sich beruhen lassen.
Sollte uns nur der kleinste Fehler unterlaufen, setzen wir die Loge einer großen Gefahr aus.”
Ein Dritter Mann ergriff das Wort.
“Nach unseren Informationen, wäre Ihr Überleben eine weitaus größere Gefahr. Würde die EDA die Daten in ihrem Besitz in die Finger bekommen, würde das unsere Bemühungen der letzten hundert Jahre zunichte machen.”
Die Stimme vom Anfang erhob sich erneut.
“Es ist nicht unsere Aufgabe die Entscheidungen der Ältesten zu hinterfragen. Der Auftrag wird ausgeführt. Wir haben nur ein kleines Zeitfenster, bevor wir ihre Spur wieder verlieren. Sammelt die Flotte und dann weg hier. Für die freie Welt! Kahn Ende”

Die Lautsprecher verstummten. Alle blickten Monkey fragend an.
“Was schaut ihr mich so an? Ich hab keine Ahnung worum es da ging. Aber scheinbar gibt es noch jemanden der dem Orden an den Kragen will.”
Monkey zuckte mit den Schultern.
“Gut für uns, aber darum kümmern wir uns später. Hauptsache die verschwinden von hier und wir können unseren Weg fortsetzen.”
Er wandte sich wieder Legard zu.
“Können wir näher ran ohne entdeckt zu werden?”
Legard wirkte nicht sehr erfreut.
“Etwas sollte möglich sein. Aber warum warten wir nicht einfach bis sie weg sind?”
Monkey grinste.
“Neugierde!”
Er deutete Tarek an den Weg fortzusetzen.
Dieser fuhr den Großteil der Schiffssysteme herunter und steuerte nur noch mit den Manövrierdüsen weiter auf ihr Ziel zu.
Legard wirkte nervös und rutschte auf seinem Sessel hin und her.
“Ihr seid wahnsinnig, warum mach ich das eigentlich alles mit?”
Sophie hatte sich zu ihnen gesellt und kicherte vor sich hin. Langsam schien sie wieder Vertrauen zu ihnen aufzubauen.
“Du bist ja so ein Angsthase. Aber ich kann spüren, das noch viel mehr in dir steckt als du selbst vermutest.”
Tarek rief ihr zu.
“Wovon redest du da? Das einzige was in dem steckt, ist ne extra große Portion unseres Mittagessens. Mehr wirst du bei ihm nicht finden.”
Sophie lachte los. So unbeschwert und losgelöst, das ihre gute Laune alle im Raum ansteckte.
Es war als würde sie jeden von ihnen umarmen und ihre Sorgen in der Luft zerreisen. Eine weitere Fähigkeit die sie besaß, auch wenn sie diesmal nicht auf ihren Kräften beruhrte.

Sie näherten sich dem Rand des Gürtels und Tarek war der erste der das Lachen unterbrach.
“Leute kommt mal wieder runter, wir sind in Sichtweite.”
Tarek hatte den Bomber in den Schatten eines Asteroiden gelenkt. So sollten sie weiterhin unentdeckt bleiben. Monkey trat ans Fenster und starrte hinaus.
Die Flotte von der eben gesprochen wurde war gewaltig.
Dutzende Schiffe sammelten sich im Raum. Zwei für ein orbitales Bombardement ausgestattete Schlachtkreuzer, drei Begleitträgerschiffe und mehrere Corvetten machten sich bereit zum Abflug. Sie wollten nicht durch den Sprungpunkt soviel war klar, denn wenn ihr Ziel der Mars war, blieb ihnen nur die übliche Route.
Langsam setzten sich die Schiffe in Bewegung. Dutzende Geleitjäger schwirrten zwischen den großen Pötten umher. Würde einer von ihnen, ihren Retaliator entdecken, wären sie geliefert.
Monkey wurde leicht unwohl, als er bemerkte das die Flotte ihnen gefährlich nahe kam. Er flüsterte Tarek zu, obwohl das natürlich wenig Sinn machte.
“Schalt alles aus. Beeil dich.”
Tareks Finger huschten über die Anzeigen und kurz darauf wurde es dunkel im Cockpit. Das Summen der Maschinen vertstummte und man konnte die Anspannung in der Luft förmlich riechen.
Legard jammerte vor sich hin.
“Die werden uns sehen, Leute. Die werden uns sehen……..”

Zwei Corvetten flogen als Vorhut, nur wenige hundert Meter entfernt an ihnen vorbei. Gefolgt von einigen Hornets. Tiefschwarz, hoben sich die Schiffe nur wenig vom Hintergrund ab. Ein gespenstischer Anblick.
Nun zischten weitere Hornets vorbei und kurz darauf drängten die großen Kreuzer zusammen mit den Trägern in ihr Sichtfeld und füllten es bald vollständig aus. Man konnte von ihrer Position aus, bis ins innere der Kommandobrücken schauen. Sie beobachteten die hektische Betriebsamkeit an Deck. Die Navigatoren, die Steuermänner, die umherhuschenden Offiziere und den Captain. Jeder von ihnen nur auf das Ziel fixiert.
Diese Flotte besaß eine gewaltige Schlagkraft und Monkey hätte zu gerne gewusst, wer dieses Monstrum geweckt haben könnte.
Die schwarzen Schatten zogen nach und nach vorbei und nachdem auch die letzten Jäger verschwunden waren, gab Monkey das Zeichen zum Aufbruch.
Die Maschinen fuhren hoch und es wurde wieder hell um sie herum.
Mit einem leichten Ruck setzte sich der Bomber in Bewegung und verlies den Schutz der Asteroiden.

Sophie zupfte an Monkeys Anzug.
“Ich glaube sie sind noch hier. Ich spüre Gefahr.”
Bevor Monkey über ihre Worte nachdenken konnte, kamen zwei Corvetten ins Sichtfeld. Die Flotte hatte sie wohl zurückgelassen um den Sprungpunkt zu bewachen.
“Scheiße! Tarek gib Schub! Wir müssen springen! Sofort!”
Die Retaliator beschleunigte ruckartig und raste auf den kleinen Einflugsbereich des Wurmloches zu.
Legard brüllte ihnen zu.
“Sie haben uns erfasst und eröffnen das Feuer! Sechs Raketen befinden sich im Anflug!”
Monkey sprang an die Waffenkontrolle und aktivierte die Täuschkörper.
“Sie wissen wer wir sind! Tarek hol alles raus was das Schiff hergibt!”
Tarek tat was er konnte.
“Unser Anflugwinkel stimmt nicht, ich muss ihn korrigieren.”
Monkey antwortete knapp.
“Keine Zeit, rein da! SOFORT!”
Tarek schüttlete den Kopf.
“Das geht schief Boss. Wir werden da drinnen zerissen.”
Legard brüllte dazwischen.
“Vier weitere Raketen wurden abgefeuert. Wir haben keine Wahl.”
Monkey stimmte ihm zu.
“Rein da. Jetzt liegt es ganz an dir Tarek.”
Der Annnäherungsalarm schrillte los und wurde immer lauter.
Kurz bevor die Geschosse sie erreichten, traten sie in die Singularität ein.
Die Welt um sie herum verschwand.


// End Transmission

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