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Einer von Milliarden Episode 1 – von Garrit Soldner –

Der Autor

Im Real Live heißt „Garrit Soldner“ Rasmus. Er ist männlich, 26 Jahre alt, und kommt aus Wuppertal. Seit dem 4. Lebensjahr ist er ein Gamer.

Episode 1

„Frachter TR-α-214. Nennen Sie ihre Fracht und ihren Zielpunkt.“
„Hier Frachter TR α-214.Wir haben Nahrungsmittel für Centauri geladen.“
„Bestätige Frachter T-α-214. Sie haben sicher keine Einwände wenn wir ihre Fracht scannen? Es sind in letzter Zeit vermehrt Berichte von Sklavenhändlern in der Gegend aufgekommen.“
„Nur zu, wir haben Nichts zu verbergen.“
„Danke für ihre Kooperation.“ Garrit drosselte den Schub und wechselte den Kommkanal. „Hey Sayako, pass auf meinen Hintern auf. Habe keine Lust eine Kanonenbreitseite einzustecken während ich den Scananflug mache.“ „Keine Sorge, ich pass schon auf deinen süßen Hintern auf…“
Ein Schmunzeln huschte über seine Züge als er die Hornet ruhig auf Parallelkurs mit dem leichten Frachter der Freelancer-Klasse brachte und die Geschwindigkeit weiter drosselte, bis er nur mit wenigen km/h an dem Schiff vorbeiglitt. Die Sensoren machten sich nach einem einfachen Knopfdruck daran, das Schiff abzutasten, die festgestellte Fracht mit dem Frachtmanifest abzugleichen und nach ungewöhnlichen Signaturen oder Dingen zu suchen, die die Scanner schlicht blockieren.

Angespannt beobachtete er den Fortschrittsbalken des Scans. Zur Zeit war er mehr als verwundbar – so nah an dem Freelancer könnten die Schüsse einer versteckten Bordwaffe seine Schilde und Panzerung leicht zerfetzen und ihn ins Jenseits befördern. Umso erleichterter atmete er auf als er das Cockpit der Freelancer passierte und dem Frachterpiloten salutierte. „Alles sauber. Guten Weiterflug und halten Sie die Augen offen.“ „Verstanden UEEN λ-359. Viel Glück da draußen.“
Langsam drückte er den Schubhebel nach vorne und beschleunigte. „Schade. Ich dachte ich könnte noch etwas auf deinen Hintern aufpassen.“ Garrit drehte seinen Kopf nach rechts und sah wie sich die andere Hornet an seine Flanke begab. „Das hättest du wohl gerne.“ Auch wenn sie Helme trugen, konnte er vor seinem Inneren Auge sehen, wie Sayako grinste und ihm die Zunge raus streckte. Widerwillig schüttelte er darüber den Kopf und konnte das verhaltene Lachen am anderen Ende der Komm-Verbindung hören. „Noch ein Wegpunkt, dann gehts zurück zur Basis.“ „Wird ja auch Zeit. Ich hasse diese langen Patrouillen. Ich brauch was Warmes für meinen Magen und eine ausgedehnte Dusche.“ „Hör auf so herumzunörgeln du faules Stück. Du wusstest worauf du dich einlässt, als du dich der Navy angeschlossen hast.“ „Ja ja, ist ja gut du Besserwisser.“ Schweigen trat ein dann lachten beide, schalteten auf den nächsten Wegpunkt und aktivierten den Autopiloten.

Die folgenden Minuten verliefen ruhig – abgesehen von den typischen Geräuschen innerhalb der Hornet: das Piepsen der Anzeigen vor sich und das dumpfe Surren des Reaktors und der Triebwerke hinter ihm. Ein deutlich vehementeres Piepsen kündigte an, dass sie den Wegpunkt bald erreichen würden. Ein kurzer Blick auf die Entfernungsanzeige im Navbildschirm reichte Garrit bereits.
„Erreichen Wegpunkt in drei Minuten. Autopiloten deaktivieren, Sensoren auf Aktivmodus schalten und Augen offenhalten.“
„Verstanden.“ In einem anderen System als dem Elysium hätte die als ‚Kat‘ bekannte Pilotin sicherlich irgend einen geistreichen Spruch geliefert. Aber so nahe am Gebiet der Vanduul war es ratsam, seine volle Aufmerksamkeit der Umgebung zu widmen. Es gingen düstere Geschichten über die Vanduul umher. Eine dieser Geschichten behauptete, sie würden über Tarntechnologien verfügen. Natürlich waren das nur übertriebene Gerüchte die über das Stille Post Prinzip entstanden waren, aber jeder Pilot mit nur ein wenig Verstand war sich bewusst, dass ein Körnchen Wahrheit darin steckte: die Vanduul waren äußerst geschickt im Legen von Hinterhalten und Überraschungsangriffen. Mit ihrer kleinen Patrouille wären sie leichte Beute für die Räuber der Vanduul.

„Keine Sensorkontakte. Ich glaube wir kö- Moment…ich hatte da einen auffälligen Sensorschatten im Asteroidenfeld.“
„Verstanden Sayako. Gehen wir dem lieber nach. Funkstille halten und Waffen aktivieren.“ Es war eine unnötige Anweisung für die erfahrene Pilotin, aber das Protokoll verlangte es nun mal. Mit halbem Schub näherten sich die Hornets der Ansammlung von Fels- und Eisbrocken und starrten angespannt in das Wirrwarr, während die Sensoren auf Hochtouren liefen, um aus den Signalen schlau zu werden.

Es war nicht unbedingt hilfreich, dass die Asteroiden sich ständig bewegten und damit unzählige Formen umher huschten und Schatten aufeinander warfen. Vorsichtig schlängelten sich die beiden Jäger zwischen den Asteroiden hin und her, doch was auch immer Sayakos Hornet empfangen hatte, entzog sich bisher jedem Versuch des Aufspürens. Der Kollisionsalarm heulte auf, als ein mittelgroßer Asteroid wie aus dem Nichts hinter einem größeren Asteroiden vor ihnen auftauchte. „Ausweichen!“ bellte Garrit in den Funk und riss die Maschine nach links; im Augenwinkel konnte er noch sehen, wie Sayako nach rechts zog, ehe der Asteroid die Sicht versperrte. „Verdammt!“ hörte er über den Kommkanal und befürchtete schon das Schlimmste. Die Hand ging bereits zum Schubhebel und wollte ihn nach vorne schieben, als der Asteroid vorbei war und er den selben Anblick zu sehen bekam, wie wohl Sayako vor wenigen Augenblicken. Ein Freelancer schwebte zwischen den Asteroiden. Oder zumindest was davon übrig war. Scheinbar war der Reaktor überlastet worden und explodiert – es ließ sich darauf schließen, wenn man die unzähligen Trümmerstücke in Betracht zog und die nach außen gerichtete Wölbung des vorderen Teils des Schiffs. Allerdings deuteten die geschmolzenen Panzerplatten und Brandspuren entlang des Wracks auf ein äußeres Einwirken hin, das zu dem Ereignis geführt hatte. In einem Umkreis von mehreren Dutzend Metern waren verkohlte oder gefrorene Leichenteile zu finden, die durch die Leere schwebten. Die Rettungskapsel, die im Bug fehlte, schwebte ein Stück weiter voraus – sauber in der Mitte durchtrennt – samt der Passagiere.

„Vanduul…“ murmelte Garrit und scannte das Wrack nach der Identifikationskennung. Es dauerte einige Weile, während die Kennung mit der Datenbank abgeglichen wurde. Während dessen untersuchte Sayako einige Wrack- und Leichenteile. „Wenn ich raten müsste, würde ich sagen dass es ein „Sklavenschiff“ war. Richtig – das Schiff wurde von der Anwaltschaft in Verbindung mit Entführung, Sklavenhandel und einigen anderen Schwerverbrechen gebracht. Sieht so aus, als ob sie zur falschen Zeit am falschen Ort waren und an die Vanduul geraten sind. Diese haben jedenfalls ihrem Ruf alle Ehre gemacht und keine Überlebenden zurück gelassen.“ Sayako schwieg dazu und er wusste genau warum. „Komm, hier können wir nichts mehr machen. Kehren wir zur Basis zurück und geben unseren Bericht ab.“ „…Okay…“

Auf halbem Wege aus dem Asteroidenfeld erlebten sie eine enorme Überraschung. Eine Vanduul-Scythe trudelte Funkensprühend durch den Raum, nur angetrieben von den Manövriertriebwerken. Dem Loch am Heck nach zu urteilen, hatten sich die Haupttriebwerke in einer kleinen Explosion verabschiedet. Nun sprühten nur noch zwischen den offenliegenden Kabeln Funkem umher und aus einigen Leitungen waberten Flüssigkeiten in sich ständig verändernden Tropfen ins All hinaus. Doch ehe sie die Möglichkeit hatten, dem Jäger auch nur Nahe zu kommen, löste er sich in einer grellen Explosion auf. Geblendet wandte Garrit für einen Moment das Gesicht ab. Als er zurückblickte, waren nichtmals aufsammelbare Trümmerteile zurückgeblieben.
„Wahnsinnige…“ kommentierte Sayako das Ganze. „Das kannst du laut sagen. Sprengen sich lieber in die Luft als Gefangen genommen zu werden….Vermutlich sind die Sklavenhändler nicht kampflos untergegangen und haben den Jäger schwer beschädigt.Irgendwie hat er überlebt und versucht nach Hause zu kommen. Bis er von uns entdeckt wurde. Zumindest haben wir nun ein weiteres Indiz für den Hergang des Ganzen. Der CAG wird sich freuen…“ Wortlos drehte Sayako bei und sie erreichten den Rand des Gürtels ohne weitere Zwischenfälle. „Kurs Heimatbasis. Autopiloten aktivieren.“ „Aye Sir. Ich freue mich schon auf meine Dusche und eine warme Mahlzeit.“

Endlich kam die Basis in Sicht. Der Bengal-Träger ‚Talon‘ hielt immer noch seine Position relativ nahe am Sprungpunkt zum Centauri-System. „Flügel γ-3 an Flugkontrolle. Kehren von unserer Patrouille zurück. Bitten um Landeerlaubnis.“ „Hier Flugkontrolle. Flügel γ-3, Sie haben Landeerlaubnis. Der CAG erwartet Sie im Besprechungsraum für ihren Bericht.“ „Flügel γ-3 bestätigt. Setzen zum Landeflug an.“ Es tat gut das alte Mädchen zu sehen. Es ging doch nichts über die Heimat, selbst wenn es nur ein gewaltiger Stahlklotz war. „Also gut Sayako, Ladies first.“ „Oh wie höflich. Wir sehen uns gleich auf dem Deck.“
Nachdem Sayakos Hornet gelandet war, konnte Garrit ihr endlich folgen und kletterte kurze Zeit darauf aus dem Cockpit des Kampfjägers. Sayako wartete bereits ein paar Meter entfernt und hatte den Helm abgenommen, den strengen Dutt gelöst und das lange Haar in einem Pferdeschwanz gebändigt. Ihre grünen Augen fixierten Garrit zwar, aber sie wirkte irgendwie neben der Spur. „Lass uns den Bericht abgeben. Du siehst aus als könntest du ein bisschen Schlaf gebrauchen.“ Mhh…“ war die einzige Reaktion.

Zusammen stiefelten Sie zum Besprechungsraum. Commander Dobovitch wartete bereits an dem Holoprojektor und starrte die beiden aus seinen mausgrauen, durchdringenden Augen an. Noch während des Saluts schossen die Worte Kugeln gleich aus seinem Mund. „Sie liegen hinter dem Zeitplan, Lieutenant Soldner. Ich hoffe für Sie, dass es einen triftigen Grund dafür gibt.“
Garrit erwiderte den Salut und nickte. „Aye Sir. Wir trafen auf einen kleinen Frachter und mehrere Erkundungsschiffe, doch alles legal. Allerdings sind wir im Asteroidengürtel am letzten Wegpunkt auf das Wrack eines Freelancers gestoßen. Alles sieht nach einer Vanduul-Attacke aus. Die Kennung des Wracks passt zu einem gesuchten Sklavenhändler-Schiff. Wir sind auch über eine beschädigte Vanduul-Scythe gestolpert.“ Er warf Sayako einen kurzen Seitenblick zu, die sich wohlweislich bedeckt hielt. Der CAG war nicht bekannt dafür, Humor zu verstehen. „Die taktische Analyse überlassen Sie bitte mir, Lieutenant“ ermahnte er Garrit im scharfen Ton. „Aber dennoch gut gemacht. Die Auswertung ihrer Flugschreiber wird sicherlich hilfreich sein. Wegtreten.“ Ein knapper Salut erfolgte und die beiden Piloten verließen den Besprechungsraum geschwind, ehe dem CAG noch Einfiel, dass er ihnen irgend eine Extraarbeit oder Strafe auf brummen konnte.

„Nichts wie in Richtung Qua-“ Garrit wurde jäh unterbrochen, als Sayako seinen Kragen packte und ihn in einen langen Kuss zerrte. „Ich brauch jetzt erst mal etwas Entspannung. Du schuldest mir noch eine Rückenmassage, Mister. Also Marsch Marsch, bevor ich mir noch eine Strafe für dich ausdenke.“ Grinsend salutierte Garrit. „Aye aye Ma’am. Bin schon auf dem Weg.“ Da draußen war er ihr Vorgesetzter und hatte die Befehlsgewalt. Aber hier war sie die Chefin.

TO BE CONTINUED

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