thumbnail-default

Die 7. Schwadron Episode 1 – von SEV –

Der Autor

Ich bin Richard Rohde, 25 Jahre alt, komme aus dem schönen Norden und beschäftige mich in meiner Freizeit mit so ziemlich allem wobei ich mich kreativ austoben kann und natürlich mit Videospielen.
Videobearbeitung ist dabei meine Lieblingsbeschäftigung, ich erstelle/komponiere auch Musik, bastele Grafiken und natürlich schreibe ich sehr gern und am aller liebsten denke ich mir spannende Geschichten und Charaktere aus, die ich, wenn ich die Möglichkeit dazu hätte, sofort in einen Film verwandeln würde.

Desweiteren habe ich eine Schwäche für Science Fiction. Denn mal ehrlich, wie kann man bei einem Blick in die Sterne nicht fasziniert von der Zukunft und dem Universum sein?

Ich bin mit Star Wars aufgewachsen und werde immer noch schief angesehen, wenn ich bei der Frage ob ich einer Religion angehöre, Jedi sage und bin zuletzt bei Mass Effect hängen geblieben. Ein Setting das ich über alles liebe.

Doch nachdem in den letzten Jahren immer weniger Raumschiff-Spiele erschienen sind, die mir in früheren Jahren immer den meisten Spaß bereitet haben und ich die letzten Jahre in X3 meine Flugkünste unter Beweis gestellt habe, wurde ich nun förmlich in die Arme von Chris Roberts getrieben als dieser sein Spiel ankündigte. Es gibt viele Gründe warum ich dieses Spiel unterstütze und so fanatisch drauf warte, dass ich ganze Seiten schreiben könnte, jedoch denke ich, dass jeder der das hier ließt ebenso ein „Fanatiker“ ist^^.

Der Gedanke zu einer Hintergrundgeschichte, zu dem Charakter Sev, ist mir während eines Foren-Rollenspiels gekommen, bei dem ich erstmalig teilgenommen habe und als Schreiberling sofort begeistert darüber war, wie sehr man sich doch mit dem Charakter, über den man schreibt, auseinander setzen muss.
Es reichte mir nicht zu wissen welche Charakterzüge der Charakter besitzt, sondern musste ich mir auch Gedanken darüber machen, warum der Char so handelt und aufgrund welcher Vergangenheit.

Diese Vergangenheit versuche ich hier nun zu erzählen und möchte dabei eine spannende Geschichte erzählen, bei der es um das Militär, Politik, Wirtschaft und interessante Charaktere mitten im Star Citizen Universum geht.

Teil 1 Prolog

Der heutige Sonnenaufgang auf Prime war einzigartig. Der helle, fast schon weiße Boden auf Prime, erglühte in einem breiten Farbspektrum während die beiden Sonnen nahezu gleichzeitig am Horizont wie zwei gigantische Feuerbälle emporstiegen. Nur alle 6 Monate passierte eine Sonne die andere und tauchte den Himmel in einen Regenbogen-artigen Farbverlauf, hervor gerufen von Sonnenstürmen überzogen Polarlichter den gesamten Himmel. Die Wärme, auf dem recht kalten Planten, der durch seine helle Oberfläche die meisten Sonnenstrahlen reflektierte, war bei diesem Ereignis besonders intensiv, und so saß Hien auf dem steinigen Hügel und schaute sich dieses Wunder der Natur an.

Er war fasziniert und faste bei diesem Anblick Inspiration. Mit acht Jahren war er sich bereits sicher, dass er irgendwann Musik schreiben würde. Keine neumodische, deren Klänge nur noch aus simplen Abfolgen, von computergenerierten Tönen bestand und keine Seele besaß. Er wollte die Menschen berühren, emotional, Gefühle mithilfe von simplen Instrumenten wecken, die in der heutigen Zeit schon beinahe in Vergessenheit geraten waren. Er wollte diese Musik wiederbeleben und wusste nicht, ob das nur ein Traum eines Kindes bleiben würde.

Doch er glaubte fest an die Zukunft. Er würde es schaffen. Er würde seinen Traum leben. Und der Ausblick auf die weiten, hell leuchtenden Täler vor sich, machten ihm Mut. Er würde alles schaffen was er sich vornehmen würde.
Doch hatte er bei dem Anblick völlig vergessen, das er bereits seit einer halben Stunde zuhause sein sollte und erst die grollenden Laute von Triebwerken rissen ihn aus den Gedanken. Hastig stand er auf, erhaschte noch einen letzten Blick auf die majestätischen Sonnen und machte sich auf, als das grollen immer Lauter wurde und nun einige Raumschiffe, nicht weit über seinen Kopf hinüber flogen. Lachend blickte er nach oben und winkte den Raumschiffen zu.

Als plötzlich ein Stimme durch seinen Kopf schalte, die immer lauter wurde:
„ Hey! Hör auf zu träumen, Hien!“
Alles schien verschwommener zu werden, wie in einem Traum aus dem man aufwachte. Die Stimme füllte alles aus, und schien immer deutlicher und klarer zu werden:
„ Hey, Richter! Komm schon!“

2939
Taifun-System

„Hey! Aufwachen Soldat!“
wurde Hien von der Seite angebrüllt, ehe ihn ein harter Schlag an der Schulter traf und aus den Gedanken riss. Er schielte zur Seite hinüber und blickte in das breit grinsende Gesicht von Alac, der nun neben ihm Platz auf der Metallbank nahm und weiter witzelte:
„ Wer soll mir sonst meine Abschüsse notieren? wenn du hier verschläfst?!“
Kurzerhand griff Hien nach seinem Arm und tippte eine 0 auf seinem Multifunktionsdisplay ein, das darauf angebracht war:
“ Hier! Das sollte für die nächsten Monate ausreichen!“
Alac lachte laut und zappelig wie er war, stand er wieder auf und setzte sich auf die gegenüberliegende Sitzbank, in dem engen Truppentransporter und ging einem anderen Soldaten auf die Nerven.

Es handelte sich um einen Hammer MK 4, bewaffnet mit lediglich leichten Geschützen, nicht für den Kampf geeignet.
Es war eng. Lediglich ein 1 Meter breiter Gang trennte die beiden Sitzbänke auf denen 20 Mann Platz fanden, und heute bis zum letzten Platz besetzt waren. Das Licht war grell und blendete Hien nachdem er für einige Minuten die Augen geschlossen hatte. Er rieb sich die Augen, fuhr durch sein Gesicht, über die Bartstoppeln seines 3-Tage Barts und durch seine dunkelblonden, kurzgeschnittenen Haare ehe er wieder vollständig bei sich war.

„ Hey! Sag nicht so was! Vergiss nicht wie ich dir auf Theta 3 den Arsch gerettet habe!“
hörte er Alac, wie er nun Rho auf die Nerven ging. Hien kannte Alac seit der Grundausbildung und hatte noch nie ein größeres Großmaul erlebt. Er riss Witze, ging jedem auf die Nerven, doch verbreitete er auch gute Stimmung. Die vor einem Einsatz immer für eine lockere Atmosphäre sorgte und etwas Ablenkung bot.
„ Theta 3? Ich hab dich da nur wegrennen sehen!“
brummte Rho mit seiner tiefen rauen Stimme.

Der Berserker wie er auch von vielen genannt wurde. Wenn seine breiten Schultern, Größe über 2 Meter oder sein breites Gesicht einen noch nicht einschüchterten, würde es gewiss das Impulsgewehr schaffen, dass er als Schwerer Schütze am liebsten verwendete.
Doch Alac ließ sich davon nicht abschrecken. Die Sticheleien mit ihm waren das Sahnehäubchen auf jedem Flug in einem Truppentransporter, wo Rho sich nicht einfach aus dem Staub machen konnte. Auch wenn Alac sich schon das eine oder andere Mal eine eingefangen hatte.

Lachend mischte Wifi sich ein:
„ Bingo! Du bist schneller gerannt als ein Haufen Flachkatzen auf der Flucht vor einem Masajiha-Wolf!“
Wifi, als einzige Frau im Gamma-Squad, musste reichlich sexistischer Witze von Alac über sich ergehen lassen, doch war sie die letzte die sich das gefallen ließ und ihm mächtig Paroli bot.
Er hob die Arme und meinte mit jucksiger Stimme:
„ Was soll man machen? Wenn der RV-Punkt mitten in einem Artillerieschlag liegt? Ich bin noch nie zuvor, so schnell in meinem Leben gerannt. Die Flotte sollte Taktisches Artilleriefeuer als Ausbildungsroutine einführen! Das würde neue Rekruten auf Zack bringen!“
Ehe er nun anfing, vor Rho’s Nase in die Luft zu boxen. Wifi setzte sich neben Hien und fragte mit gedämpfter Stimme:
„ 50 Credits! Das er heute wieder eine gescheuert bekommt!“
Hien rechnete amüsiert durch. Solche kleinen Ablenkungen, ließen ihn immer etwas entspannen:
„ Das letzte Mal war……..auf dem Weg zu Hellgoland-Station! 4 Flüge her…….die Wette halte ich!“
Rho’s Gesicht wurde zunehmend ernster, doch Alac schien dadurch nur noch mehr angestachelt zu werden, ehe Rho ihn nun aggressiv anbrummte:
„ Wenn du nicht gleich aufhörst, ramme ich dir dein Scharfschützengewehr so tief in deinen Arsch, dass selbst deine Mutter sich vor Schmerzen krümmt!“
Hien ließ ein leises seufzen von sich.
„ Naja, man kann nicht immer gewinnen!“

Zusammen mit Ihrem Squadleader, Sergeant Sykes, bildeten sie das Gamma-Squad der 7en Schwadron. Eine Infanterie-Einheit der UEE, spezialisiert für Schnelles Absetzen auf allen Planeten dieses Universum.
Ihre Standard Ausrüstung bestand aus Arcterus MK4 Rüstungen, gefertigt aus Durapolymere und Halbvisier-Helmen der 3en Generation, vollgepackt mit allerlei netten Spielereien. Die Kampfanzüge in Dunkelgrauen Tarnfarben erinnerten eher an moderne Versionen von Mittelalterlichen Rüstungen. Dicke Panzerplatten die über den gesamten Körper verteilt waren, mit einem Haufen Taschen, Kabeln, Elektronik und dutzenden Anzeigen.
Bereits seit 6 Jahren war Hien Teil der UEE-Streitkräfte und hatte in seinem Alter von 23 Jahren, bereits mehr gesehen als ihm lieb war. Er hatte viele Kameraden verloren, gute Freunde und versuchte gar nicht mehr, außerhalb seines Squads, sich mit anderen anzufreunden. Doch auch so sehr er es versuchte, ließ sich das nicht vermeiden, wenn man Monate lang auf engstem Raum zusammenlebte, die Gewohnheiten und Macken eines Soldaten kennen lernte, sich über Probleme austauschte und gemeinsam sein Leben teilte.
Wenn Hien sich im Transporter umsah, erkannte er eine Menge Gesichter, zu denen er am liebsten lediglich einen Namen gewusst hätte, anstatt einer Lebensgeschichte und Familienhintergründen.
Er hätte dann kein guten Freund, keinen Kameraden verloren sondern nur eine Hundemarke mehr einsammeln müssen. So absurd der Gedanke auch war, konnte Hien diesen vor einem Einsatz nicht aus dem Kopf schlagen.

Er kannte Leid und Qualen nur zu gut und das nicht erst seit dem Dienst im Militär. Er war geflohen, vor seiner Vergangenheit. Wollte alles hinter sich lassen und im Dienste der UEE gegen Barbarei, Piraterie und Ungerechtigkeit vorgehen.
Hier konnte er ein anderer Mensch sein, mit einer anderen Vergangenheit und nach seinen Vorstellungen, hatte sein Leben erst mit dem Eintritt in das Militär begonnen.
Davor gab es nichts, belog er sich selbst. Doch es funktionierte, vielleicht zu gut. Die dauernden Einsätze lenkten ihn ab, richteten seine Motivation und Kraft auf etwas anderes und so wurden die einzigen Ziele die er hatte, von seinen Vorgesetzten diktiert.
Auch wenn der Umgang der UEE mit den eigenen Truppen es nicht gerade leichter machte. Bei einer Bevölkerung von über 100 Mrd., in den registrierten UEE Systemen, ging die Regierung mit Soldaten genauso um, wie Rho mit Munition.
Alac witzelte immer:
„ Was ist der Unterschied zwischen einem Marine und einem Kampfroboter? Der Roboter hat einen Recyclingwert!“
Und in angesichts dutzender größerer und kleinerer Konflikte, die die UEE bedrohten, waren selbst Verluste von ein paar hundert Infanteristen, oder Frontschweinen wie sie sich selber des Öfteren nannten, ein nicht nennenswerter Zwischenfall um dem Imperator seinen Weg zu bereiten.
Auch wenn Hien das klar war, war es ihm egal. Inzwischen kannte er nichts anderes mehr als das Militärleben und befehle zu befolgen und so war er bereitwillig dazu bereit, ein Werkzeug zu sein.
„ Auhaaaaaaaa!“
schrie Alac auf und Hien konnte sich ein Lachen nicht verkneifen, als er Rho sah, der gerade in Begriff war Alac’s Zenturio Scharfschützengewehr, diesem in den Hintern zu schieben. Wifi warf Hien einen schiefen Blick zu doch er erwiderte:
„ Das zählt nicht! Er hat ihm keine geklatscht!“
Plötzlich schob sich die Metalltür, die zum kleinen Kommandoraum im vorderen Teil des Schiff führte unter einem zischen auf.
„ Seid ihr fertig, meine Damen?!“
schallte eine autoritäre Stimme durch den Transporter und der Kommandeur der 7en Schwadron trat hinaus. Hien sprang auf und brüllte:
„ Achtung! Offizier an Deck!“
Die gesamte Mannschaft sprang unter klirrenden Waffengeräuschen auf und ging ins stillgestanden. Alac musste erst sein Gewehr aufheben und eilte hastig zu seiner Position neben Hien.
Mit festem Blick trat Kommandeur Terrex, gefolgt von den 7 Squadleadern heraus.
Er sah genauso aus, wie man es von einem Soldaten in der 6 Generation erwarten würde. Kurzer Haarschnitt, ein grimmiger Gesichtsausdruck und der typische, soldatenhafte Gang. Mit festen Schritten ging er gerade Wegs durch den Gang und beachtete Alac’s Verfehlung nicht weiter.
„ Rühren Männer!“
sagte er schroff während die Squadleader bei ihren Männern Platz nahmen.

„ Sie kennen die Einsatzbefehle! Nun erhalten sie die neuen Infos von der Front! Wie sie bereits wissen, greifen Vanduulden Mond, Muna-15 an. Inzwischen ist der Feind bis nach Maza-City vorgedrungen. Die 4te Army-Division hat schwere Verluste erlitten. Doch konnte sie einen Verteidigungsring um wichtige Einrichtungen der Stadt bilden, einschließlich dem Atmosphärengenerator.“
Der Kommandeur setzte seinen Weg fort, schaute in das Gesicht, jedes einzelnen Soldaten an dem er vorbei lief, während er weiter erläuterte:
„ Anstatt direkt in die Front einzugreifen, werden wir die Operationszentrale des Gegners finden und zerstören. Diese wird in den Bergen vermuten.
Für Notfälle ist ein Kreuzer der Interceptor-Klasse Rufname Victor-3 und ein Träger der Bengal-Klasse Rufname Zulu-4 unterwegs. Der Kreuzer wird Beschuss aus dem All sicherstellen. Denken sie daran! Wo das Feuer eines Interceptor’s einschlägt, bleibt nichts stehen! Überprüfen sie die Koordinaten 3 mal, ehe sie interstellaren Beschuss anfordern!
In 5 Standard-Stunden werden Victor-3 und Zulu-4, Muna-15 erreichen. Schwadron 1 – 6, haben den gleichen Auftrag und werden in einem Umkreis von 10 Klicks um das Trafau-Gebirges abgesetzt. Wenn sie in Schwierigkeiten geraten, rechnen sie nicht damit, das Ihnen eine andere Schwadron zu Hilfe kommen kann. Suchen sie den Ausgangspunkt dieses Angriff und reißen sie diesen widerlichen Vuuls den Arsch auf! Hab ich mich klar ausgedrückt?“
Die gesamte Schwadron antwortete unter lauten Rufen:
„ Sir, Ja Sir!“
Der Kommandeur ließ seinen Blick durch die Gesichter der Untergeben schweifen und sagte:
„ Zeigen sie den Mistkerlen, das es eine Hölle gibt!“
Ehe er sich umdrehte und wieder in den Kommandoraum verschwand.

Alac blickte zu Hien und fragte mit flüsternder Stimme:
„ Hast du das gespürt?“
Im wissen was folgen würde setzte sich Hien mit einem Kopfschütteln und Alac führte fort:
„ Das ist er wieder…..dieser Gänsehautmoment!“
Er horchte einen Moment vor sich hin, als würde er etwas interessantes hören, mit ausgestreckten Zeigefinger der nach oben zeigte:
„ Uuuuund da ist er auch schon wieder vorbei!“
Er lockerte sich wieder und widmete sich Rho:
„ So Rho! Wo waren wir gerade stehen geblieben? Ich wollte dir gerade eine Abreibung verpassen!“
Hien konnte deutlich sehen wie eine Ader an Rho’s Stirn hervor trat, doch widmete er sich nun Sergeant Sykes, dem Squadleader von Gamma, der neben ihm Platz genommen hatte:
„ Und Searge? Wie sieht’s aus?“
Sykes war Mitte 30, hatte ein rundliches Gesicht und einen Vollbart. Einige Falten zeichneten sich an seinen Augen ab, die stets traurig und etwas müde wirkte. Doch heute stellte Hien auch Sorge in ihnen fest, als Sykes begann sich mitzuteilen:
„ Diese verdammten Idioten vom Oberkommando! Keine Aufklärung, keine Infos und die Berichte von der 4ten, lassen auch mehr als zu wünschen übrig. Kurzum, wir werden Blind ins Feindgebiet abgesetzt.“
Hien rief eine Karte auf dem MFD ( Multifunktionsdisplay) auf, und überblickte das Zielgebiet. Er musste seinem Vorgesetzten nicht sagen was er von ihm wollte.
Hien war ein guter Stratege und so zog Sykes ihn des Öfteren für Planungen und taktische Einschätzungen heran. Inzwischen gingen sie den gesamten Einsatz zusammen durch bevor es los ging, was inzwischen zu so etwas wie einem Ritual geworden war. Sykes tippte auf der Karte rum:
„ Hier ist die Kolonie Maza-City, in der die 4te Stellung bezogen hat und hier 20 Klicks nördlich ist der Trafau-Handelsposten. Die Operationszentrale der Vuuls wird irgendwo dazwischen in den Gebirgen vermutet.“
Mit konzentrierten Blick studierte Hien die Karte ehe er fragte:
„ Vermutet?!“
Sykes rüsperte:
“ Typisch Oberkommando! Diese verdammten Sesselfurzer! Du weißt nicht wo der Feind sich versteckt? Na dann such in den Bergen!“
Hien grinste und studierte weiter die Karte ehe er sich lange mit Sykes unterhielt. Desto mehr Hien erfuhr, desto unwohler wurde ihm in der Magengegend.
Doch er war ein Soldat, zum kämpfen geboren und wie der Kommandeur es sich wünschte, würde er den Vanduul zeigen, dass es eine Hölle gibt.

-1 Stunde später-

Die 7. Schwadron wurde bei dem Eintritt in die künstliche Atmosphäre des Mondes kräftig durchgeschüttelt. Die Haltebügel die vorher hinunter geklappt waren, fixierten die Soldaten auf den Sitzbänken und verhinderten, dass sie durch den gesamten Transporter geschleudert wurden.
Die Erschütterungen schienen bis auf Hien’s Knochen durchzudringen. Alac schrie gegen das laute Krachen und Scheppern an, das durch die unaerodynamische Form des Transporters noch verstärkt wurde:
„ Yeeeaaahhhh! Ich liebe diese Scheiße!“
Als plötzlich das Licht ausfiel. Es dauerte einige Sekunden, ehe das rote Gefechtslicht ansprang und Wifi brüllte:
„ Ich hasse es, wenn sie das machen!“
Es war ein unangenehmes Gefühl in kompletter Dunkelheit nur schwarz zu sehen und dabei so kräftig durchgeschüttelt zu werden. Viele Piloten wussten das und wenn sie mit irgendeinem Infanteristen im Klinsch lagen, schalteten sie absichtlich in dieser Phase auf das Gefechtslicht um. Hien brüllte zurück:
„ Wer von euch hat ihn verärgert?“
Alle Blicke richteten sich auf Alac, der nach einem knappen zögern zurück schrie:
„ Was?! Seine Schwester ist nun mal Fett! Ist es schon verboten die Wahrheit zu sagen?“

Plötzlich wurde der Hammer von einer heftigen Erschütterung erfasst, die Hien so stark nach vorne stieß das ihm eine Sekunde schwarz vor Augen wurde. Noch ehe die Lautsprecher, über die die Funk-Kommunikation mitzuhören war los schallten, wusste Hien das etwas nicht in Ordnung war:
„ Beschuss! Sieben unter Beschuss!!!“
Weitere Erschütterungen erfassten den Hammer unter lautem Knallen. Funken wurden durch den Raum geschleudert und das rote Gefechtslicht fing an zu flackern.
Hien blickte in die Gesichter der Schwadron. Die Heiterkeit war in Bruchteilen von Sekunden in Anspannung und Angst umgeschlagen.
Hien’s Herz fing an zu pochen und mit aller Kraft krallte er sich an dem Sicherungsbügel fest. Selbst Alac, der sonst alles mit lockeren Humor nahm, konnte man seine Anspannung anhören:
„ Scheiße! Was gibt es erbärmlicheres als ein Frontschwein das noch IN der Luft abgeschossen wird?“
Rho schien der einzige, dem diese Situation offenbar völlig unbeeindruckt ließ und antwortete mit seiner tiefen ruhigen Stimme:
„ Alac!“
„ Das war unnötig mein Großer!“
Erwiderte Alac abgehackt, da sie inzwischen so heftig durchgerüttelt wurden, dass selbst sprechen nicht mehr möglich war, als plötzlich ein weiterer Knall ertönte und erneut ein heftiger Stoß den Hammer durchlief.

Hien’s Kopf wurde brutal gegen die Wand geschleudert und nur sein Helm verhinderte schlimmere Verletzungen. Unter schrillem Ton ging der Alarm los, ein Feuer brach im hinteren Teil des Transporters aus und panische Rufe, Schreie und wimmern der Soldaten füllte alles zwischen dem lauten Krachen und Wummern aus. Ein hektischer Funkspruch war über den Lautsprecher zu hören:
„ Sieben getroffen! Wiederhole! Sieben getroffen! Wir stürzen ab!“
Hien’s Herz fing an zu rasen, er presste die Augen zusammen und konnte nicht einen klaren Gedanken finden. Er würde sterben. Alles schien sich zu überschlagen. Er hatte nichts. Nichts voran er vor seinem Tod denken konnte, außer seinem Squad, die mit ihm zusammen, in diesem brennenden Schiff zur Hölle saß.
„ Oh, scheiße! Verdammt!“
Schallte es erneut über die Lautsprecher:
„ Scheiße Scheiße SCHEIßE! Hier Sieben, ungefähre Position, Victor-India……..“
„ Achtung! Pass auf!!!“
„ Ausweichen! Ausweichen!“
„ Aaaaahhhhhhh!!!“

Erneut knallte es und übertönte alles dagewesene. Eine Druckwelle breitete sich vom Bug bis Heck des Transporters aus und schleuderte alles was nicht befestigt war, durch den Gang.
Viele Soldaten schrien auf und der Luftzug fachte das Feuer an, das nun wie ein Feuerball durch den hinteren Gang schoss und die Soldaten bei lebendigen Leibe kochte und verbrannte, ohne das die Männer, festgeschnallt auf ihren Sitzen, die Möglichkeit zur Flucht gehabt hätten.
Hien hörte die Schreie und presste die Augen noch weiter zu.
Die Lautsprecher erklangen unter einem wimmern erneut:
„ Haben Piloten verloren! Oh man! Wir stürzen ab! Wir schaffen es nicht! Bereit zum Aufschlag machen!!! 3!“
Hiens rasendes Herz schien stehen zu bleiben. Er atmete ein und hielt die Luft an während sein gesamter Körper sich verkrampfte.
„ 2!“
Panisch versuchte er an irgendwas zu denken, an irgendwas, das er sich ein letztes Mal in Erinnerung rufen wollte.
„ 1!“
Als sich innerlich ein Bild von seiner Familie abbildete.
Ein lautes Krachen ertönte und Hien wurde hin und her gerissen, ehe plötzlich alles schwarz wurde.
Hien hatte nicht lange bis nach Hause gebraucht. Der Hügel von dem aus er den Sonnenaufgang betrachtet hatte, war nicht weit von der kleinen Siedlung entfernt, in der er lebte. 30, vielleicht 50 Gebäude standen verteilte auf den von Gräben und Abhängen durchzogenem Tal.
Es war eine kleine Forschungsstation, weit abgelegen von sämtlicher Zivilisation. Hien wusste nicht was genau hier erforscht wurde und jedes Mal wenn er seinen Vater fragte antwortete dieser nur:
„ Eines Tages wirst du es verstehen!“
Hastig rannte er durch die Siedlung, winkte freudig, mit einem breiten Grinsen jedem Nachbarn, die schon gute Bekannte waren. In einem kleinem Dorf, mitten im nirgendwo, behandelte man sich wie eine große Familie.
Er lief weiter, vorbei an dem Haus seiner besten Freundin, vorbei an dem Supermarkt dessen Verkäufer ihm jedes Mal eine Tüte Süßigkeiten zusteckte und erreichte schließlich sein Zuhause.
Er stürmte in die Tür hinein wo bereits sein Vater mit verschränkten Armen und festem Blick auf ihn wartete. Hien machte sich schon auf einen Arsch voll Ärger gefasst, doch lockerte Jason Richter seine Haltung und sagte mit einem lächelndem Gesicht:
„ Na mein Sohn…..hast du wieder einmal die Zeit verschlafen?“
Hien sah ihn mit Hundeaugen an und sagte beschämt:
„ Jaaa…..“
Jason ging mit einigen Schritten auf seinen Sohn zu und kniete sich zu ihm nieder:
„ Du hattest es doch versprochen.“
Hien wich seinem Blick aus und sein Vater legte vertrauensvoll eine Hand auf seine Schulter:
„ Ein Versprechen ist nicht einfach nur eine Abmachung. Es ist ein Bund. Ein Bund auf den sich jemand verlässt!“
Hien blickte wieder zu seinem Vater, der ihn immer noch anlächelte und nun weiter erzählte:
„ Es ist nicht schlimm das du zu spät hier bist, aber du hast dein Versprechen gebrochen. Gebe niemals ein Versprechen das du nicht halten kannst!“
Hien nickte reuevoll. Jason stand auf und gab ihm ein Klaps auf den Hinterkopf:
„ Na komm! Deine Mutter hat sich schon Sorgen gemacht, du weißt das hier Wölfe ihr Unwesen treiben.“
Hien nickte. In den Gebirgen von Prime lebten große, weiße Wölfe, die Masajihas genannt wurden. Sie waren sehr Intelligent und mit einem muskulösen Körperbau konnten sie selbst Menschen reißen. Hien hatte noch nie einen gesehen und wusste nicht, ob die Geschichten, dass sie bereits einige Kolonisten geschnappt hatten, stimmten.

Mit gesenktem Kopf, zögerte Hien ehe er los ging und sein Vater ihm erklärend folgte:
“ Na los, ehe deine Mutter uns den Arsch versohlt, weil das Essen kalt wird!“

Panisch schnappte Hien nach Luft und sah sich um. Sein Kopf dröhnte und noch immer schien sich alles wie gedämpft anzuhören. Er brauchte einige Sekunden ehe er sich gefangen hatte und langsam wieder die Orientierung erlangte.
Er erblickte Sykes und Rho, die mit aller Kraft versuchten den Sicherheitsbügel zu öffnen, der Hien noch immer fest hielt. Er sah sich um und fand sich im Wrack des Hammers wieder, der sich zu einem unförmigen Konstrukt zusammengepresste hatte, dessen ursprüngliche Form nicht mehr wieder zu erkennen war.
Funken zischten von der mit Ruß überzogenen Decke hinab, während überall Kabel und Stahlträger den einstigen Truppenraum ausfüllten.
Bereits beim ersten Anblick konnte er mehrere Leichen ausmachen, die verbrannt, durchbohrt, zerfetzt oder ohne sichtliche Verletzungen am Boden lagen und zum Teil noch hinter den Sicherheitsbügeln hingen. Hien hatte überlebt und bei dem Anblick der Leichen fragte er sich:
Warum ich?
Sein Herz schien sich kurz zusammen zu ziehen. Es waren seine Freunde, Kameraden und nun waren sie tot. Doch waren es auch Soldaten gewesen, die sich für den Dienst gemeldet hatten.
Jeder kannte die Risiken und Hien rechnete fest damit, dass er früher oder später ebenso enden würde. Er hatte keine Zeit zum Trauern.
Wifi tauchte direkt vor seinem Gesicht auf und richtete eine Scanner auf ihn während sie beiläufig frage:
„ Hien? Alles Okay?“
Hien nickte mühevoll und versuchte den Schmerz in seinem Nacken zu vergessen. Rho und Sykes öffneten unter lautem quietschen den Sicherheitsbügel und Hien fiel zu Boden. Die beiden halfen ihm sich aufzurichten und sofort fragte Hien:
„ Wo ist Alac?“
Sykes klopfte ihm auf die Schulter:
„ Er ist in Ordnung. Sichert draußen die Umgebung.“
Mit einer Handbewegung deutete Hien an das er allein stehen konnte und Sykes gab ohne zu zögern zackig Befehle:
„ Okay, wir errichten einen Verteidigungsring! Wifi, seh zu das du Kontakt zum Oberkommando bekommst!“
Wifi war die Kampftechnikerin der Gruppe und spezialisiert auf alles was mit Computern, Technik und Elektronik zu tun hatte. Unverzüglich machte sie sich an die Arbeit, nachdem sie sich vergewissert hatte:
„ Einen Medevac anfordern?“
„ Negativ, zu gefährlich! Wir stabilisieren die Überlebenden hier. Ich kann es nicht riskieren noch einen Vogel zu verlieren,“
antwortete Sykes und sah an Hien’s Blick, dass dieser nicht so recht begriff warum Sykes die Befehle gab anstatt Kommandeur Terrex und erläuterte:
„ Der Kommandeur hat es nicht geschafft. Ich habe ab sofort den Befehl! Richter….organisiere die Verteidigung, lass Spähtrupps bilden und dann will ich einen SITRAP über alle Toten, Verwundeten und Kampfbereiten Soldaten haben.“
Hien nickte:
„ Verstanden Searge,“
und eilte hinaus.

Es sah schlimm aus. Nachdem Hien sich ein Bild über die Lage gemacht hatte stand fest, dass fast über die Hälfte der 7en Schwadron Tod oder Verwundet waren. Als er diese Erkenntnis mit Sykes teilte, sah er wie die Hoffnung aus seinem Augen schwand.
Er schlug einmal auf die Wand ein und als nun Wifi die Überreste des Hammers betrat, fragte Sykes hoffnungslos:
„ Bitte sag du mir das du gute Neuigkeiten hast!“
Bedrückt schüttelte sie den Kopf und berichtete:
„Wir haben keinen Kontakt zum Oberkommando, irgendwas stört die Langstrecken-Kommunikation. Vermutlich ein Störsender den die Vuuls errichtet haben. Allerdings kann ich mir nicht vorstellen, wie Vanduuls unsere Kommunikation infiltrieren können.“
Sykes blick erstarrte und Hien konnte das Rattern im seinem Kopf förmlich hören als nun der Sanitäter, blutverschmiert und etwas außer Atem in den Raum stürmte:
„ Sir! Wir haben die Überleben stabilisiert. Jedoch sind sie nicht transportfähig. Wenn wir versuchen sie von hier wegzuschaffen…….“
„ Ich weiß.“
War Sykes nüchterne Antwort und Hien mischte sich ein:
„ Wir können unseren Auftrag nicht weiter fortführen! Und früher oder später werden die Vuuls nach uns suchen………und finden. Wir müssen uns jetzt um unsere Überlebenden kümmern!“
Er trat hervor und tippte auf seiner Karte herum:
„ Wir sind hier, im Norden des Trafau Gebirges! 10 Klicks von uns entfernt befindet sich der Handelsaußenposten. Wir schicken einen Spähtrupp hin, organisieren uns ein Fahrzeug, kommen zurück und schaffen die Verwundeten in Sicherheit. Irgendwo zwischen die Berge, wo der Feind sie nicht findet und setzen mit der restlichen Schwadron den Auftrag fort!“
Sykes erwiderte:
„ Wir brauchen Kontakt zum Oberkommando! Als erstes müssen wir den Störsender finden und zerstören!“
Hien schüttelte den Kopf:
“ Wieso? Damit sie uns sagen, dass wir unseren Auftrag weiter fortsetzen sollen? Auf Kosten der Leben unserer Kameraden? Du hast es selbst gesagt, wir können keinen Medevac anfordern!“
Sykes zögerte und erstarrte wieder. Wifi trat hervor:
„ Army-Handbuch: Lass niemals einen Kameraden im Stich!“
Sykes durchstreifte den Raum, ging hin und her ehe er sagte:
„ Okay, Gamma macht euch bereit! Ihr geht zum Außenposten. Alle anderen bleiben hier und graben sich ein.“
Sykes sah Hien tief in die Augen:
„ Ich bleibe hier. Du hast nun das Kommando über Gamma! Enttäusche mich nicht!“
Hien nickte, zögerte eine Sekunde und sagte:
„ Ich verspreche es!“
Ehe er Wifi auf die Schulter klopfte und hinaus stürmte.

Er erblickte das Chaos das der Absturz verursacht hatte, die vielen Soldaten die hektischem Treiben nachgingen, andere Soldaten zusammenflickten oder Verteidigungslinien errichteten.
Es war dunkel, mitten in der Nacht und nur einzelne Flammen erhellten noch die Absturzstelle.
Dieser karge Mond war ein einziger Gesteinsbrocken. Die Berge um die Absturzstelle herum erstreckten sich weit in die Höhe, ohne das er auch nur eine Pflanze erkennen konnte. Wenn es hell gewesen wäre, dann hätten sie in einem beigen Ton gestrahlt, doch die Dunkelheit ließ alles wie schwarze Silhouetten wirken, die sich vor den Sternen abbildeten.
Es würde ein harter Marsch werden, doch sie durften keine Zeit verlieren und er rief in sein Komm: „ Alac! Rho! Wifi! Bei mir sammeln!“

Share on FacebookTweet about this on TwitterShare on Google+Share on RedditEmail this to someone


// End Transmission

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *