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Die 7. Schwadron Episode 6 – Lose Enden – von SEV

 

 

 

Jede einzige Minute auf dem Weg nach Maza zog sich wie eine Ewigkeit hin. Die Freelancer bahnte sich ihren Weg durch die gezackten und unförmigen Felsen, Berge und Täler. Doch das tiefste Schwarz der Nacht schwand langsam und der beige Farbton der Gebirge trat erstmals wieder zum Vorschein.
Der Mond drehte sich langsam auf seiner Umlaufbahn um den riesigen Gasgiganten Muna, der das Licht von der Sonne reflektierte und auf den Mond warf.
Muna war so riesig, dass selbst der kleine Pol, der sich langsam am Horizont empor schob, sich fast am gesamten Horizont ausbreitete. Doch schluckte der Gasgigant einen Großteil des Sonnenlichts und so wirkte selbst der Tag, der nun langsam anbrach, wie der eines bewölkten auf terranischen Planeten. Immer etwas gedämpft, wie ein dunkler Filter der sich über alles legte.
Doch Hien blickte nicht nach draußen. Er saß in einem kleinen, abgetrennten Teil des Frachtraums und verschwendete die Ressourcen seines Geistes nicht an visuelle Reize.
Stattdessen dachte er nach. Und desto mehr er versuchte alle Puzzel Teile zusammenzufügen, schienen die Zahnräder in seinem Kopf anzufangen gegeneinander zu laufen. Bower und der Widerstand taten alles damit die UEE versagt. Aber mussten sie noch ein Ass im Ärmel haben, um mit den Vuuls fertig zu werden. Oder waren es wirklich durch geknallte Irre? Die nicht wahrnahmen das die Kolonie in die Hände der Vanduul fallen würde?
Doch das würde nicht zu Bower passen. Hien versuchte sich auszumalen wie er in das Gebilde hinein passte. Er wusste nicht viel über die Phantome. Sie waren förmlich die rechte Hand des Imperators, die Besten der Besten. Spione, Agenten, Auftragskiller, Saboteure. Alle ihre Aufträge liefen unter absoluter Geheimhaltung und kein gewöhnlicher Marine wusste was sie überhaupt taten, wie sie ausgebildet wurden oder wo sie ihren Stützpunkte hatten.
Diese vielen offenen Fragen schürten eine Menge obskurer Theorien in den Reihen der regulären Streitkräfte. Viele glaubten sie seien Cyborgs, andere glaubten sie seien eine geheime Alienrasse und trugen deshalb immer ihre Vollmasken. Einige behaupteten sogar sie seien Menschen denen ein Vanduul-Gehirn implantiert wurde. Doch eines wusste Hien ganz sicher. Ein Phantom wie Bower würde keine Fehler machen.
Er hatte einen Plan und jetzt war es Hiens Aufgabe heraus zu finden, wie dieser aussah und wie er die restliche 4te Army Division sabotieren wollte. Doch was wenn Alac recht hatte? Wenn Bower auch nur Befehle ausführte? Aber welchen Sinn würde es ergeben, dass der Imperator seine eigenen Truppen aufeinander los lässt?

Völlig in seine Gedanken vertieft, bemerkte er nicht wie Wifi das kleine Abteil betrat und neben ihm Platz nahm. Als wenn sie seine Gedanken gelesen hätte, fragte sie mit gesenkter Stimme:
„ Hey………wir halten ihn auf……..Bower.“
Hien blickte zu ihr rüber, tief in ihre großen Augen. Nach einigen Sekunden des Schweigens fragte er:
„ Wie kannst du dir da so sicher sein? Wir haben es nicht geschafft die 7te zu retten, wir haben Rho verloren und wir haben keine Ahnung was Bower vor hat. Es sieht übel aus. Ich brauche keine falsche Hoffnungen……“
Wifi legte vorsichtig ihre Hand auf Hien’s Arm, lächelte ihn an und ein seltsames Gefühl machte sich in ihm breit. Immer noch schaute er ihr tief in die Augen als sie leiser antwortete:
„ Wegen dir! Du tust alles was du kannst……..und noch mehr.“
„ Und doch reicht es nicht aus.“
„ Das liegt nicht in deinem ermessen. Du bist hier und tust alles was du kannst. Auf alles andere hast du keinen Einfluss.“
Hien blickte sie an, doch trauter er sich nicht seine Hand auf ihre zu legen und flüsterte:
„ Ich wünschte den hätte ich.“
Wifi fuhr an seinem Arm entlang, griff seine Hand und drückte sie sanft. Sie schenkte ihm einen aufbauenden Blick und fragte:
„ Was ist neuerdings los mit dir? “
Hien zog seinen Arm weg.
„ Nichts!“
und sprang auf um das Abteil zu verlassen, doch rief Wifi hinterher:
„Richter, rede mit mir! Wir können keine Ablenkungen gebrauchen!“
„ Geht es NUR darum? Ob das Frontschwein voll funktionstüchtig ist?“
Wifi warf ihm einen bösen Blick zu und erwiderte mit einer enttäuschten Stimme:
„ Nein. Wieso bist du nur immer so?“
Hien drehte ihr den Rücken zu und wusste nicht wie er diese Frage beantworten sollte. Nach einigen stillschweigenden Momenten erklärte Wifi weiter:
„ Wir kennen uns schon wie lange? 4 Jahre? Ich sehe so vieles in dir. Den Marine der immer alles für seine Kameraden gibt. Einen Freund auf den man sich verlassen kann. Einen Menschen der Himmel und Hölle in Bewegung setzt wenn nahe stehende Menschen Hilfe brauchen. Aber sobald dir jemand zu nahe kommt…….“
Hien winkte ab, auch wenn ein Teil in ihm das sofort danach wieder bereute:
„ Wir sind fast da. Wir müssen uns bereit machen!“
Er verließ das Abteil, ohne sich umzudrehen und konnte gerade noch einen Seufzer von Wifi hören. Auch wenn ein Teil in ihm schrie sich sofort wieder umzudrehen und zurück zu Wifi zu gehen, musste er keinerlei Mühen aufbringen, diesen Teil zu unterdrücken.
Es war ihm schon immer leichter gefallen mit sich selbst und seinen Emotionen allein zu sein und die Jahre die er sich dieses Verhalten antrainiert hatte, überlagerte seine Emotionen.

Hien hatte fast das Cockpit erreicht und konnte bereits Alac hören, wie sich dieser sich mit Maik unterhielt, der immer noch alle Mühen aufbrachte die Freelancer durch die Täler zu steuern, die nun langsam aufklarten und üppiger wurden. Anstatt kleineren verwinkelten Gebirgsformationen, wurden die Gebirge nun größer und offener.
Alac, unbefangen wie eh und je, trotz des kürzlichen Verlusts von Rho, erklärte lauthals:
„ Also, wenn du bei den Piraten für Abschreckung sorgen willst, dann besorg dir Klasse-6 Reaper Geschütze!“
„ Klasse-6? Mein Baby hat nur Klasse-4 Aufnahmen.“
„ Dann baust halt ein wenig um. Ein bisschen brennen, ein bisschen schleifen……schnell gemacht!“
Hien stellte sich hinter den Copilotensitz in dem Alac Platz genommen hatte und mischte sich ein:
„ seit wann hast du Ahnung von Schiffen Alac? Dachte du wärst nach der 6ten Klasse abgegangen?!“
Alac lachte:
„ Hey Boss, das war allein meine Entscheidung! Ich war überqualifiziert!“
„ Ach ja? Dann buchstabier mal überqualifiziert!“
Erneut lachte er auf und erwiderte:
„ Okay, pass auf! A-L-A-C!“
Hien klopfte ihm auf die Schulter und wandte sich Maik zu:
„ Wie sieht’s aus?“
„ Wir sind fast da, nur noch wenige Klicks. Die Langstreckenkommunikation und -scanner werden blockiert, aber auf den Kurzstreckenscanner habe ich bereits kleinere und größere Signaturen. Da muss eine Menge los sein in Maza.“
Hien hatte die bedrückte Tonlage in seinem letzten Satz raus gehört und harkte nach:
„ Und?“
Maik erläuterte:
„ Ich bin in Maza aufgewachsen. Hab Familie und Freunde dort.“
Wifi betrat nun das Cockpit und versuchte Maik zu ermutigen:
„ Ihnen geht’s sicherlich gut.“
Sie sah Hien für einen Moment an und er erkannte ihre enttäuschten Augen. Er hatte sie abgewiesen, sitzen gelassen, obwohl er das eigentlich nicht gewollt hatte. Er wusste das sie sich nur um ihn gesorgt hatte, ihm hatte helfen wollen und er hatte sie hängen gelassen. Sie blickte weg und Hien hasste sich dafür. Eine Stimme in ihm rief sie, hätte gerne alles mit ihr geteilt, doch konnte diese nicht nach draußen dringen.
Maik antwortete mit einem dezenten Lächeln:
„ Ich hoffe es. Bereit machen, wir erreichen das Plateau auf dem Maza liegt.“
Die Freelancer schlug einige haken, zwischen einigen Steinsäulen hindurch und stieg steil nach oben, über einen Felsvorsprung und erreichte das Plateau. Maza-City war einige Kilometer entfernt, doch stockte allen bei diesem Anblick der Atem.
Die gesamte Stadt lag unter einer dicken Rauch- und Nebelwand die von den schweren Kämpfen zeugte. Schwarze Rauchschwaden stiegen auf, zwischen den hohen Metallkonstruktionen und Gebäuden. An anderen Tagen wär die Stadt wie ein metallisch-glänzendes Juwel aus dem beigen Ödland rings herum herausgestochen, doch heute, heute wusste Hien endlich, was der Nebel des Krieges bedeutete.
„ Ach du heilige Scheiße!“
entfuhr es Maik schockiert und Alac pflichtete dem bei:
„ Das wird kein Spaziergang. Verdammt sieh dir das an!“
Hien konnte dutzende von Leuchtspurgeschossen ausmachen die durch die Luft sausten, Explosionen und einige Brandherde. Es war klar was los war:
„ Die Vuuls haben den Hauptangriff gestartet.“
Mit fassungsloser Stimme erläuterte Maik:
„ Wenn sie Maza-City einnehmen, dann war’s das! Hier steht der Atmosphärengenerator. Wenn sie den in die Finger bekommen, dann wird der ganze Mond zu ihrer Geisel!“
Alac spottete:
„ Na klar! Was sollen wir noch alles machen? Und jetzt?“
Hien zögerte nicht lange:
„ Rammbock! Wir gehen rein!“
„ Bist du Irre? Wir haben keinen Kontakt zur 4ten! Die werden uns vom Himmel holen, genauso wie dir Vuuls!“
Wifi mischte sich ein und wurde lauter:
„ Er hat recht! Willst du lieber hier warten bis alles vorbei ist?!“
Wifi hatte den Satz noch nicht ausgesprochen da beschleunigte die Freelancer und raste in Richtung Maza, während Maik zornig kommentiert:
„ Das ist mein Zuhause… verdammt! Haltet euch fest, wir können mit Turbulenzen rechnen!“
Ein lautes piepen durchdrang das Cockpit als Zeugnis das sie erfasst wurden und Hien brüllte:
„ Festhalten!!!“
Augenblicklich scherte die Freelancer seitwärts aus, während rote Geschosse auf sie zurasten und in der Luft explodierten. Das Schiff wurde durchgeschüttelt, doch verfehlte die erste Salve. Sofort blitze erneut Mündungsfeuer in Maza auf und leiteten erneuten Beschuss ein. Maik brachte die Freelancer an ihre Grenzen und Hien dachte, das Schiff würde bei diesen Flugmanövern auseinander gerissen werden. Ein heftiger Ruck durchdrang den Frachter und Alac schrie gegen das laute donnern an:
„ Irgendwo her kennen wir das doch! Ich will nicht nochmal abgeschossen werden! Was gibt es erbärmlicheres als einen Marine der 2 mal an einem Tag in der Luft abgeschossen wird?“
Zeitgleich antworteten Wifi und Hien:
„ Alac!“
Dieser brüllte:
„ Ihr macht Rho alle Ehre!“
Hien wurde plötzlich wild umher geschleudert, als Maik nun hart in die andere Richtung abdrehte und weitere Geschosse an ihnen vorbei schossen und hinter ihnen explodierten.
Fast 5 Minuten raste die Freelancer unter Dauerbeschuss auf die Stadt zu, während diese wilde haken schlug um dem Feuer auszuweichen, doch erreichten sie Maza.
Maik steuerte die Freelancer weiter mit wilden Manövern über die Stadt hinweg, als plötzlich ein stotternder, abgehackter Funkspruch das Cockpit über die Lautsprecher erreichte:
„ …mmen….Hie…..Division der UEE, Identi……..erföff…..das Feuer!“
Wifi rief:
„ Das ist die 4te!!!“
Alac erwiderte:
„ Ja, und als Begrüßungsgeschenk jagen die uns das Schiff unterm Arsch weg!“
Maik zögerte nicht lange und betätigte das Komm, ehe er hinein brüllte:
„ Hier ein Frachter der Mugasa Logistik! Haben Marines der 7en Schwadron an Board! Nicht feuern, wiederhole, nicht Feuern!“
Maik drehte sich zu Hien und schüttelte mit dem Kopf:
„ Keine Ahnung ob die uns verstehen!“
Als eine der Konsolen unter einem lauten piepen anfing zu leuchten, brüllte Alac:
„ Offensichtlich nicht!“
Hien betätigte das Komm in seinem Helm und brüllte hinein:
„ Hier ist Corporal Richter der 7ten Schwadron! Nicht feuern! NICHT FEUERN!“
Als eine hektische Stimme aufgeregt erwiderte:
„ Verdammt! Die Luftabwehrrakete! Wir haben sie schon abgeschossen! Passt auf!“
Hien brüllte:
„ Rakete im Anflug! Ausweichen! Ausweichen!“
Maik riss am Steuerknüppel und Hien wurde gegen die Wand gedrückt. Das piepen wurde immer schneller, während die Freelancer in einer steilen Kurve nach unten abtauchte. Jede Sekunde wurde das piepen schneller und Maik brüllte:
„ Aaaaaaaaahhhhhhhh!!! KOMM SCHON!!!!“
Doch plötzlich schepperte es und ein Schlag wie der eines Hammers traf die Freelancer, ehe noch mehr Piep- und Pfeiftöne durch das Cockpit schallten und Maik erkannte:
„ Sind getroffen! Es hat den Hauptantrieb erwischt!!!“
Lauthals brüllte Alac:
„ Nein! Nicht schon wieder!!!“
während Maik hektisch auf den Konsolen herum tippte. Das Gamma-Squad hatte alle Mühe sich irgendwo fest zu krallen um nicht durch das gesamte Schiff geschleudert zu werden, als die Freelancer unter weiteren Erschütterungen Richtung Boden raste.
Maik schrie:
„ Okay, wir landen mit den Steuerdüsen!“
Hien warf ein:
„ Landen? Wir stürzten ab!“
Doch Maik ließ sich nicht aus der Fassung bringen, lenkte alle Energie auf die Steuerdüsen und steuerte das Schiff unbeirrt Richtung Erdoberfläche, direkt auf eine breite Straße zwischen den Häuserschluchten, die immer näher kamen. Hien hielt die Luft an und für einen Moment blickte er zu Wifi hinüber, die sich ebenfalls festkrallte. Doch selbst jetzt war er nicht im Stande ihr zu sagen, wie gern er sie doch eigentlich hatte.
Maik brüllte:
„ Festhalten!!!“
Als Hien wieder seinen Blick zum Frontfenster wandte, war die Straße bereits direkt unter dem Schiff und kurz darauf schlug die Freelancer auf, ehe diese einige Dutzend Meter unter einem lautem wummern die Straße entlang schlitterte. Alles wurde durchgeschüttelt und Hien konnte sich gerade noch auf den Beinen halten. Funken sprühten durch das Cockpit und die Lichter der Konsole fielen aus.
Als die Freelancer in einer dicken Kerbe im Asphalt stecken blieb ging ein leichter Ruck durch das Schiff, das nun zum stehen kam.
Ein tiefes durchatmen füllte das Cockpit. Maik, Wifi, Hien, Alac, sie alle blickten sich mit einem erleichterten Gesichtsausdruck an, ehe Alac trocken kommentierte:
„ Landen……ja? Das war ein Absturz!“
Maik lachte:
„ Naja, irgendwas dazwischen!“
Doch Hien fand nach kurzen durchatmen wieder nur einen Gedanken:
„ Okay, los jetzt! Wir haben keine Zeit zu verlieren!“
ehe er sich zügig zur Ladeluke aufmachte. Kurz darauf folgte Gamma, einschließlich Maik, der sich etwas widerwillig von seinem demolierten Frachter zurück zog.

Hien schielte um die Ecke der Frachtluke mit dem Gewehr im Anschlag und sicherte die nähere Umgebung, als plötzlich ein Fahrzeug um eine Häuserecke bog und direkt auf sie zu steuerte. Ein Buggy in beiger Tarnfarben. Doch er kannte dieses Fahrzeug, das zu den UEE-Rangern gehörte. Hien blickte über seine Schulter, sah alle hinter sich versammelt und rief:
„ Sicher! Die 4te stößt zu uns!“
Hien sprang heraus, durchwanderte dennoch die Umgebung mit der Mündung seines Sturmgewehrs und als die anderen 3 die Freelancer verlassen hatten, hatte der Buggy sie bereits erreicht. 3 Soldaten sprangen herunter und Hien’s Augen weiteten sich für einen Moment bei ihren Anblick. Sie waren völlig zerschunden. Die Kampfrüstungen, die Gesichter. Er wollte sich nicht vorstellen was sie die letzten Stunden durchgemacht hatten.
Einer von ihnen ging strammen Schrittes auf Hien zu und beklagte lauthals:
„ Ihr gehört zur 7ten? Ihr solltet die Operationszentrale des Gegners ausschalten! Was zum Teufel macht ihr HIER?“
Das HUD in Hien’s Helm identifizierte den Soldaten als 1st Leutnant Malaya und so antwortete er:
„ Wir wurden sabotiert! Wir sind alles was übrig ist!…….SIR!“
Hien konnte in den Augen des Leutnants sehen wie sämtliche Hoffnungen aus diesen wich.
„ Verdammte Scheiße!!!! Ihr habt es vergeigt während wir hier alle verrecken!“
Der Leutnant atmete tief durch, fasste sich am Kopf, den er augenblicklich hängen ließ. Hien ging auf ihn zu und erklärte sich:
„ Ein Agent hat uns verraten! Sie haben an unserer Absetz Zone auf uns gewartet! Wir haben alle verloren!“
Leutnant Malaya blickte auf, sein Gesicht wurde zorniger und so fuhr er Hien an:
„ Was meinst du was hier los ist?! Wir sterben im Sekundentakt und in wenigen Stunden werden die Vuuls uns überrennen!“
Wifi drängte an Hien vorbei und mischte sich ein:
„ Wir brauchen Kontakt zum Oberkommando, sofort!“
Arrogant lachte der Leutnant einmal auf, ehe er mit rauem Ton erklärte:
„ Ha!!! Da sagst du aber was! Wir haben den Kontakt vor 1,5 Stunden verloren!“
Hien’s Augen weiteten sich und er trat ein Stück näher an den Offizier heran:
„ WAS? Ihr habt keinen Kontakt mehr?“
Malaya schüttelte mit dem Kopf:
„ Nur noch über den Interstellaren Kommunikations-Satelliten (IKS) der Kolonie. Aber der ist nicht gerade um die Ecke. Wir haben Trupps hingeschickt um weitere Sitraps zu senden, da selbst die Kurzstreckenkommunikation zu unseren Truppen im IKS ausgefallen ist, doch diese haben sich noch nicht wieder zurück gemeldet. Die Vuuls müssen eine Störsender errichtet haben, auch wenn ich nicht weiß, wie sie unsere Kanäle infiltrieren können.“
Wifi und Hien sahen sich an:
„ Bower!“
und Hien erläuterte:
„ Das sind nicht die Vuuls! Wir müssen zu dem IKS! Ihr müsst sofort eine Einheit mit uns dorthin schicken!“
Der Leutnant baute sich vor Hien auf und mit zornigen Blick sah er ihm in die Augen:
„ Geht’s noch? Ich kann keinen einzelnen Mann entbehren…..Soldat! Und euch brauchen wir auch an der Front!“
Hien starrte mit festen Blick zurück um zu untermauern, dass er es ernst meinte:
„ Nein……Sir!“
Der Leutnant trat noch ein Schritt näher an Hien heran und sagte mit einem aggressiven Unterton:
„ Was war das? Ich habe ihnen ein Befehl erteilt, Corporal!“
Hien wandte sich ohne zu zögern von ihm ab und nickte seinen Begleitern zu, ehe er ohne sich umzudrehen sagte:
„ Wir gehen zum IKS……Sir!“
Gamma folgte ihm unverzüglich und auch Maik stiefelte hinter ihnen her. Nach einigen Metern die er zurück gelegt hatte, hörte er den Leutnant, wie er ihnen hinterher rief:
„ Sie kommen vors Kriegsgericht Soldat!“
Alac nuschelte:
„ FALLS wir das hier überleben sollten.“
Hien konnte hören wie der Leutnant laut fluchend in den Buggy einstieg und davon fuhr. Doch die Konsequenzen waren ihm in diesem Moment egal. Bower hatte Vorrang und so befahl er:
„ Wifi, führ uns zum IKS!“
nachdem sie an ihrem MFD herum getippt hatte, antwortete sie:
„ 2 Klicks nach Nord-Osten!“
Hien drehte sich zu Maik, musterte kurz das komplett demolierte Schiff und erklärte:
„ Tut mir Leid. Geh irgendwo in Deckung bis die Sache vorbei ist!“
Alac fügte hinzu:
„ Ein bisschen schleifen, ein bisschen brennen….Mensch, dann sieht sie wieder aus wie neu! Schnell gemacht!“
Er klopfte Maik auf die Schulter und gerade als sie los marschieren wollten, hielt Maik sie auf:
„ Hey, ich komme mit!“
Hien drehte sich zu ihm und entgegnete etwas verwirrt:
„ Jetzt sag bloß das du weißt wie man kämpft?!“
Maik hob die Arme:
„ Catcarth! Ich weiß auf jeden Fall wie man einen Blaster bedient!“
Hien sah ihn weiter an und war sich nicht sicher ob das eine gute Idee war. Maik sah die Zweifel in Hien’s Augen und erklärte:
„ Ich will mich nicht freikaufen! Ihr seid nur zu dritt, ihr könnt jede Waffe gebrauchen!“
Nach einigen Sekunden nickte Hien etwas widerwillig:
„ Na gut. Hast du ne Waffe? Und ein Komm?“
„ Logisch!“
antwortete Maik und eilte in den Frachtraum seiner demolierten Freelancer um die Tasche zu holen die er vor dem Start eingepackt hatte. Kurzerhand öffnete er sie, stöpselte ein kleines Komm ans Ohr und zog 2 versilberte Dakaht Pistolen hinaus.
„ Das muss reichen.“
Kommentierte Hien und befahl:
„ Los geht’s!“

Nach einer halben Stunde hatte das Gamma-Squad den IKS fast erreicht. Sie waren auf keine Feinde, aber auch auf keine Soldaten der 4ten oder Zivilisten getroffen. Die Straßen waren wie leer gefegt und nur die dumpfen Knalls und Explosionen der weit entfernten Schlacht füllten diese aus.
Sie waren in dem Technischen Sektor der Kolonie. Anlagen, Fabriken und Bürogebäude, die sich einige Dutzend Meter in die Höhe erstreckten, doch konnte Hien bereits die Spitze des riesigen Satelliten ausmachen der über 100m in die Höhe ragte und nicht mehr weit entfernt lag.
Das Gamma-Squad und Maik waren direkt hinter ihm, als er sich an einer metallischen Hauswand entlang schob, immer das Sturmgewehr im Anschlag, um sofort feuern zu können.
Er schob sich vor bis an die Ecke und lugte um diese. Augenblicklich fuhr seine Hand nach oben und signalisiert seinem Squad „ Halt“, als er mehrere Leichen vor dem Eingang des Gebäudes des IKS ausmachen konnte. Nach kurzem überblicken sagte er:
„ Die Ranger der 4ten…..sie sind alle Tod!“
Wifi schob sich an Hien vorbei und erblickte die Schäden die eines Kampfes zeugten, ehe sie vervollständigte:
„ Da sind auch Widerstandskämpfer unter den Toden. Sie haben den IKS eingenommen!“
Alac spottete:
“ Also müssen wir das Ding NUR noch zurückerobern? Ja? Ist das alles?“
Doch Hien schüttelte den Kopf:
„ Ich sehe keine Wachen, keinen Verteidigungsring. Niemanden!“
Maik horchte auf:
„ Sind wir zu spät? Sind sie hier schon fertig?“
Als er losstürmte sagte er beiläufig mit fester Stimme:
„ Das erfahren wir nur wenn wir rein gehen!“
Sie stürmten los, sicherten jeden Winkel und jede Ecke die sie passierten ehe sie den Eingang des IKS erreichten.

Eine große Eingangshalle die schlicht grau gehalten war, mit einigen Sitzgelegenheiten, einem Empfang und einigen wenigen Pflanzen. Doch abgesehen von weiteren Leichen war auch hier niemand.
„ Wifi, wo ist die Kommunikations-Zentrale?“
Wieder tippte Wifi auf ihrem MFD herum und antwortete:
„ Gerade aus zum Fahrstuhl, 6. Stock!“
Unverzüglich machten sie sich auf den Weg. Eine gespenstische Stille lag in der Luft. Es roch nach verbranntem Fleisch und die Kämpfe hatten einige Lichter zerstört, sodass der Große Saal hauptsächlich von flackerndem Lichtern erleuchtet wurde.
„ Echt keine Menschenseele hier…“
Kommentiert Maik beunruhigt.
Nach einigen Minuten erreichten sie den Fahrstuhl und Hien fragte:
„ Ist das Ding intakt?“
und erwartete das Wifi eine Technische Überprüfung vornehmen wird, als sie dann einfach nur den Knopf drückte und sich der Fahrstuhl in Bewegung setzte, kommentierte sie:
„ Denke schon!“
er blickte sie für einen Moment schief an während sie mit einem Lächeln antwortete. Die Türen das Fahrstuhl schoben sich auf und zusammen fuhren sie in das 6. Stockwerk.

Dort angekommen durchstreiften sie die Flure, die genauso Menschenverlassen waren und machten sich zum Kontrollzentrum auf.
Es war niemand da und doch gab es keine Spuren von Kämpfen. Erst als sie die breiten Glastüren zum Kontrollzentrum passierten, in dem dutzende von Schreibtischen, Computern und Holo-Bildschirmen um ein riesiges Terminal herum standen, erblickte Hien weitere Leichen, die in einer Gruppe vor dem Terminal lagen.
Doch es waren Widerstandskämpfer, keine Soldaten. Kurz sicherte sie den Raum, überprüften jede Ecke, doch es war niemand da und so widmeten sie sich den Leichen. Wifi beugte sich nieder um sich die Todesursache anzusehen und teilte mit:
„ Schuss- und Schnittwunden…..alle von den selben Waffen angerichtet……ein Messer und eine Pistole…..ein Angreifer….“
Hien führte den Gedanken zu Ende:
„Bower!“
Etwas ungläubig trat Alac heran und kniete sich ebenfalls nieder:
„ Seid ihr euch sicher? Das sind ein halbes Dutzend Leichen! Wenn er sogar mit dem Messer ein paar entseelt hat…..er allein? Auf die Entfernung?“
Hien sah sich um. Er war sich sicher, dass sie Bower zum Opfer gefallen waren, auch wenn er nicht begreifen konnte warum er nun auch noch die Widerstandskämpfer verraten sollte und sagte trocken:
„ Er ist ein Phantom Alac! Offensichtlich sind nicht alles nur Geschichten was man über sie hört. Meister des CQC.“
Alac räusperte:
„ Also hat der Verräter der uns an die Verräter verraten hat, nun diese Verräter verraten? Ironie? Also ich komm da so langsam nicht mehr mit!“
Als Alac’s Aufmerksamkeit sich plötzlich auf eine der Leichen richtete, die er umdrehte und spottend sagte:
„ Seht mal wen wir hier haben! The one and only Viktor!“
Alac stand auf, trat der Leiche einmal kräftig in die Rippen und fauchte:
„ Sieht so aus, als wäre dir das Lachen vergangen! Arschloch!!!“
Wifi richtete sich ebenfalls wieder auf und sah sich zusammen mit Hien um, während sie erläuterte:
„ Bower hat die Widerstandskämpfer für sich die Drecksarbeit machen lassen und nun schneidet er die losen Enden ab. Was auch immer er vor hat, er hat sein Ziel fast erreicht!“
Maik, der beunruhigt auf der Stelle stand und nicht so recht wusste was er machen sollte harkte nach:
„ Und was soll das heißen? Welches Ziel?“
Hien wusste es nicht. Er versuchte sich alles zusammen zu reimen, aber es gab zu viele Unbekannte. Doch sie hatten es bis hierher geschafft und es war klar was zu tun war:
„ Ist jetzt irrelevant! Wifi, sieh zu, dass du Kontakt zum Oberkommando bekommst. Wir müssen sie warnen! Alac, du behältst die Umgebung im Auge bis wir fertig sind!“
Sie nickten und Wifi wandte sich an das riesige Kommunikations-Terminal das in der Mitte des Raumes stand.
„ Ich geh aufs Dach! Endlich wieder meine Arbeitsbedingungen!“
sagte Alac ehe er den Raum Richtung Fahrstuhl verließ und Maik nun fragte:
„ Und ich?“
„ Warten!“
antwortete Hien knapp, während er den Raum unter die Lupe nahm. Ihm war nicht wohl bei der ganzen Sache, doch ein Stein fiel ihm vom Herzen als Wifi bestätigte:
„ Wir haben eine Verbindung zum Oberkommando! Keine direkte aber ich kann eine Nachricht übermitteln. Doch es wird einige Minuten brauchen ehe sie in Militärcode chiffriert und gesendet wird…….“

Plötzlich schallte eine allzu bekannte monotone, eiskalte Stimme durch den Komm-Kanal der Gruppe. Hien erstarrte Augenblicklich und sein Blick verfinsterte sich:
„ Corporal Hien Richter! Ich bin beeindruckt. Ich hätte nicht erwartet das ein niederes Frontschwein es bis hierher schaffen würde. Was ist mit Lance Corporal Robertus geschehen? Oder wie nanntet ihr ihn? Rho?!“
Ein Druck baute sich in Hien’s Brust auf und mit knirschenden Zähnen antwortete er über das Komm:
„ Hast du in unseren Akten geschnüffelt, Bower?“
Hien blickte zu Wifi, schaltete das Mikro seines Helms kurz ab und befahl:
„ Die Kommunikation wird nicht gestört, er muss hier irgendwo in der Nähe sein! Verfolge den Sende weg zurück!!!“
Sofort ließ Wifi von dem Terminal ab und fing wild an, auf ihrem MFD herum zu tippen.
Bower ertönte erneut über das Komm:
„ Das ist eine Lektion die du lernen solltest. Kenne deinen Feind, seine Schwächen und seine Vergangenheit.“
Hien hatte Mühe ihn nicht einfach anzubrüllen und so war sein aggressiver Ton deutlich zu hören:
„ Ich weiß wer oder was du bist! Ein Phantom das die UEE verrät!“
Für einen Moment schien die eiskalte Stimme von Bower etwas zu wanken als er erklärte:
„ Du weißt gar nichts!“
Doch pegelte sich seine Tonlage wieder zu der eiskalten Stimme ein:
„ Weder über mich, noch über die UEE für die du so bereitwillig kämpfst. Doch ich weiß wer du bist! Vermutlich besser als du selbst.“
Hien blieb stumm, sein Blick richtete sich zu Wifi die ihre Bemühungen Bower zu finden für einen Moment unterbrach und seinen Blick erwiderte, während Bower sich weiter äußerte:
„ Warum willst du mich aufhalten? Wo doch gerade DU verstehen müsstest das die äußeren Systeme im Stich gelassen werden.“
Wifi’s Blick verzog sich:
„ Was meint er damit?“
Hien schüttelte mit dem Kopf, sein Herz fing an zu rasen während Bower weiter erzählte:
„ Du hast es ihnen nicht gesagt? Dabei ist hier doch alles genauso wie damals….oder?“
Hien’s Blick wurde starr und leise stammelte er:
„ Nein…….nein……“
Bower erklärte eiskalt weiter:
„ Eine karge Kolonie die Überfallen wird. Tote, Leichen, brennende Häuser. Eine Familie die abgeschlachtet wird. Die Piraten verschonen niemanden…….und doch gibt es einen Überlebenden……“
Hien’s Mine zog sich zusammen, er blickte zu Wifi hinüber, die ihn erschrocken und doch mitleidig ansah, mit ihren großen fragenden Augen.
„ …..ein kleiner Junge, dem Tode so nah und doch hat er als einziges Überlebt. Weder sein Vater……. noch seine Mutter oder gar seine Schwester. Der einzige Überlebende……Wie fühlt man sich dabei Richter?“
Hien’s Herz raste, seine Gedanken gerieten durcheinander und die verschwommenen Bilder die er so lange unterdrücken konnte drangen wieder an die Oberfläche. Er presste seine Hände zu Fäusten, sein Kinn begann leicht zu zittern doch sagte er nichts:
„ Man sagt das sich Überlebende mit Schuldgefühlen plagen……ist es so Richter? Wieso hast du überlebt? Warum hast gerade DU überlebt Richter?“

Die Flammen verschlangen das Haus, während Hien starr auf dem Boden lag und sich nicht traute sich zu rühren. Er war allein. Alle waren Tod und noch immer versuchte ihn sein Verstand zu beschützen, in dem er einfach sämtliche Gedanken abschnürte, ihm sagte er sei nicht hier.
Doch etwas durchdrang in. Zuerst ein zucken, dann eine kleine Bewegung. Der Wille zu überleben, tief in seinen Geist eingebrannt, übernahm langsam die Kontrolle über seinen Körper und so wurde aus einem zucken, die Bewegung seines Arms nach vorne. Der zweite Arm folgte, drang nach vorne, legte sich auf Scherben und Glassplitter. Er zog sich nach vorne, mit starrem Blick auf den Boden. Er dachte nicht nach, seine Gefühle waren verschwunden. Die Muskeln seines Körper arbeiteten wie eine Maschine, gesteuert von einem seelenlosen Computer. Meter für Meter, während die Flammen immer mehr des einstigen Zuhause verschluckten.
Sein Körper zog ihn über die Fensterkante und einige Leichen die davor lagen, kraftlos, ausgelaugt. Er hatte seine letzten Reserven aufgebraucht und fiel den Abhang hinunter. Schlaff, als bestünde sein Körper aus Gummi, brachte er keine Kraft mehr auf um den Sturz erträglicher zu machen, ehe er abrupt gegen ein Hindernis knallte und stoppte. Ausdruckslos sah Hien zu, wie das Haus niederbrannte und wusste nicht, wie viel Zeit verging, ehe er nur noch qualmenden, verkohlten Überresten zuschaute.
Einige Gefühle keimten wieder in ihm auf. Denkmuster drangen zurück und Hien wandte den Blick ab und sah sich um. Als in plötzlich ein Stich ins Herz traf, als er nun in das leblose und zugerichtete Gesicht seines Vaters sah, der seinen Sturz abgefangen hatte.
Seine Augen wurden feucht, kurz darauf liefen Tränen sein kleines, mit Schmutz verschmiertes Gesicht hinunter und er wünschte sich einfach in dem Haus geblieben zu sein. Wieder verging Zeit, wie viel konnte Hien nicht einschätzen, ehe er hastig aufstand und einfach los rannte.
Er wollte weg von diesem Ort, alles hinter sich lassen. Und rannte. Immer weiter. Und mit jedem Schritt quoll der Hass in ihm auf und durchdrang ihn in einem grollenden, pochenden Gefühl. Der Hass auf Ungerechtigkeit, der Hass auf Piraten, der Hass auf Gesetzlose. Der Hass trieb ihn an, ließ in weiter und weiter rennen. Schritt für Schritt. Die Sonne ging unter, doch er rannte weiter und malte sich aus was er mit diesen Monstern machen würde, wenn er erst mal erwachsen wäre. Bilder schossen durch seinen Kopf. Bilder die ihn antrieben und immer weiter laufen ließen, durch die endlosen Gebirge und Dunkelheit der Nacht ehe er einfach zusammenbrach und an einem Fels hang liegen blieb.

Hien wachte auf, noch immer war es dunkel, oder hatte er einen ganzen Tag verschlafen? Er zitterte, spürte nun wieder die Kälte die durch seine Knochen drang und der Verlust seiner Familie suchte ihn erneut Heim. Er begriff nun was passiert war, realisierte es und augenblicklich brach seine Seele auseinander.
„Warum ich?“
stammelte Hien. Wieso hatte nicht sein Vater überlebt, der immer alles für ihn getan hatte? Wieso nicht seine Mutter, die trotz ihrer Strenge immer nur das Beste für ihn gewollt hatte? Wieso nicht seine Schwester, die immer auf ihn aufgepasst hatte?
Er war der einzige der nichts getan hatte, sich nur versteckte hatte und doch war er es, der am Leben geblieben war. Er hatte es am wenigsten verdient und er verfluchte sich wieder dafür, nicht in dem brennenden Haus geblieben zu sein.
Er wollte gerade anfangen zu weinen, als er plötzlich bemerkte, dass er nicht allein war. Nicht weit von ihm entfernt lag ein kleines pelziges Knäuel. Das weiße Fell glitzerte weiß im Mondschein, dass nur von einigen Blutflecken überlagert wurde.
Hien dachte es wäre ein Hund und so sammelte er seine Kräfte und kroch zu dem Tier hinüber, das zusammengerollt an einem Felsen lag. Es atmete, doch zitterte es genauso wie Hien und so nahm er es in den Arm. Erst jetzt bemerkte er, dass es ein Masajiha-Wolf Welpe war. Doch in diesem Moment waren ihm die Schauergeschichten über diese Tiere egal. Er war allein und brauchte Trost.
Als er den kleinen Wolf in den Arm nahm, erkannte er eine tiefe Wunde quer über dem rechten Auge, das jedoch keine Verletzungen erlitten hatte. Er kuschelte sich an ihn, fing an zu weinen und der Wolf, auch am Ende seiner Kräfte, zitterte nur weiter. Hien kauerte sich zusammen mit dem Welpen an einem Felsen. Er wusste nicht wie der Masajiha hier hergekommen war, ob er die ganze Zeit von ihm verfolgt wurde, was mit ihm geschehen war oder ob seine ausgewachsenen Eltern ihn womöglich suchen würden. Er war nicht mehr allein, das war alles was zählte.

Hien stand regungslos in der Kommunikationszentrale. Seine Vergangenheit hatte ihn eingeholt und er wusste nicht was er am liebsten getan hätte. Er wollte weinen, er wollte wüten, alles auseinander nehmen. Die innere Verwirrung spiegelte sich auf seinem Gesicht wieder. Zorn, Trauer und Hien musste alle Selbstkontrolle aufbringen, die er zur Verfügung hatte um nicht völlig auszurasten. Er war wieder der kleine Junge von damals. Verwirrt, voller Hass mit diesem pochendem Gefühl im Bauch. Aber er war älter geworden, er konnte kämpfen und so presste er die Worte aus seiner Lunge:
„ Ich werde dich töten……Bower!“
Er sah zu Wifi die ihn Fassungslos ansah und starrte ihr einige Sekunden in die Augen. Sie ging einige Schritte auf ihn zu, als wolle sie ihn wieder umarmen, doch blieb sie stehen und starrte einfach nur zurück, in sein verzogenes Gesicht. Bowers monotone Stimme erklang erneut:
„ Wieder vergisst du wer und WAS du bist. Hoch gesteckte Ziele sind nur lohnend, wenn man auch die Chance hat sie zu erreichen.“
Bower hatte den Satz noch nicht beendet, als die Computerstimme des Terminals durch den Raum hallte:
„ Chiffrierung abgeschlossen. Nachricht übermittelt.“
Hien blickte ruckartig zum Terminal, danach zu Wifi die mit schüttelndem Kopf erklärte:
„ Ich war das nicht!“
Ein Schauer lief über Hien’s Rücken, noch ehe Bower sich zu Wort meldete und sein Befürchtung bestätigte:
„ Das ist eine weitere Lektion Richter, die einfachsten Mittel sind oft die wirkungsvollsten! Leb wohl Richter!“
Wie ein Schlag gegen den Hinterkopf traf ihn die Erkenntnis. Bower hatte sie nur ablenken wollen. Nur deshalb hatte er sie kontaktiert, ihn mit seiner Vergangenheit konfrontiert, damit sie sich nicht am Terminal zu schaffen machen und seine Nachricht entdeckten. Hien’s Herz pochte schneller, weiterer Zorn stieg in ihm auf, in Wissen das er sie wieder einmal hereingelegt hatte und so brüllte er Wifi an:
„ Sieh nach was er am Terminal abgeschickt hat! SOFORT!!!“
Das grollende Pochen wurde stärker. Hien atmete tief durch, doch sein aufgewühlter Zustand verhinderte das er überhaupt noch etwas anderes wahr nahm.
Wifi eilte zum Terminal, tippte hastig darauf herum und erklärte beunruhigt:
„ Er hat Zielkoordinaten an die Flotte gesendet! Anforderung für Interstallaren Beschuss!“
Hien kratzte die letzten Reserven Vernunft in seinem Geist zusammen und erahnte schlimmes. Wollte er die 4te Bombardieren lassen? Und so brüllte er sie erneut an:
„ Wo liegen die Koordinaten? Welches Ziel?“
Wieder verstrichen einige Sekunden, in denen Wifi auf die Holo-Tastatur einhämmerte ehe sie zurückwich und mit erschrockener Stimme mitteilte:
„ Das sind die Koordinaten vom Atmosphärengenerator!“
Schockiert mischte Maik sich ein, der bisher nur zugesehen hatte:
„ WAS? Er wird die gesamte Kolonie vernichten!!!“
Mit festen Schritten stürmte Hien auf Wifi zu und wäre noch lauter geworden, wenn er nicht schon seine Grenzen ausgereizt hätte:
„ Gegenbericht senden! LOS!!!“
Doch Wifi schubste ihn mit einem kräftigen Stoß weg, um zu untermauern das sie bereits dabei war, als sie weiter das Terminal bediente.
Doch im nächsten Augenblick krachte es laut und die Scheiben fingen an zu klappern. Eine kleine Explosion erschütterte das Gebäude mit einem leichten vibrieren und Maik rief:
„ Scheiße! Das kam von draußen!“
Hien’s Blick richtete sich zum Fenster, durch das man die riesigen Masten des Satelliten sehen konnte, die in die Höhe ragte und an der Spitze zusammenführten. Doch waren diese gerade in Begriff unter einer Staubwolke Richtung Boden zu fallen. Hien’s pochendes Herz schien stehen zu bleiben als ihm klar wurde, dass Bower die letzte Möglichkeit zerstört hatte die Flotte zu kontaktieren. Der Hass, geboren aus der quälenden Niederlage und seiner zurückkehrenden Vergangenheit schien ihn innerlich zu zerfressen.
Maik brüllte:
„ Scheiße! Was machen wir jetzt?“
Doch Hien rührte sich nicht. Sein Blick verfinsterte sich immer weiter während sein Gesicht rot anlief und eine Ader an seiner Stirn hervor trat.
Wifi kämpfte mit dem Terminal um die Hierarchie und schlug wütend einige Male darauf ein, als sie diesen Kampf verlor und zornig kommentiert:
„ Kontakt verloren! Verdammt!!!“
Hien wurde es plötzlich egal was mit der Kolonie geschah, was mit ihnen passieren würde. Er wollte jemanden Leiden sehen, für diese Geschehnisse, für die auf Prime. Es war ihm egal wer dafür bluten musste, wenn er nur Bower in die Finger bekommen würde. Ihn zur Rechenschaft ziehen könne, koste es was es wolle.
Wifi drehte sich zu Hien, nachdem sie hektisch einige Daten an ihrem MFD abgerufen hatte:
„ Der Kreuzer wird diesen Mond in weniger als einer Stunde erreichen! Wir müssen etwas unternehmen!“
Als plötzlich das tosen eines Triebwerk über dem Gebäude zu hören war. Ein Schiff war in Begriff auf dem Dach zu landen und Hien wusste genau wen es abholen würde. Ohne zu zögern rannte er zum Fahrstuhl. Wifi und Maik folgten ihm, doch hatten sie gezögert und waren einige Meter hinter ihm.
Hien sprang in den Fahrstuhl und wartete nicht auf die beiden, die gerade noch die Türen erreichten, die sich direkt vor ihrer Nase verschloss ehe der Fahrstuhl in die Höhe fuhr.
Wifi tobte über Komm:
„ Richter verdammt! Was soll das? Alac, hörst DU mich?“
Doch Hien antwortete nicht und Alac’s Antwort bestand nur aus zerstückelten Wortfetzen, infolge weiterer Interdifferenzen.

Der Aufzug hielt in der 12. Etage an, ein Etage unter dem Dach und Hien stürmte heraus, getrieben von blanker Wut, als er plötzlich eine schwarze Gestalt erblickte, die gerade aus dem Treppenaufgang, keine 10m entfernt hinaus stürmte.
Es war Bower und augenblicklich riss Hien sein Sturmgewehr in die Höhe und feuerte. Doch Bower schaffte es um die nächste Ecke abzubiegen, in der die Kugeln unter lautem scheppern einschlugen. Hastig eilte Hien hinter her, blieb kurz an der durchlöcherten Ecke stehen, spähte herum und folgte anschließend den spärlich beleuchteten Gängen, die zum Dach führten.
Dutzende Rohre verzierten die Wände und es gab einige verwinkelte Ecken, die nur von Schatten ausgefüllt wurden. Der nächste Gang war mehr als 50 Meter lang und das Ende wurde vom Tageslicht erhellt. Der Zugang zu dem Dach. Hien konnte sich nicht vorstellen, dass selbst ein Phantom diese Strecke in wenigen Sekunden zurückgelegt hatte und betätigte das Komm:
„ Alac, hörst du mich? Bist du auf dem Dach?“
Doch es kam keine Antwort. Nicht einmal ein Rauschen ertönte und Hien malte sich das schlimmste aus. Doch ging er weiter, Schritt für Schritt durch den Gang und durchsuchte jede Ecke, in der Hoffnung Bower zu finden, der sich in diesem Gang versteckte hatte als dieser plötzlich mit dem unverwechselbarem Kampfanzug, aus einer der dunklen Ecken auftauchte. Die blau-leuchtenden Gläser der Kampfmaske starrten Hien ausdrucklos an.
Hien Zielte, keine Sekunde hatte er gebraucht bis Bower die Mitte seines Fadenkreuz zierte und drückte ab.
Doch nur ein klicken ertönte. Es löste sich kein Schuss und aggressiv klopfte er einige Male gegen sein Sturmgewehr, während Bower mit langsamen Schritten auf ihn zu kam:
„ MK7 Sturmgewehr. UEE Standard, nicht besonders schwer zu hacken. Ich favorisiere da eher ältere Waffen die noch ohne Elektronik auskommen.“
Erklärte Bower kalt. Hien’s Blick richtete sich auf, weg von seinem Sturmgewehr das er nun wieder in die Verankerung auf seinem Rücken befestigte und zog sein Messer. Er sagte nichts, dass war anhand seines Gesichtsausdrucks gar nicht von Nöten und so stürmte er auf Bower zu.
Noch im Laufen holte Hien aus und stieß das Messer mit aller Kraft die er aufbringen konnte Richtung Bower. Doch dieser Schritt im letzten Moment einen kleinen Schritt zur Seite und griff Hien’s Arm. Es dauerte keine Sekunde ehe Bower ihn soweit herum gedreht hatte das Hien mit einem schmerzenden Schrei zu Boden fiel.
Bower ließ los, wich ein Schritt zurück und erklärte:
„ Purer Hass ist dein Feind. Du kannst es besser……ich weiß es!“
Hien rappelte sich wieder auf, schlug wild mit dem Messer hin und her, während er auf Bower zuschritt, der nun in einer schnellen Bewegung sich unter diesen Angriffen wegduckte und mit einem Tritt gegen Hien’s Bein diesen erneut zu Fall brachte.
„ Und DU hast es soweit geschafft? Hattest du Glück? Oder war doch dein Squad maßgeblich an diesem Erfolg beteiligt?“
Hien antwortete nicht, die Zorn hatte ihn übermannt. Er war im Rausch und dachte nicht für eine Sekunde daran aufzugeben.
Wieder sprang er auf und ging auf Bower los, mit einigen Hieben und Stößen, doch parierte dieser alle ohne auch nur aus dem Atem zu kommen. Bower griff Hien’s Arm und schleuderte ihn mit einem wuchtigen Stoß gegen die Wand. Das Visier seines Helms sprang und noch ehe er sich neu orientieren konnte, trafen ihn einige harte Schläge in den weichen Seitenteil seiner Panzerung. Bower kannte die Schwachstellen und nutzte diese hemmungslos aus. Schlag auf Schlag traf in seine Rippen, ehe ein harter Tritt ihn genau am Kopf traf und Hien daraufhin zurück taumelte und gegen die gegenüberliegende Wand klatschte.
Er blickte auf und sah eine weitere Faust auf sich zu fliegen. Doch er konnte ausweichen, im letzten Moment und Bowers geballte Faust krachte gegen die Wand. Hien griff seinen Arm, packte ihn und stürmte wieder auf die gegenüberliegende Wand zu. Mit einem lauten krachen stieß er Bower dagegen. Doch sofort fing sich Hien eine links und rechts. Harte Schläge trafen seinen Kopf, die sich trotz des Helms wie ein Hammer anfühlten. Ehe Hien sich versah machte er einen unfreiwilligen Salto und krachte auf den Boden.
Bower hatte ihn ohne Probleme herumgeschleudert und dabei entwaffnet. Mit seinem Messer stand er über ihn und erklärte:
„ Schluss mit dem Spielchen.“
Bower holte aus und Hien fand im Angesicht des Todes keinen anderen Wunsch, außer der nach Rache.
Doch brach Bower den langen Hieb ab, zog seine Pistole und feuerte in den Gang hinein, während er sich mit schnellen Schritten zurück zog. Zum Zugang zum Dach.
Hien wusste nicht was passiert war, er war zu verwirrt, doch seine Ausbildung hatte Früchte getragen und so rollte er sich sofort zur Seite, in eine sichere Deckung hinter eines der vielen Rohre. Er sah sich um, erblickte Wifi und Maik die am Ende des Gangs aufgetaucht waren und auf Bower feuerten. Nur ein Gedanke manifestierte sich in Hien’s Kopf.
Er durfte nicht entkommen. Hien richtete sich auf, stürmte um die Ecke und rannte Bower hinter her, der den hellen Aufgang zum Dach fast erreicht hatte.
Als plötzlich Alac im Aufgang auftauchte. Dieser zögerte nicht, richtete sein Scharfschützengewehr auf Bower, der nur noch wenige Meter von ihm entfernt war und feuerte.
Doch Bower wich aus und überbrückte die letzten Meter zu Alac, ehe er gegen ihn sprang und Hien’s Kampfmesser tief in seiner Brust versenkte. Hien’s Herz stockte und er brüllte:
„ ALAAAAACC!!!“
Keine Sekunde hatte Bower gebraucht um sich von Alac wieder aufzurichten und nun aus Hien’s Blick verschwand, der weiter rannte, mit aller Kraft die er noch aufbringen konnte. Er erreichte das Dach und erblickte eine dunkle Constellation, deren Ladeluke sich gerade schloss.
Im vorbei rennen griff er nach Alac’s Scharfschützengewehr und feuerte auf das Schiff, das nun langsam abhob. Er drückte den Abzug durch, immer und immer wieder und rannte der Constellation hinterher, die immer mehr Distanz zu ihm aufbaute. Ein Schuss nach dem anderen traf das Raumschiff, doch richtete er keinen großen Schaden an und so wurde die Constellation immer kleiner.
Doch Hien feuerte weiter. Immer wieder zog er den Abzug durch und erst als einige Male nacheinander nur das klickende Geräusch zu hören war, das bezeugte das sämtliche Munition aufgebraucht war, stellte er das Feuer ein und ließ das Scharfschützengewehr kraftlos zu Boden fallen, während er der Constellation zornig hinterher sah.
Ein kalter Schauer lief ihm über den Rücken, als er nun Begriff das er versagt hatte. Schuldgefühle durchdrangen das Geflecht aus Hass und Zorn und zerschnitten dieses, als Hien auf den Boden sah, wo Alac’s Scharfschützengewehr lag und er sich nun panisch umdrehte.
Alac lag am Boden, Hien’s Messer ragte aus seiner Brust die sich hektisch auf und ab richtete. Wifi und Maik hockten neben ihm, versuchten ihm mit allen Mitteln zu helfen, während Hien einfach an ihm vorbei gerannt war.
Mit vorsichtigen Schritten ging er auf sie zu. Wifi blickte kurz auf, schenkte ihm einen verächtlichen Blick ehe sie sich sofort wieder zu Alac richtete.
Hien kniete sich nieder, sah in Alac’s panisches Gesicht. Seine weit aufgerissenen Augen, die ihn scheinbar strafend ansahen, während er überschlagend keuchte. Seine Atmung wurde immer schneller und doch wich sein Blick nicht von Hien, dessen Mine sich zu einem trauernden Blick verzog.
Er griff nach Alac’s Hand, drückte sie und klopfte ihm mit der anderen auf die Schulter, während Alac’s Atmung sich langsam überschlug und langsam zu einem kurzen Zucken abschwächte, ehe seine Atmung völlig aussetzte und seine weit aufgerissenen Augen Hien direkt in die Seele starrten.
Hien Konnte sich nicht von dem Blick lösen. War er verantwortlich für seinen Tod? Zwanghaft spielten sich einige „was wäre wenn“ Szenarien in seinem Kopf ab. Erst als Wifi die Augen ihres ehemaligen Freundes und Kameraden schloss, konnte Hien wieder aufblicken und sah in die erschrockenen Gesichter von Wifi und Maik. Auch wenn sie nichts sagten, so gaben sie ihm die Schuld, er wusste es und er hatte es mehr als verdient.
Wieder war er verantwortlich für so viel Kummer und Leid. Er gab sich für alles die Schuld, für Prime, für Muna, für die 7te und wieder bereute er nicht einfach in dem Haus geblieben zu sein, das die Piraten niedergebrannt hatten. Ohne Worte richtete er sich auf, ging zum Aufgang zum Dach und ließ sich kraftlos fallen. Er hatte versagt. In kürze würde der Kreuzer den interstellaren Beschuss einleiten, den Atmosphärengenerator zerstören und somit alles Leben auf diesem Mond auslöschen. Sie konnten nicht fliehen und waren zum Tode verdammt. Der einzige der das hätte verhindern können war geflohen. Hien hätte ihn aufhalten können.
Doch er hatte versagt, wieder einmal.

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