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Die 7. Schwadron Episode 5 – Rückkehr zur Absturzstelle – von SEV

Fast eine halbe Stunde hatte das Gamma-Squad gebraucht, ehe es die zerklüftete Berglandschaft durchquert hatte und wieder die Höhle des Schmugglers erreichte. Weder Widerstandskämpfer noch Vanduul hatten ihren Weg gekreuzt und doch war Hien, jeder Schritt schwer gefallen. Er versuchte die Ereignisse zu verarbeiten. Doch immer wieder durchdrangen alte Erinnerungen seinen Verstand, die er mit aller Kraft unterdrückte.
Die äußeren Systeme. Die UEE ließ sie im Stich. Doch wer war er, darüber richten zu können, ob die UEE alles Tat was in ihrer Macht stand? Vielleicht gab es nicht genügend Soldaten. Vielleicht reichten die finanziellen Mittel nicht. Schon lange hatte er nicht mehr über die Hintergründe seiner Einsätze nachgedacht. Immer hatte er Befehle befolgt. War bereitwillig zu einem Werkzeug geworden und hatte sämtliche Verantwortung an das Oberkommando und seine Befehlshaber abgegeben.
Doch jetzt. Jetzt fand sein Geist keine Ruhe mehr. Er dachte nach. Über diesen Einsatz, über vergangene und musste sich eingestehen, dass er nie etwas über die Hintergründe wusste. Wenn man ihm sagte er solle schießen, dann schoss er. Wenn man ihm sagte er soll ein Gebäude in die Luft jagen, dann sprengte er. Nie hatte er über die Folgen oder Konsequenzen nachgedacht.
Den Menschen hier ging es schlecht und ihre Forderungen nach mehr Schutz waren mehr als berechtigt. Doch das rechtfertigte nicht diesen Verrat, bei der noch mehr Menschen umkamen. Wifi hatte wieder einmal Recht gehabt. Aus zwei Mal Unrecht, wurde nicht ein Mal Recht.
Und auf einmal wurde ihm klar, dass sie die ganze Zeit über der moralische Kompass war, der diese Truppe das Richtige machen ließ und auch wenn sein Inneres, den Tod von Zimmens gewünscht hatte, hatte er Dank ihr die richtige Entscheidung getroffen. Sie waren Soldaten, keine Henker die selber über Menschen richteten.
Mit einem kurzen Blick sah er zu ihr und musste sich eingestehen, dass sie vermutlich den besseren Squad Leader abgegeben hätte.
Sie war stets konzentriert, traf die richtigen Entscheidungen und trotz der Tatsache, dass sie vermutlich besser für die Führung dieses Squads geeignet gewesen wäre, dass sie auch mit hoher Wahrscheinlichkeit selber wusste, unterstütze sie ihn, mit aller Hingabe die sie aufbringen konnte.

„ Hey! Aufwachen!“
wurde er von Alac in die Seite gestupst. Hien schüttelte seinen Kopf und richtete seinen Blick wieder von Wifi ab, die gerade auf der anderen Seite in die Schmugglerhöhle stürmte.
Er klopfte Alac auf die Schulter und betrat diese ebenfalls. Hien musste sich wieder konzentrieren, sich auf die nächste Aufgabe fixieren und würde als erstes den Schmuggler vernehmen. Wenn er dem Widerstand Waffen beschaffte, könnte er in die Sache verstrickt sein.
Doch als sie das Versteck unter dem erneuten Klang dieser furchtbaren Musik erreichten, werkelte Maik unbefangen an der Gelb-Weißen Freelancer herum und Hien war es ein Rätsel, wie er sich aus den Fesseln befreien konnte. Doch er war nicht abgehauen. Weder mit der Freelancer, noch zu Fuß.
Das Squad hatte ihre Waffen im Anschlag und ging vorsichtig auf ihn zu.
Doch Maik bemerkte sie nun und weit weniger erschrocken als beim ersten Treffen stand er unbefangen auf und gestikulierte wild mit dem Hydroschlüssel, den er in der Hand hatte:
„ Ihr habt es geschafft! Hab den Knall bis hier her gehört. Man, mit euch will ich mich echt nicht anlegen müssen!“
Hien hatte den Helm nicht ganz verschlossen und so konnte Maik, sein fragendes Gesicht erkennen und antwortet auf seine nicht gestellte Frage:
„ Die Fesseln? Ich schmuggel Waffen von Cathcart. Da lernt man solche Dinge.“
Hien nahm sein Gewehr runter, sein Squad tat das selbe und verwundert fragte er:
„ Du bist noch hier?“
Maik räusperte beleidigt:
„ Ach so ist das also wieder einmal?! Ein Schmuggler muss sofort das Weite suchen, oder? Ich habe gesagt, dass ich das alles nur mache um der Kolonie eine Chance zu geben und das habe ich auch so gemeint! Ihr seid Marines, dazu recht fähige wie es scheint. Wenn ihr die Vanduul mit einem Arschtritt von diesem Mond befördern könnt, habt ihr meine volle Unterstützung!“
Hien ging langsam auf ihn zu. Er musterte seine Köpersprache, Mimik, Gestik und versucht zu erkennen ob er log. Doch warum sollte er noch hier sein und ihnen helfen, wenn er zu den Verrätern gehören sollte? Hien zog seine Pistole um Maik zu signalisieren das er es ernst meinte und sagte:
„ Gehörst du zum Widerstand? Gehörst du zu den Leuten die uns verraten haben?“
Maik sah ihn fragend an:
„ Was? Der Widerstand? Warum sollte er das tun?“
Hien ging weiter auf ihn zu, sein Stimme wurde fester:
„ Sag du es mir! Sie sind dafür verantwortlich das 6 Schwadronen vom Himmel geholt wurden!“
Er sah Maik tief in die Augen, doch konnte er genau erkennen wie Maik nun die ganzen Fragen durch den Kopf schossen, die er sich auch gestellt hatte, als er erschrocken antwortete:
„ Ihr müsst euch irren. Der Widerstand beschützt diese Kolonie!“
Hien versuchte die kleinsten Gesten und Augenbewegungen zu erkennen, die ihn womöglich verraten hätten, aber da waren keine. Er sagte offenbar die Wahrheit.
Hien steckte die Pistole wieder weg und deutete seinem Squad sich bereit zu machen, ehe er zu Maik sagte:
„ Wir nehmen deine Freelancer, sie wird dringend gebraucht!“
Maik hob die Hände:
„ Hey, nicht ohne mich!“
„ Wir brauchen keine Hilfe von Zivilisten.“
„ Ach nein? Schon mal ne Freelancer geflogen? Die Traktion ist nichts für jedermann und auch der Schubwechseln dauert einen Moment. Ich würde sie nur ungern am nächsten Felsen zerschellen sehen!“
Hien zögerte. Er wusste nicht ob er ihm vertrauen konnte und starrte ihn weiter an, ehe Maik mit entschlossener Stimme hinzufügte:
„ Ich will nur mein Zuhause beschützen und meinen Teil dazu beisteuern! Okay?“
Hien war nicht gänzlich davon überzeugt davon einen Zivilisten mit hinein zu ziehen. Vertrauen hin oder her. Doch sie waren nur zu viert. Ein Squad Mitglied auch noch ans Steuer zu setzten und auf eine Waffe zu verzichten, war ebenfalls nicht klug.
„ Na gut, ist das Ding einsatzbereit?“
„ Hey, das ist kein Ding! Das ist mein Baby. Bin mit ihr schon vor so manch einem Piraten entkommen. Aber ja, voll einsatzbereit!“
„ Versuch dich nicht frei zu kaufen. Du hast dem Widerstand Waffen geliefert und wirst dafür zur Rechenschaft gezogen werden. Auch wenn du uns hilfst!“
Maik nickte:
„ Wenn das der Preis ist, um die Vanduul von hier zu vertreiben.“
Maik wandte sich von ihm ab, eilte in den kleinen Seitenraum, griff sich eine Tasche und stieg in die Freelancer:
„ Einsteigen!“

Das Squad betrat das Frachtschiff. Doch da die Freelancer nur über 2 Sitze im Cockpit verfügte, mussten Alac, Wifi und Rho mit einem etwas ungemütlichen Platz im Frachtraum vorlieb nehmen, während Hien und Maik das Cockpit betraten, in dem jede Menge Mobigläser, Essensverpackungen und die dazu gehörigen Essensreste verstreut lagen.
„ Was?! Ich lebe hier förmlich!“
entgegnete Maik, als er Hien’s schiefen Blick sah, bevor er einige Schachteln vom Copilotensitz schob und sich setzte.
Maik tippte auf den Konsolen herum, die nun anfingen zu leuchten und ein vibrieren sich im Schiff breit machte. Die großen Scheinwerfer der Freelancer durchschnitten die absolute Dunkelheit dieser Nacht.
„ Antimateriekern – Check! Steuerdüsen – Check! Hauptantrieb…….“
Hien unterbrach ihn ungeduldig:
„ Wir haben keine Zeit das Handbuch durchzugehen! Starten…..LOS!“
„ Zu Befehl. Wenn wir wegen eines defekten Energiekondensators abschmieren, ist das deine schuld!“
Hien wedelte mit der Hand und tippte an seinem MFD herum:
„ Ich übertrage die Zielkoordinaten in die Freelancer. Wir müssen tief fliegen. So tief wie möglich um weitere Luftabwehr-Geschütze zu umgehen. Bekommst du das hin?“
„ Ich bin eins mit meinem Schiff! Du solltest dir eine Windel um machen, so tief werden wir fliegen!……..Koordinaten erhalten. Was gibt es da?“
„ Unsere Schwadron, wir müssen Verletzte bergen!“
Langsam hob sich die Freelancer in die Luft und glitt gemächlich aus der Höhle heraus. Maik manövrierte das Schiff hinaus und begann mit einem Affenzahn im Tiefflug durch die Täler und Schluchten zu fliegen. Hien wurde im Sitz hin und her geschleudert. Es krachte und schepperte im Laderaum und Alac fluchte laut durch das ganze Schiff. Maik brüllte nach hinten:
„ Entschuldigung! Hatte keine Zeit die Ladung zu sichern!“
ehe er sich wieder Hien richtete:
„ Verwundete?“
Hien überlegte krampfhaft wie viel er ihm erzählen sollte. Doch nach einigen Sekunden des Schweigens antwortete er:
„ Wir sind abgestürzt. Es sieht schlimm aus. Wir müssen unsere Verletzten bergen ehe wir unseren Auftrag fortsetzen.“
Maik blickte zu Hien hinüber, dachte jedoch nicht einmal daran, die Geschwindigkeit zu drosseln und raste weiter zwischen den Felsen und Schluchten hindurch:
„ Wie schlimm?“
Als Hien plötzlich einen großen Felsen vor ihnen im Licht der Scheinwerfer ausmachen konnte, auf den sie mit rasender Geschwindigkeit zusteuerten, brüllte er:
„ Augen nach vorne!“
Doch Maik wendete seinen Blick nicht von ihm ab und wich dem riesigen Brocken mit einer harten Kurve aus, während er beiläufig sagte:
„ Hab ihn gesehen!“
Hien krallte sich am Sitz fest und versuchte sich seine Anspannung nicht anmerken zu lassen:
„ Du bist hier aufgewachsen?“
Die Freelancer schlug einige weitere harte Kurven und tauchte in eine tiefe Schlucht ab, während Maik die Unterhaltung unbeirrt weiter führte :
„ Ja. Ich weiß wie hart das Leben hier draußen sein kann. Als ich alt genug war, bin ich ins Transport Geschäft gegangen. Ich konnte einige Kontakte auf Cathcart aufbauen und liefere seitdem Waffen, die die Menschen hier so dringend für ihren Schutz brauchen. Das ist das einzige was ich schmuggle.“
„ Sollen das Ausflüchte sein?“
„ Ganz sicher nicht. Ich stehe zu dem was ich tue, auch wenn ich dafür bestraft werden sollte. Früher habe ich versucht auf legalem Wege Waffentransporte nach Muna zu fliegen. Doch die UEE Handelsbestimmungen werden von der Waffenlobby diktiert und machen es nahezu unmöglich einen legalen Waffentransport zu fliegen.“
„ Die UEE ist also mal wieder Schuld?!“
„ Sie ist gewiss nicht Unschuldig, aber wenigstens unternimmt sie diesmal etwas, ehe die ganze Kolonie in Flammen steht.“
„ Wie lange brauchen wir noch?“
„ 10min, vielleicht 15. Diese Schlucht führt uns direkt zu den Koordinaten.“

Die Minuten verstrichen und schienen kein Ende zu nehmen, während sie durch diesen tiefen, dunklen Canyon flogen, der nur von den Strahlern der Freelancer erleuchtet wurden. Hien starrte aus dem Fenster und verfiel wieder in Gedanken.
Dieser Maik, er konnte sich nicht mehr vorstellen, dass er mit zu den Verrätern gehörte. Doch es machte keinen Unterschied. Gleich würden sie wieder bei der Schwadron sein und Sykes konnte endlich wieder übernehmen. Trotz der hohen Verluste die sie erlitten hatten freute er sich darauf, wieder zu seinen restlichen Kameraden zu stoßen.

Langsam wurde die Schlucht immer enger und neigte sich dem Ende zu. Das piepen, das von einem der Displays kam, wurde immer lauter und zeugte davon, dass sie ihr Ziel fast erreicht hatten. Die Freelancer stieg auf und Maik kommentierte:
„ Wir sind da.“
Er führte das Schiff aus der Schlucht heraus und senkte die Geschwindigkeit, ehe sie den letzten Hügel überflogen und die Absturzstelle erreichten.
Hien’s Augen weiteten sich und für einen Moment erstarrte er, als er aus dem Fenster sah. Sein Herz zog sich zusammen und er traute sich nicht mehr zu atmen. Alles stand in Flammen.
Das einstige Wrack des Hammers war in mehrere Fetzen zerrissen worden und er konnte die Schatten dutzender Leichen ausmachen, die das Leuchten der Flammen auf den Boden warfen.
Hien stand hastig auf, drückte sich gegen das Fester und wollte seinen Augen nicht trauen. Das konnte nicht Wahr sein. Es konnte nur ein Alptraum sein und so keuchte er fassungslos:
„ Nein…… nein, NEIN!“
Wifi meldete sich über das Komm:
„ Was ist los?“
Hektisch drehte er sich zu Maik und brüllte ihn an:
„ Landen! Sofort Landen!!!“
Ohne zu zögern folgte er Hien’s Anweisungen, der sofort in den Frachtraum zur hinteren Ladeluke stürmte. Fixiert auf den Ausgang eilte er an den Marines vorbei. Alac harkte beunruhigt nach:
„Was ist los verdammt?“
Hien antwortete entmutigt:
„ Wir sind zu spät.“

Die Freelancer hatte noch nicht ganz auf dem Boden aufgesetzt, da öffnete Hien die Ladeluke und sprang gefolgt von seinem Squad hinaus. Doch schaffte er nur wenige Schritte, ehe er die Ausmaße der Zerstörung wahrnahm und regungslos stehen blieb. Er sah die Leichen, die vielen Krater, durch Explosionen aus dem Gestein gesprengt, doch wollte er seinen Augen nicht glauben.
Sie waren alle Tod, zerfetzt, zerstückelt, verbrannt, erschossen. Es gab keine Überlebenden. Schockiert von dem Anblick durchstreiften Alac und Rho die brennenden Überreste und sahen sich um. Wifi trat an Hien heran, doch auch sie schwieg und legte wieder nur ihre Hand tröstend auf seine Schulter.
Hien schlug sie hinunter und trat an ein großes Metallstück heran, das aus dem Boden ragte.
Davor eine weitere Leiche mit mehreren Einschusslöchern auf dem ganzen Körper, das Gesicht blutverschmiert. Er ging in die Hocke und blickte ihm tief in die Augen, die leblos vor sich hin starrten und sagte mit gedämpfter Stimme:
„ Es tut mir Leid Sykes. Ich konnte mein Wort nicht halten. Ich habe versagt.“
Vorsichtig schloss er die Augenlider seines ehemaligen Squad Leaders ehe er Syke’s MFD wahr nahm, das noch immer stark leuchtete.
Hien betätigte es und eine Nachricht wurde abgespielt, die Sykes vor seinem Tod aufgenommen hatte.
Die Videonachricht war gestört und im Sekundentakt verwischte das Bild unter einem Rauschen. Doch konnte er Schüsse und Explosionen ausmachen, die Sykes versuchte zu übertönen, indem er laut brüllte:
„ Wir werden angegriffen, die Vanduul haben uns ausfindig gemacht. Doch wir werden nicht weichen. Wir werden uns nicht zurückziehen! Das Schicksal unserer Verletzten wird das unsere sein! Wir überleben das zusammen oder wir sterben zusammen! So oder so.
Richter, wenn du das hier hörst! Bring das zu Ende und lass nicht zu das unser Opfer vergebens war! Ich weiß du wirst mich nicht enttäuschen. Ich vertraue dir. Und wenn wir hier alle sterben sollten…..Wifi, Rho, Alac, dann macht diesen Schweinehunden die Hölle heiß!“
Die Kampfgeräusche wurden lauter. Überall durch das Bild flogen Geschosse, einige Explosionen und Flammen waren im Hintergrund zu sehen und mit aller Kraft brüllte Sykes gegen den Lärm an:
„ Hier ist Sergeant William Sykes! Marine-Corps des Vereinten Imperiums der Erde! SEMPER FI!!!“
ehe ein lauter Knall die Aufnahme abrupt beendete.
Hien schaute auf die Aufnahmeuhrzeit und sein Herz zog sich erneut zusammen, als er sah, dass die Aufnahme erst vor 20min gemacht wurde.
Sein Kopf sackte augenblicklich nach unten, in dem Wissen das er versagt hatte. Sie alle hatten sich auf ihn verlassen und er war nicht schnell genug gewesen. Wutentbrannt schlug er auf das verschmorte Stück Stahl vor sich ein. Er hätte nicht den Widerstandskämpfern folgen sollen. Die Zeit die ihre Gefangennahme gekostet hatte, hatte sie alle umgebracht. Es war seine Entscheidung gewesen. Seine Fehlentscheidung. Seine Schuld, die er ab heute tragen müsse.
Das Squad versammelte sich um ihn. Keiner wusste so recht was er sagen sollte und so entstand eine beklemmende Stille.
Erst nach einigen Momenten, in denen nur das flackern der Brände zu hören war, unterbrach Hien die Stille:
„ Wir hätten es schaffen können. 20Min………es ist meine Schuld.“
Alac motzte los:
„ Was? Geht’s noch? Die einzigen die dafür verantwortlich sind, sind Bower, Viktor und seine Brut. Komm mal wieder runter!“
Hien stand wieder auf und wurde lauter:
„ Es war meine Entscheidung! Ich hatte das Kommando! Es war mein Vorschlag erst nach einem Transportmittel zu suchen! Ich habe darauf bestanden und Sykes bedrängt! Sieh dich um! Hat mein Vorgehen sie retten können?“
Wifi wurde ebenfalls etwas aggressiver:
„ Was ist los Richter? Verdammt, das ist doch nicht dein ernst?! Worum geht es hier wirklich?“
Hien sah sich um, blickte in die Gesichter seines Squad und flüsterte:
„ Ich hab sie nicht retten können.“

Hien’s pochendes Herz war das einzige was er noch wahr nahm, als er an den Haaren, schreiend aus seinem Zimmer gezogen und die Treppe hinunter befördert wurde. Er krachte hinunter, Stufe für Stufe, doch ließ ihn die Angst jeglichen Schmerz vergessen.
Es blieb ihm keine Zeit an die gebrochene Rippe, das aufgeschlagene Kinn oder die blutende Wunde am Kopf zu denken, ehe er weiter in das Wohnzimmer gezerrt und gegen einen Tisch geschleudert wurde. Hien war kurz davor das Bewusstsein zu verlieren, einfach zusammenzubrechen und aufzugeben. Nur die Schreie, und panischen Rufe um Hilfe, die durch die eingeschlagenen, großen Wohnzimmerfenster schallten, verhinderten das. Seine Hose wurde feucht, ehe er in einer Pfütze seines eigenen Urins lag und presste die Augen zusammen, so fest er nur konnte, als ein weiterer Mann das Zimmer betrat.
„ Warum lebt er noch?“
„ Ach, der Wicht ist am Ende. Der Boss hat was er will, wir machen alles dem Erdboden gleich und vernichten sämtliche Beweise. Hol das Benzin her.“
erwiderte ein anderer mit gelassenen Ton.
Zusammen gekrümmt lag Hien am Boden, doch konnte er nur die Augen verschließen und wünschte sich vergebens auch noch die Ohren verschließen zu können, um das alles nicht ertragen zu müssen. Das passierte alles nicht. Es war nur ein Traum aus dem er irgendwann aufwachen würde. Dann würde wieder alles in Ordnung sein. Er würde zusammen mit seiner Familie wieder am Essenstisch sitzen und sich nie wieder verspäten. Er würde alles tun und seiner Familie jeden Wunsch von den Lippen ablesen, wenn er endlich wieder aufwachen würde.
Eine kalte Flüssigkeit wurde über ihn hinüber geschüttet, brannte sich in seine Augen und füllte seinen Mund mit einem bissigen Geschmack. Er röchelte, schnappte nach Luft und hustete. Fast hätte er sich übergeben müssen. Die beiden Männer verschwanden nachdem sie im ganzen Haus das Benzin verschüttet hatten.
Er hörte weitere Schreie und kniff die Augen noch fester zusammen.
Plötzlich erklang der Schrei seiner Mutter. Er drehte sich herum, kämpfte gegen das Gefühl an die Augen verschlossen zu halten und seine Lieder öffneten sich langsam und so schaute er hinaus, den kleinen Abhang hinunter der sich vor dem Haus erstreckte. Er riss seine Augen auf, als er die vielen Leichen sah, die vor dem Haus lagen und sein Herz erstarrte.
Sein Vater, seine Mutter und Emeli, sie waren da, doch sie waren am leben. Aber seine Mutter wurde unter lautem kreischen in eine Seitengasse gezogen. Sie versuchte sich verzweifelt zu wehren, doch konnte sie dem Griff des Mannes nicht entgehen. Hien verlor die Sicht auf sie, weitere Männer folgten ihr in die Gasse und die entsetzlichen Schreie seiner Mutter bohrten sich in sein Kopf.
Einige Minuten dauerte es, ehe es Stumm wurde und Hien nun seinen Vater sah. Dieser konnte sich befreien, hatte seine Angreifer mit den Ellenbogen einige Schläge ins Gesicht verpasst und rannte los. Zu der Gasse in die seine Frau geschleppt worden war. Doch er stürzte und sofort ging ein Mann auf ihn los. Er stach auf ihn ein. Immer und Immer wieder. Ein Lächeln machte sich auf dem Gesicht des Angreifers breit, als er lauthals verkündete: „ Hat nicht lange durchgehalten, der Penner!“ Die Leute lachten, während ein Stück von Hien gerade gestorben war. Sein Vater, den er über alles geliebt hatte. Abgestochen, vor seinen Augen. Doch er konnte die Augen nicht mehr schließen. Er konnte nicht mehr wegsehen. Auch nicht als Emeli unter lautem kreischen davon geschleppt wurde. Seine große Schwester, die immer auf ihn aufgepasst hatte und doch sah er einfach nur zu.
Er konnte nicht mehr weinen. Sein Verstand verweigerte den Dienst und so konnte er einfach nur zusehen, als wäre er schon gar nicht mehr in seinem Körper. Er sah die Morde, die ungeheuren Taten, hörte die Schreie, doch nahm er sie nicht mehr wahr. Sein Blick erstarrte zu einem ausdruckslosen Schrecken.
Die Männer verschwanden. Richteten jeden Überlebenden hin, den sie auf ihrem Weg zurück passierten. Nur ihn ließen sie am Leben und Hien wusste, dass es die Strafe für seine Untätigkeit gewesen war. Er hatte sich versteckt. Er hatte tatenlos zugesehen.
Er war acht Jahre alt, und warf sich vor, niemanden gerettet zu haben, wo es doch das einzige war das er gewollte hatte. Ein Feuer breitete sich hinter ihm aus und er war allein. Allein mit seiner Schuld.

Hien blickte sich um als wäre er kurz weggetreten und musste sich neu orientieren. Immer noch stand Wifi vor ihm, in Erwartung eine Antwort zu bekommen. Erneut überschaute er die vielen Leichen.
Sein anderes Ich, die verletzte und gezeichnete Person die seit Jahren in ihm geschlummert hatte, versuchte wieder vor zu dringen. Doch würde er das nicht zulassen. Er musste sich konzentrieren. Den inneren Druck überwinden. Gegen das Gefühl ankämpfen das ihm sagte, er solle sich erinnern, die Erinnerungen akzeptieren.
Doch er musste sich auf ihre Aufgabe konzentrieren. Wie früher, all seine Kraft und Konzentration auf den Einsatz und sein Squad richten. Sie hatten Recht. Bower, Viktor und seines gleichen hatten dieses Massaker zu verantworten. Sie würden nicht so einfach wie Zimmens davon kommen. Er würde ihre Pläne durchkreuzen und sie niederstrecken.
Das war das Letzte was er für seine gestorbenen Kameraden tun konnte. Den Auftrag beenden. Keine weiteren Ablenkungen, schwor er sich.
Er erhob sich wieder und sah die Entschlossenheit und das Vertrauen, das in ihn gesetzt wurde in den Augen seines Squads. Er war nicht allein. Er durfte sie nicht enttäuschen. Hien legte seine Hand freundschaftlich auf Wifi’s Schulter und sagte mit gedämpfter Stimme:
„ Du hast Recht. Wie immer.“
Er lächelte sie an, und vergaß für einen Moment die Zeit als er in ihre großen Augen schaute. Doch er löste den Blick, nahm wieder eine aufrechte Form an und trat ein Stück zurück, ehe er mit einer kräftigen Stimme anfing zu reden:
„ Wir sind ein Squad. Eine Familie. Die letzten die übrig sind. Vanduul, der Widerstand, sie alle werden sich uns entgegenstellen.
Doch wir sind Marines. Wir sind die verbleibende Hoffnung der 7en Schwadron und der restlichen Einheiten des 124en Marine-Corps, die ihr Leben gaben um diese Kolonie zu beschützen.“
seine Stimme wurde lauter, kräftiger:
„ Erst wenn WIR scheitern, haben unsere Feinde gewonnen. DIE Menschen, die unsere Kameraden verraten haben!“
Hien fing an zu gestikulieren als er nun die pure Entschlossenheit aussprühte:
„ Doch wir werden nicht versagen. Wir werden das ein für allemal zu Ende bringen und jeder, der für diesen Verrat verantwortlich ist, wird dem Untergang geweiht sein.
Wir haben keine Kompanie die mit uns kämpft, wir haben keine Luftunterstützung, wir haben keine Panzer, aber was wir haben, ist der eiserne Wille den Gegner zu zeigen, dass er sich nicht ungestraft mit den Marines anlegt und jedes Opfer auf unserer Seite ihm mehr Leid zufügen wird, als das er sich das je hätte vorstellen können! Hwu WAH!“
Alac stimmte ein:
„ Wow, spürt ihr das? Das ist er wieder! Der Gänsehautmoment!“
Wifi lächelte Hien an: „ gut gemacht.“ sagten ihre Augen, doch sie Sprach es nicht aus.
Rho brummte:
„ Wunderbar, dachte schon ihr fangt jetzt an zu kneifen!“
Wifi ging auf Hien zu, stupste ihm in die Seite und fragte:
„ Und was ist unser nächster Schritt? Squad Leader?“
Hien ging kurz in sich, verbannte wieder alles aus seinem Kopf das nichts mit der Aufgabe zu tun hatte und sagte mit fester Stimme:
„ Maza! Bower wird nicht Ruhen, ehe alle Streitkräfte der UEE versagt haben! Die 4te und wir, ist alles was auf diesem Mond noch übrig ist. Die 4te hatte vor unserem Einsatz Lageberichte übermittelt. Also müssen sie Kontakt mit dem Oberkommando haben.“
Wifi sah sich um:
„ Was machen wir mit den Toten?“
Hien’s Stimme wurde leiser:
„ Wir können nichts für sie tun. Sie werden eine angemessene Bestattung erhalten, aber erst müssen wir unseren Auftrag beenden!“
Wifi nickte etwas widerwillig.
Und ein letztes Mal senkte er sich zu Sykes hinab und flüsterte:
„ Ich werde nicht versagen!………..Ich danke dir für alles. Leb wohl.“
Hien wandte sich ab, er schaute nicht zurück und zusammen mit seinem Squad machten er sich auf den Weg zur Freelancer.

Als plötzlich Maik über das Komm der Helme der Marines schallte:
„ Richter! Ich habe was aus dem Kurzstreckenscanner. Sieht aus wie einige Gleiter die sich schnell unserer Position nähern! 3 Stück, gerade erfasst!“
Da traf es Hien wie einen Schlag. Bower war nicht auf sie herein gefallen. Er hatte sie lediglich im Glauben gelassen, damit sie Iin direkt zur Absturzstelle führen würden. Kein Widerstand, keine Wache die sich ihnen in den Weg gestellte hatte:
„ Wie konnte ich nur so blind sein?!“
rief er laut aus und Alac witzelte:
„ Naja, zu deiner Verteidigung: Es ist ja auch verdammt dunkel hier!“
Hien warf ihm einen bösen Blick zu ehe er erläuterte:
„ Wir haben sie direkt her geführt!“
Für einen Moment fragte sich Hien, ob Maik mit darin verstrickt sein konnte, doch warum hätte er sie dann jetzt warnen sollen? Ob Schmuggler oder nicht, zu den Verrätern gehörte er keines falls und so befahl er ins Komm:
„ Maik, mach das du weg kommst! Das hier geht dich nichts mehr an. Es wird gleich hässlich werden.“
„ Was? Wieso? Sind das Feinde? Dann lasst uns hier abhauen!“
Hien brüllte ins Komm:
„ Verschwinde! Du hast genug getan!“
Es erklang kein Wiederwort, ehe die Freelancer abhob und langsam in der Dunkelheit verschwand. Hien fragte sarkastisch:
„ Oder wollte ihn jemand begleiten!“
Doch ihre Blicke sagten alles und Alac sprach aus, was sie alle dachten:
„ Nie im Leben!“
Wifi nickte:
„ Sie sind sogar so nett und bringen uns Gleiter mit!“
Hien fand wieder halt. Er konnte sich wieder auf etwas konzentrieren. Ein Plan musste her, der ihre „Freude“ über das auftauchen der Widerstandskämpfer auch richtig zu Geltung brachte.
Nach einigen Momenten, in denen Hien die verschiedenen Position eingeteilt und gesagt hatte was zu tun war, stand er wieder auf und brüllte:
„ Für Sykes! Und für jeden einzelnen Marine der 7en! SEMPER FI!!!“
„ Hwu Wha!!!“
War die gemeinschaftliche Antwort, ehe jeder seiner Aufgabe nach ging.

Wenige Minuten waren vergangen, ehe der erste Gleiter über den Hügel flog, einige Hundert Meter entfernt von der Absturzstelle. Ein grauer Transporter der sofort anhielt, als die Absturzstelle in Sicht war und unverzüglich ein Bewaffneter Trupp Widerstandskämpfer hinaus stürmte.
Rho war gerade noch rechtzeitig wieder zurück gekehrt und nahm neben Hien Platz, der sich auf eine Bergkuppe zurückgezogen hatte, mit freier Sicht über das gesamte Gelände, nicht weit von dem feindlichen Transporter entfernt. Eine steile Felswand trennte sie von den Gegnern, die nur über die Flanken den Berg erstürmen konnten.
Doch die zerklüfteten Felsformationen würden sie auf den Weg nach oben aufhalten können. Hien konnte sie Rufe und Befehle wahrnehmen, als die Angreifer, verwundert über die bereits zerstörte Absturzstelle, nicht genau wussten was zu tun war und einen eher mäßigen Verteidigungsring aufbauten.
„ Einen Transporter brauchen wir Rho, denk dran!“
Sagte Hien über das Komm in seinem Helm, der bereits wieder komplett verschlossen war.
„ Verstanden, sobald der zweite Gleiter das Zielgebiet erreicht, geht’s los!“
Hien konnte bereits 20 Widerstandskämpfer ausmachen, die allein in dem ersten Transporter gesessen hatten. Sie würden für den Tod seiner Kameraden zahlen. Für jeden einzelnen.
Der zweite Transporter flog über den Hügel und machte nahe des ersten halt. Die Schluchten hatten dafür Sorge getragen, dass sie genau an diesem Hügel die Absturzstelle erreichen würden. Die steilen Felswände rings herum waren für Gleiter unpassierbar gewesen und so schrie Hien:
„ Sprengen!!!“
Rho tippte den Befehl auf seinem MFD ein und fast die gesamte Hügelkuppe ging in einem gewaltigen Feuerball auf. Die Druckwelle erfasste die beiden und durchdrang sie bis ins Rückenmark. Der laute Knall breitete sich aus und wirbelte Steine, Geröll und Staub umher. Alac schrie übers Komm:
„ Yeeeehaaaaaaaa! Fresst das ihr Verräter!“
Rho nuschelte:
„ Wir haben doch gerade erst angefangen!“
Der letzte Truppentransporter schoss durch die Flammen hindurch und Hien brüllte:
„ Alac! Versau es nicht!“
Doch ehe er den Satz ausgesprochen hatte, sah er wie ein Leuchtspurgeschoss durch die Luft zischte und in die Frontscheibe des Transporter einschlug, der nun unkontrolliert gegen den nächsten Felsen krachte.
„ Fahrer ausgeschaltet!“
Kommentierte Alac trocken.
Sofort sprangen weitere Wiederstandkämpfer aus dem liegen gebliebenen Transporter und augenblicklich rief Hien:
„ Feuer eröffnen!!!“
Rho ging aus der Deckung und legte das Impulsgewehr auf einem Felsen auf, ehe das laute knattern ertönte und sogar durch den Lautstärke-absorbierenden Helm, bis in Hien’s Gehörgänge drang und ein lauter Pfeifton sich bis in seinen Kopf bohrte. Die dicken Blauen Geschosse hagelten auf die Widerstandkämpfer ein, zerfetzten Felsen und Steine auf dem Weg zu ihren Zielen. Diese gingen sofort in Deckung und erwiderten das Feuer. Einige Überlebende der Explosion hievten sich wieder hoch und nahmen ebenfalls die Bergkuppe unter Beschuss, auf der sich Hien und Rho verschanzt hatte. Hien sprang aus der Deckung und nahm einzelne Feinde gezielt unter Beschuss, während Rho die Gegner in Deckung zwang. Wifi meldete flott:
„ Bin in Reichweite! Deaktiviere per Fernzugriff alle Systeme des Transporters. Die fahren nirgends mehr hin!“
Hien bestätigte prompt:
„ Verstanden, pass auf dich auf! Alac, schalte alles aus was sich ihr nähert!“
„ Bestätige! Ein Schuss ein Treffer! Zählst du noch mit Boss? Wenn wir hier fertig sind, musst du die 0 auf meinem MFD korrigieren!“
Hien ging in Deckung um nachzuladen, während Rho unbeirrt weiter feuerte und nun antworte:
„ Streng dich an! Für jeden Abschuss schreibe ich dir heute 2 gut!“
Hien sprang wieder hoch und feuerte weiter auf die Feinde. Sie würden alle sterben und das nicht früh genug. Verschanzt saßen sie nun in der Falle, hatten keine Chance mehr zu entkommen und mit jeder Sekunde sank ihre Zahl gen Null. Nach einigen Minuten des Feuergefechts waren nur noch knapp über 10 übrig, die verzweifelt versuchten ihre Stellung zu halten und irgendwie zu überleben.

Als plötzlich ein mechanisches Jaulen durch das Tal schallte und sogar das Knattern des Impulsgewehr übertönte. Hien stellte das Feuer ein und schaute sich verwirrt um, in der Hoffnung, die Herkunft dieses abstrakten, furchteinflößenden Klangs ausfindig zu machen. Ein mulmiges Gefühl machte sich in seiner Magengegend breit als Wifi nun erschrocken über das Komm fragte:
„ Was war das?“
In wenigen Augenblicken war das Gefecht zum erliegen gekommen. Auch die Widerstandskämpfer hatten das Feuer nach dem lauten Geräusch eingestellt und sahen sich verwundert um, während eine immer wieder kehrende, immer intensiver werdende Vibrationen den Boden erschütterte. Rho und Hien sahen sich verdutzt an und Rho knurrte:
„ Ich hab da ein ganz mieses Gefühl!“
Alac schien nicht ganz so unruhig zu sein:
„ Rho, war das dein Magen der geknurrt hat?“
Das laute Heulen erklang erneut und ehe Hien begriff was los war, konnte er einen der Widerstandkämpfer laut aus dem kleinen Tal brüllen hören:
„ Kampfläufer!!!“
In diesem Moment stapfte der 6-beinige Vanduul-Kampfläufer durch die von der Sprengung verursachten Flammen und sah aus wie der Teufel selbst, der aus den Tiefen der Hölle eintraf. Er war über 15m hoch, hatte mächtige Kanonen an der Unterseite, die sofort anfingen alles unter Feuer zu nehmen was sich bewegte.
Die massiven Beine pulverisierten Felsen und Steine unter den Tonnen aus Stahl und Metall. Mit einem Geräusch, das einer Kreissäge glich, fingen die Kanonen an zu feuern und zerfetzten den Transporter der Widerstandskämpfer in tausend Stücke, ehe dieser in einem Feuerball aufging. Hien wurde klar, dass der Lärm des Gefechts, zwischen ihnen und den Widerstandskämpfern, die Vanduul wieder her gelockt hatte, als er nun von der Seite gepackt wurde.
„ HIEN! WEG HIER!!!“
brüllte Rho ihn an, doch Hien schüttelte seinen Arm von ihm weg und brüllte zurück.
„ NEIN! Wifi ist noch da unten!“
Keuchend meldete sie sich zu Wort:
„ Seht zu das ihr da weg kommt! Ich schaff es allein!“
Doch Hien konnte nicht zulassen das ihr etwas zustieß, panisch packte er Rho und brüllte:
„ Du und Alac! Ihr zieht euch zurück! Ich hole Wifi da raus!!!“
Der Kampfläufer war im Begriff die letzten Widerstandkämpfer mit monströsen roten Lasern zu pulverisieren, die verzweifelt um ihr Leben liefen. Sie zerplatzen in einer roten Wolke aus Blut, sobald der Energiestoß des Lasers sie traf und nicht einmal Knochen zurückließ.
Hien konnte aus dem Augenwinkel erkennen, dass der Kampfläufer Bodentruppen absetzte und wusste nicht, wie viel Zeit ihnen bleiben würde, ehe sie mit dem Widerstandskämpfern fertig waren und sich dem Gamma-Squad widmen würden.
Er rannte so schnell er konnte den Abhang hinunter, zu Wifi, die sich nahe an den nun brennenden Transporter heran gearbeitet hatte um diesen zu hacken. Er würde sie nicht im Stich lassen, auch wenn er bei dem Versuch sie zu retten sterben sollte. Alac schallte über das Komm:
„ Beeilt euch verdammt! Die Widerstandskämpfer sind fast vernichtet!“
Doch Hien erblickte nun Wifi, die ihm genau entgegen rannte, nicht mehr weit entfernt. Es trennten sie nur noch wenige Sekunden, die sich wie eine Ewigkeit hinaus streckten als Rho plötzlich ins Komm brüllte:
„ Er nimmt euch ins Visier! Verdammt, WEG DA!!!“
Hien blickte auf, sah das Lasergeschütz an der Unterseite des Koloss, dessen rote Energieblitze sich an der Mündung des Laufs sammelten. Er sprang nach vorne, machte sich lang und rutsche den Abhang hinunter, ehe er in Wifi hinein krachte und sie mit sich hinunter riss.

Eine laute Explosion breitete sich hinter ihnen aus und sprengte unter einem lauten Knallen, ein tiefes Loch in das Gestein, wo sich vor einer Sekunde noch Wifi nach oben gearbeitet hatte. Doch Hien hatte Wifi gepackt und umschloss sie so fest er konnte, während sie weiter den Abhang hinunter rutschen. Das Feuer der einzelnen Vuuls die abgesetzt wurden prasselten auf sie ein und schlugen weiter Locher in die Felsen, als das typische dumpfe Knattern des Impulsgewehrs von der Bergkuppe ertönte und die dicken blauen Geschosse zu den Kampfläufer hinüber rasten.
Alac’s Scharfschützengewehr stimmte in das laute knattern mit ein und Hien krachte zusammen mit Wifi gegen ein großen Gesteinsbrocken. Augenblicklich brüllte er in den Funkkanal:
„ Ihr solltet verschwinden! Macht das ihr weg kommt!!!“
„ Keine Chance Boss! Und wenn du dich auf den Kopf stellst!“
erwidert Alac.

Doch sie saßen fest, es gab keinen Ausweg. Hien warf einen hastigen Blick um die Ecke des Gesteinsbrocken und erkannte das die Kanone sich erneut auflud und in kürze feuern würde.
Als plötzlich eine Rakete über ihre Köpfe hinweg raste, den Kampfläufer mit einer lauten Explosion am Bein traf und dieser Augenblicklich zur Seite sackte.
Der rote Laser feuerte, verzog und traf die steile Wandung des Bergs, die unter einem lauten knacken nach gab und zusammen stürzte. Eine zweite Rakete schoss über ihre Köpfe hinweg und traf den Kampfläufer im vorderen Bereich. Ein Knall ertönte, gefolgt von einer heftigen Explosion und der Kampfläufer stürzte nach vorne, ehe er unter einem lautem donnern in den steinigen Boden krachte.
„ Yeah! Macht euch auf was gefasst!!“
war Maik über das Komm zu hören
„ Seid ihr noch in einem Stück?“
Hien lachte einmal laut auf, als er die Freelancer über sie hinweg fliegen sah und rief erleichtert in das Komm:
„ Hatte ich nicht gesagt das du abhauen sollst?“
Maik erwiderte:
„ Bin ich doch! Und jetzt bin ich wieder da!“
„ Wir verdanken dir was! Alac, Rho, gebt uns Sperrfeuer! Wir müssen wieder den Abhang hinauf! Wir ziehen uns zurück ehe noch mehr Vuuls auftauchen!“
Er blickte wieder zurück zu Wifi, direkt durch das schmale Helmvisier in ihre Augen, die sich wieder leicht verengt hatten und von einem Lächeln zeugten, ehe sie leise sagte:
„ Du hast mich heute zum zweiten Mal gerettet.“
„ Macht das nicht einen Squad Leader aus?“
Doch sie sagte nichts und erwiderte nur seinen Blick, als erneutes knallen und rattern sie aus den Gedanken riss.
„ Los jetzt!“
sagte er bestimmend und sprang auf.

Hastig machten sie sich auf, rannten wie vom Teufel gejagt die Hang hinauf, während Kugeln und Granaten um sie herum einschlugen und die Nacht von dem Feuerwechsel erhellte wurde. 10-20 Vanduuls verwickelten sie noch in Kämpfe. Allein an dem Klang des Gefechts konnte Hien diese Zahl abschätzen.
Doch hier waren sie unterlegen, nicht wie am Außenposten in dem sie die Vuuls in eine Falle locken konnten. Den Kampf weiter fortzuführen wäre Selbstmord gewesen.
„ Bin in einer sicheren Position hinter dem Berg, beeilt euch!“
meldete Maik, als sie die Bergkuppe unter schwindenden Kräften fast erreicht hatten. Gelegentlich drehte sich Hien um, gab einige vereinzelte Schüsse ab, ehe er weiter hoch sprintete.
Doch es war geschafft, unter pfeifenden Querschlägen und zerberstenden Felsen erreichten sie die Kuppe und nicht weit entfernt sah Hien die Freelancer mit geöffneter Ladeluke warten. Alac tauchte hinter einem dicken Felsen auf und schrie:
„ Na das wurde aber auch Zeit!“
ehe er sich hastig zur Freelancer aufmachte. Doch inzwischen hatten die Vanduul sie fast erreicht und erklommen ebenfalls den Abhang. Verzweifelt schoss Rho weiter in die Menge der Angreifer. Hien brüllte ihn an:
„ Los jetzt, weg hier!“
Mit einer Kopfbewegung deutete er Wifi, sich zur Freelancer aufzumachen.

Als plötzlich ein lautes Scheppern ertönte. Hien drehte sich um, konnte gerade noch Rho erkennen wie dieser durch die Luft gewirbelt wurde, als schon das penetrante Piepen, unter der Meldung „Ausfall“ im HUD ertönte und Hien’s Herz wild anfing zu hämmern.
„ Nein!“ brüllte er und rannte mit aller Kraft die er aufbringen konnte zu Rho, der leblos zu Boden fiel. Wifi und Alac zögerten nicht und feuerten wild auf die Vanduul, die nach und nach den Abhang hinauf kamen.
Hien packte Rho, sobald er ihn erreicht hatte und zerrte ihn hinter sich her, während er mit der freien Hand, mit der er seine Pistole gezogen hatte, auf die Gegner schoss.
Er zog, so schnell und kräftig er konnte. Er musste seine Schmerzen vergessen, die brennenden Sehnen, das kratzen in der Lunge. Er blendete alles aus. Richtete seine gesamte Kraft auf sich und trieb sich weiter an. Er zog und zog, feuerte immer wieder auf die Vanduul.
Wifi und Alac waren bereits an der Frachtluke der Freelancer in Deckung gegangen und feuerten was die Waffen hergaben. Er überbrückte die letzten Meter und hatte nur noch einen Gedanken im Kopf.
Rho.

Hien erreichte den Laderaum, unter lauten knattern und Kugeln die in die Freelancer einschlugen.
Die Laderampe klappte hoch und die Freelancer brachte sich in Bewegung um sich schnellst möglichst von dem Feind zu entfernen.
Unverzüglich machte sich Hien daran, Rho zu untersuchen. Doch er erstarrte, als er nun fassungslos das riesige Loch in seiner Seite sah und ihm klar wurde, dass er einen leblosen Körper hinter sich hergezogen hatte und nun ausdrucklos in sein blutverschmiertes Gesicht sah.
Wifi und Alac standen erschrocken neben ihm. Keiner traute sich ein Laut von sich zu geben, während sie den Leichnam ihres Kameraden anstarrten, der vor wenigen Sekunden noch für sie da gewesen war und ihren Rücken frei gehalten hatte.
Er hatte gesprochen, er hatte sie beschützt, war nicht für einen Moment zurück gewichen. Ein Teil von Hien schien zu sterben, als er begriff, was geschehen war. Nie mehr würde er was sagen können. Nie wieder würde er einen Streit mit Alac ausfechten können. Es war vorbei, für immer und sie hatten sich nicht mal von ihm verabschieden können. Kein letztes Gespräch, keine letzte Danksagung.
Doch schloss er diese Gedanken tief in sich ein. Schob sie in eine andere Ecke seines Verstands, wo sie nicht mehr so schmerzten und griff nach Rho’s Hals um seine Erkennungsmarke heraus zu ziehen, während er sagte:
„ Wir werden dich vermissen, Rho.“
Hien stand auf und stützte sich mit beiden Händen an der Wand des Frachtraums ab, ehe er den Kopf hängen ließ. Wifi folgte ihm einige Momente später, griff Hien’s Arm, drehte ihn herum und umarmte ihn tröstend, während er Alac flüstern hören konnte:
„ Ich werde denen den Arsch aufreißen. Das verspreche ich dir Rho!“
Einige Minuten verstrichen, ehe Maik sie über Komm aus dem Gedenken hinaus riss:
„ Richter? Was machen wir jetzt?“
Hien löste sich aus Wifi’s Umarmung und antwortete:
„ Lande irgendwo, wo wir sicher sind!“
„ Wird gemacht!“
Es war nicht das erste Mal das Hien einen Kameraden verloren hatte, auch wenn sich dieser Verlust weitaus schlimmer anfühlte als alles bisherige. Doch so war er dankbar, wenigstens diesen Moment der Ruhe und Zeit zum Trauern gehabt zu haben, ehe er sich wieder seinem Einsatz widmen musste. Wenn inmitten eines Gefecht ein Kamerad fiel war einem diese Zeit nicht vergönnt, ehe man wieder von Mensch auf Soldat umschalten musste.
Genau wie es Hien, Alac und Wifi jetzt tun mussten. Alac kramte ein Plane aus einer der Kisten im Frachtraum und deckte sie über Rho.
Ehe Hien sich versah, hatte dieser schon wieder sämtliche schlechten Gefühle aus dem Gesicht geschoben und schien nun schon wieder die letzten Minuten verarbeitet zu haben. Hien beneidete Alac um diese Fähigkeit, seine Gefühle so konsequent unterdrücken oder zu verarbeiten können. Ob er sie nur überspielte oder wirklich einfach beiseiteschob, konnte Hien nur raten, dem man diesen Verlust immer noch deutlich ansah.
Eine leichter Ruck durchlief die Freelancer, als diese in einem dunklen Felsspalt landete. Maik betrat kurz darauf den Frachtraum und musterte die 3 Marines. Als er die Plane über dem Leichnam liegen sah drückte er aufrichtig sein Beileid aus:
„ Tut mir leid!“
Doch Hien winkte ab:
„ Muss es nicht. Ohne dich würden wir sein Schicksal teilen.“
Alac warf ein:
„ Ja ja ja. Verdammt wir brauchen einen Plan. Was machen wir jetzt? Willst noch ne Rede halten?“
Hien schüttelte den Kopf:
„ Die Zeit der Worte ist vorbei. Wir fliegen nach Maza. Die 4te ist dort……….und Bower!“
Maik mischte sich ein:
„ Wer ist Bower?“
Maik hatte Hien’s Vertrauen gewonnen und so erklärte er ihm alles, während Maik’s Augen immer größer wurden und schließlich erwiderte:
„ Was? Viktor? Wenn ich gewusst hätte…….“
Alac beendete den Satz:
„ ……..dass er ein durch geknallter Irrer ist?!“
und Maik erwiderte:
„ Er kam mir wie ein aufrichtiger Mann vor. Immer etwas jähzornig, aber das er zu so etwas in der Lage ist………..das hätte ich niemals geglaubt!“
Etwas zorniger als er es eigentlich gemeint hatte sagte Hien:
„ Aber dennoch hast du ihm die ganzen Waffen geliefert!“
Maik erwiderte erneut:
„ Irgendjemand musste die Kolonie ja verteidigen!“
Mit einer Handbewegung signalisierte Hien, dass er es nicht so gemeint hatte und erklärte weiter:
„ Wir fliegen nach Maza, stoßen zur 4en, nehmen Kontakt mit dem Oberkommando auf und was immer Bower auch vor hat………..wir halten ihn auf ehe die gesamte Kolonie brennt!“
„ Nicht zu vergessen, ihm den Arsch aufzureißen!“
fügte Alac hinzu.
Wifi nickte nur und ohne weitere Worte machten sie sich ins Cockpit auf, nur Alac blieb bei dem Leichnam seines Kameraden und fing nun an leise mit ihm zu reden.
Maik und Hien nahmen Platz, während sich Wifi mit in das Cockpit zwängte. Langsam hob die Freelancer ab und sauste aus der Felsspalte heraus.
„ Wie lange brauchen wir bis nach Maza-City?“
fragte Hien und Maik erklärte:
„ Naja, wir müssen tief fliegen. Normal würden wir vielleicht ne halbe Stunde brauchen. Aber so……vielleicht 2 Stunden?!“
„ Wir müssen uns beeilen!“
bekräftigte Hien erneut.
Sie düsten durch die verwinkelten Schluchten und Berge, Richtung Maza-City und Hien malte sich in seinem Kopf aus, was er Bower und Viktor antun würde wenn er sie in die Finger bekommen sollte.
Es war nicht mehr nur ein Auftrag, eine Mission.
Es war etwas persönliches geworden.

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